Mit der vorliegenden Verserzählung aus dem 19. Jahrhundert wird eine neue Rubrik unseres Hauses eröffnet, für die unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Viktor Krieger hauptverantwortlich ist. Damit möchten wir das wissbegierige Publikum über ein sehr wichtiges Anliegen unseres Hauses regelmäßig informieren – die Aufstellung einer virtuellen Sammlung mit aussagekräftigen Text-, Bild-, Foto-, Audio- und Videodokumenten zur russlanddeutschen Geschichte, Kultur und Gegenwart.

Alle Interessenten, denen ein solches Anliegen am Herzen liegt, sind herzlich zu einer Zusammenarbeit eingeladen. Jeder kann zum Gelingen dieses Vorhabens beitragen, sei es durch die Zurverfügungstellung einer Digitalkopie, durch die Leihgabe oder Schenkung von historischen Fotos, Briefen, Tagebüchern, persönlichen Dokumenten, Drucken oder Gegenständen, die einen Bezug zu den Russlanddeutschen und ihrer Lebenswelt haben.

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Beim vorliegenden Dokument handelt es sich um ein Gedicht, bestehend aus 50 Sechszeilern, das in schlichter Form das bewegende Leben eines schwäbischen Auswanderers im Kaukasus des 19. Jahrhunderts schildert: „Eine kurze Biographie des Johannes Mayer der 2-te und seiner Ehefrau Barbara Mayer, geb. Manz, zum Andenken auf den goldenen Hochzeitstag, den 24.11.1875“.

Dieses Versepos war bei den Kaukasusdeutschen, v.a. in und um Katharinenfeld in Georgien sehr bekannt und beliebt. Das Original hat eine bewegende Geschichte; es befindet sich im Besitz der Nachkommen der Familie Krohmer, ursprünglich aus Katharinenfeld stammend. Josef Krohmer (1894-1960) bekam es, den Familienüberlieferungen zur Folge, zu seiner Konfirmation. 1918 heiratete er Therese Kiess (Kieß) und zog 1927 in die Tochtersiedlung Grüntal, in der er Land kaufte und einen Weinberg anlegte. 1941 wurde die Familie Krohmer zusammen mit anderen Deutschen aus Georgien ins Gebiet Pawlodar in Kasachstan deportiert. Mitgenommen werden durften nur ganz wenige Sachen. Neben einigen persönlichen Fotos und Urkunden wurde dieses Gedicht als kostbare Reliquie aus der alten kaukasischen Heimat im Familienbesitz treu aufbewahrt. Es wanderte in all den Jahren der Verbannung, der Zwangsarbeit, der zahlreichen Umzüge und zuletzt der Aussiedlung nach Deutschland mit und befindet sich z. Zt. im Besitz der Tochter Eugenia Krieger (Pforzheim).

Nürnberg, den 28. Oktober 2019.

Falls Sie die Datei in einer besseren Auflösung bekommen und für Ihren privaten Gebrauch oder etwaige Präsentationen nutzen möchten, wenden Sie sich an uns unter: kontakt@bkdr.de