„Ich sah mich in der Pflicht ihnen zu danken“

Eugen Esch bekleidet die Position des Regionalkoordinatoren beim Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland und gehört mittlerweile seit über einem Jahr zum Team. Jedoch war sein Weg nicht der einfachste. Als neunjähriger Junge einer russlanddeutschen Familie aus der Stadt Aktjubinsk (Kasachstan) kam er nach Deutschland. Anfängliche Anpassungsschwierigkeiten sollten ihn jedoch nicht von seinem angestrebten Werdegang abbringen:

Mit viel Fleiß hat er einen eindrucksvollen Weg zurückgelegt: Eugen Esch.

In der Schulzeit hatte ich gewisse Schwierigkeiten, weil ich wahrscheinlich typische Anpassungsprobleme eines Migrantenkindes durchlebt habe. Ein Abitur schien für mich zu jener Zeit unerreichbar, sodass ich im Anschluss an die Schule direkt eine Berufsausbildung angefangen habe. Nach der abgeschlossenen Berufsausbildung arbeitete ich viele Jahre in verschiedenen Unternehmen. Ein fehlender Hochschulabschluss war mir dabei zu jedem Zeitpunkt ein Dorn im Auge. Vor allem, weil meine Schwester zu dieser Zeit mehrere universitäre Abschlüsse anstrebte und ich dadurch einen gewissen Druck verspürte. Zusätzlich muss ich erwähnen, dass meine Eltern aus einfachen Arbeiterkreisen kommen. Ich sah mich in der Pflicht ihnen zu danken, indem ich meinen Abschluss nachholen würde. Mehrere Jahre kostete mich der „Umweg“ für die im Nachgang errungene Hochschulreife, die mir das Tor zur Otto-Friedrich-Universität Bamberg öffnete. An der Universität angekommen, konnte ich die Terminologie und den Hochschulanspruch in verschiedenen Fachrichtungen nur durch eine innere Motivation und dementsprechend viel Fleiß meistern, da bereits die Vorstufe zur Hochschulreife eine immense Diskrepanz zu meiner vorhergehenden Ausbildung darstellen sollte. Heute kann ich sagen, dass die Zeit an der Universität in Bamberg, einschließlich den Auslandserfahrungen in Tomsk und Moskau, mitunter die tollsten Lebensjahre für mich darstellen. Dabei konnte ich viele Erfahrungswerte sammeln. Ganz bewusst habe ich Fachrichtungen studiert, die meinen Interessen entsprachen und ignorierte jegliche Anmerkungen Außenstehender, deren Aussagen nach ich mich auf dem „akademischen Arbeitslosenpfad“ befände. Unter dem Strich ist ein sehr gutes Ergebnis herausgekommen, welches meine Erwartungen und vorherigen Träume übertroffen hat.

Positive Grundhaltung

Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Bachelor in den Fächern Slavistik, Soziologie und Philosophie eröffneten sich Eugen erneut neue Wege. Doch wie und weshalb ist er eigentlich zum BKDR gekommen? „Eine Jugendfreundin schrieb mir eine Mitteilung mit dem Inhalt: „Das ist doch sicher etwas für dich.“ Hierbei handelte es sich um den neugegründeten Verein, der sich die Kulturvermittlung meiner Landsleute zum Ziel gesetzt hat. Bereits während meines Studiums habe ich mehrmals die Thematik der Russlanddeutschen gewählt, wenn es um die Auswahl der Referate, Hausarbeiten und dergleichen ging. Somit konnte ich ein Stück weit meine Interessen in die Berufslaufbahn einbinden. Die ausgeschriebene Stelle des Regionalkoordinatoren beim BKDR hat mich sofort begeistert. Ich betreue zahlreiche regionale Kulturreferenten, die ihre Arbeit ehrenamtlich verrichten, wodurch eine Lustlosigkeit der Personen prinzipiell nicht existiert. Diese Grundhaltung der unterstützenden Kräfte vor Ort vermitteln eine positive Energie, die zu weiteren Aktivitäten verhilft, wodurch wiederum das mittlerweile landesweite Netzwerk an Kulturreferenten fortwährend zum Weiterentwickeln motiviert wird.

Daran habe ich große Freude!

Diese positive Energie schätzt er übrigens auch am gesamten BKDR-Team: „Wir sind ein wirklich tolles Team hier beim BKDR. Alle arbeiten fokussiert an ihren Projekten, wir sind freundlich zueinander und versuchen uns gegenseitig zu jedem Zeitpunkt zu unterstützen!“, ist er sichtlich erfreut. Außerdem kann er seiner Kreativität freien Lauf lassen: „Die Umsetzung der eigenen Ideen innerhalb eines gewissen Rahmens sind hier vollkommen gegeben! Ich habe Mitspracherecht bei bestimmten Entscheidungen in Projektfragen. Meine aktuellen Projekte sind dabei unter anderem Bildungsreisen, Musikalben, verschiedene Ausschreibungen in den Bereichen „Märchen“ und „Malerei“, Stadtführungen und Videoportraits über russlanddeutsche Persönlichkeiten. Ich stelle bei den einzelnen Projekten häufig das Bindeglied zwischen den jeweiligen Parteien dar. Daran habe ich große Freude!

Die letzte Frage des Interviews lautete: Was wünschst Du Dir in Bezug zur Geschichte und Kultur der Deutschen aus Russland? Seine Antwort: „Ich wünsche mir, dass in Zukunft vermehrt junge Landsleute Interesse an der russlanddeutschen Geschichte zeigen. Wir vom BKDR geben auch dafür unser Bestes.

Die Fragen stellte Stanimir Bugar.