„Roots of our Heritage“: BKDR-Fachvorträge in Greeley/Colorado (USA)

Vom 3. bis zum 5. August 2023 fand die 53. internationale Konferenz mit dem Titel „Roots of our Heritage“ in Greeley – der einwohnerreichsten Stadt im Weld County im US-Bundesstaat Colorado – mit Beteiligung unserer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Prof. Dr. Olga Litzenberger statt. Veranstalter des Symposiums mit der Beteiligung zahlreicher Wissenschaftler und ausgewiesenen Experten war die Vereinigung „American Historical Society of Germans from Russia“ (AHSGR).

Foto der Tagung mit BKDR-Teilnahme in den USA.

Das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) präsentierte im Rahmen der Tagung neben der Wanderausstellung „Einblicke in das religiöse Leben der Russlanddeutschen“ mit der entsprechenden Begleitbroschüre ebenfalls zahlreiche Publikationen aus dem hauseigenen BKDR-Verlag. Diese wurden sogar in die Bibliothek der Amerikanischen Historischen Gesellschaft der Deutschen aus Russland in Lincoln aufgenommen. Dabei ist die AHSGR eine internationale gemeinnützige Organisation, die sich ausgiebig auf verschiedenste Art und Weise mit der Geschichte, dem kulturellen Erbe sowie der Genealogie der Russlanddeutschen und deren Nachkommen auseinandersetzt. Sie verfügt über eines der größten Informationsarchive über die Deutschen aus dem postsowjetischen Raum.

Zusätzlich hielt Litzenberger zwei ausgiebige und informative Fachvorträge zu den Themen „German Traces on the Volga“ und „The Bavarian Cultural Center of the Russian Germans (Nuremberg) and its work to preserve the history and culture of Russian Germans in Germany“. Den beiden Präsentationen wohnten mehr als 300 interessierte Zuhörer bei.

Weiterlesen

Erste russlanddeutsche Akademiker im Zarenreich (Folgen 24, 25 und 26)

Die Seibs, eine Pastorenfamilie

Im Rahmen unserer wissenschaftlichen Forschungsreihe „Erste russlanddeutsche Akademiker“ möchten wir einen bemerkenswerten Familienverband vorstellen. Der Küsterlehrer Valentin Seib aus Elisabethdorf im Kreis Mariupol übte seine schulischen sowie kirchlichen Aufgaben in verschiedenen Ortschaften im Schwarzmeergebiet aus. Unter seinem Einfluss entschieden sich drei seiner Söhne für den Pastorenberuf und studierten in Dorpat Theologie: Eduard (1872 – ?; nach 1936), Otto (1884–1953) und Woldemar (1889 – ?; nach 1935). Es war für die damalige Zeit höchst außergewöhnlich, dass aus einer bäuerlichen Kolonistenfamilie gleich drei Akademiker hervorgingen.

Ihr Berufsweg zeichnete sich durch eine aktive seelsorgerliche Tätigkeit sowie durch besondere Tragik aus, bedingt durch die antireligiöse Politik der bolschewistischen Partei. Eduard und Woldemar mussten die ganze Willkür der stalinistischen Gewaltherrschaft erleben und ihr Leben im Straflager bzw. in ihren Deportationsorten lassen. Die genauen Umstände ihres Todes sind bis heute unbekannt.

Auch Otto Seib wurde nach der bolschewistischen Machtergreifung 1917 schikaniert. Wie durch ein Wunder erlaubte ihm die kommunistische Regierung etliche Jahre später, nach Deutschland auszureisen. Es war eine der letzten Ausreisegenehmigungen, die der Sowjetstaat einem Pastor erteilte. Er verließ die UdSSR 1931 und konnte dadurch dem tragischen Schicksal seiner Brüder entkommen.

Weiterlesen