Lesungen mit Autorin Gusel Jachina

(am 24.03.2023 in Nürnberg, am 25.03.2023 in München, am 26.03.2023 in Würzburg: Details siehe unten).

Foto (c) George Kardava

Die international bekannte Schriftstellerin Gusel Jachina gastiert im März 2023 in Bayern und stellt ihre beiden Erfolgsromane „Wolgakinder“ und „Wo vielleicht das Leben wartet“ in Nürnberg, München und Würzburg vor (beide Bücher im Aufbau Verlag bereits auch auf Deutsch erschienen). Das BKDR ist an der Organisation der Lesungen in Kooperation mit verschiedenen Partnern aktiv beteiligt.

Der Roman „Wolgakinder“ erzählt die Geschichte eines Dorflehrers in der Autonomen Wolgarepublik nach dem Ersten Weltkrieg. Das Werk ist reich an historischen Fakten und kehrt zurück in die Anfänge der Sowjetunion und die Zeit davor. Der allgegenwärtige zeitgeschichtliche Hintergrund sind die Jahre 1916 bis 1938, als der Erste Weltkrieg, die Oktoberrevolution, der nachfolgende Bürgerkrieg, Hungersnöte, Zwangskollektivierung und der sogenannte Große Terror Millionen Menschen das Leben kostet.

Gusel Jachinas dritter Roman „Wo vielleicht das Leben wartet“ beschreibt die Geschichte von Dejew, einem ehemaligen Soldat auf der Seite der Roten. Er soll fünfhundert elternlose Kinder mit einem Zug nach Samarkand schaffen, um sie vor dem sicheren Hungertod zu retten. Aber es fehlt an allem für den Transport: Proviant, Kleidung, Heizmaterial für die Lokomotive, Medikamente. Ein Roadmovie durch ein total zerrüttetes Land beginnt, in dem in weiten Teilen immer noch der Bürgerkrieg wütet. Dejew, der selbst ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt, scheut kein Wagnis und keine Gefahr, um die Kinder ins Land des Brotes und der Wunderbeere Weintraube zu bringen.

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Schicksale hinter einer alten Fotografie

Dokument des Monats

Uns liegt ein seltenes Bild vor, das schätzungsweise Ende 1911, Anfang 1912 in Dorpat gemacht wurde (früher auch als Jurjew bzw. heute als Tartu in Estland bekannt, bis 1917 gehörte die Stadt zum Gouvernement Livland in Russland). Das Bild zeigt eine Gruppe von Studierenden der Universität Dorpat, die zugleich Mitglieder der Korporation Teutonia waren.

Mitglieder der Studentenverbindung „Teutonia“ (1911 oder 1912). Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern.

Diese Studentenverbindung ist für uns insofern von Bedeutung, weil sie im Zarenreich die einzige „klassische Korporation“ von Studenten war, welche dem einstigen „Kolonistenstand“ entstammten (ab 1871 sogenannte Siedler-Eigentümer, Teil der russischen Bauernschaft). Alma mater Dorpatensis, die Kaiserliche Universität Dorpat, spielte damals eine zentrale Rolle beim Entstehen der ersten akademischen Bildungsschicht unter deutschen Siedlern in Russland. Teutonia wurde am 17. Februar 1908 zunächst als sog. „Südländerverein“ gegründet und erst einige Monate später, am 4. Dezember 1908, in eine Korporation (Corps) umgewandelt. Die Aufnahme in den bereits bestehenden Chargierten-Convent, Verband der anerkannten studentischen Verbindungen in Dorpat, fand am 23. November 1912 statt.

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30 Jahre Spätaussiedler in Bayern – vier Jahre Bayerisches Kulturzentrum der Deutschen aus Russland

Am 27. Januar 2023 fand die Veranstaltung „30 Jahre Spätaussiedler in Bayern – vier Jahre Kulturzentrum BKDR“ mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Staatsministerin Ulrike Scharf statt.

Vertreterinnen und Vertreter der Landespolitik bekennen sich klar zu den Deutschen aus dem postsowjetischen Raum durch die Förderung unserer Kultureinrichtung (BKDR) seit mittlerweile vier Jahren.

Besonders erfreulich ist die Ankündigung des Ministerpräsidenten Söder zum geplanten Neubau, der mit einer Nutzfläche von 3.000 Quadratmetern konzipiert ist und in Nürnberg entstehen soll.

Um einen Eindruck der Veranstaltung zu gewinnen, schauen Sie sich gerne unseren Videobeitrag an unter:

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„Wolgadeutsche Mutter“ – Festschrift für Autorin Ida Bender zum 100. Geburtstag erschienen

Ida Bender (18.06.1922 – 12.11.2012) wurde in der deutschen Siedlung Rothammel an der Wolga geboren. Nach der Mittelschule in Engels studierte sie ein Jahr lang an der 1. Pädagogischen Hochschule für Fremdsprachen in Leningrad. Nach Kriegsbeginn 1941 folgte die Deportation nach Sibirien und die Arbeitsarmee im hohen Norden, ab 1948 lebte sie wie alle Sowjetdeutschen unter der Kommandanturaufsicht in der Verbannung. Ab 1957 war sie u. a. ehrenamtlich als Korrespondentin der Wochenschrift „Neues Leben“ (Moskau) tätig, ab 1965 hauptberuflich als Übersetzerin in der Redaktion der deutschsprachigen Zeitung „Freundschaft“ in Zelinograd (heute Astana, Hauptstadt von Kasachstan). 1973 kehrte sie an die Wolga zurück, 1977 folgte die Pensionierung. 1991 übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Hamburg. Hauptwerke von Ida Bender: „The Dark Abyss of Exile: A Story of Survival“, USA, 2000 (Erinnerungen an die Zeit der Deportation und der Arbeitsarmee). 2010 erschien dieses Buch als erweiterte Ausgabe auf Deutsch unter dem Titel „Schön ist die Jugend … bei frohen Zeiten“, Geest-Verlag, und 2013 auf Russisch unter dem Titel: „Сага о немцах моих российских“.

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„Russlanddeutsche helfen Ukrainern“

„Russlanddeutsche helfen Ukrainern“ – so lautet der Fernsehbeitrag im BR Fernsehen (Frankenschau aktuell), der im Rahmen des Drehtages beim Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) entstanden ist.

Der Bayerische Rundfunk (BR) im BKDR.

Thematisiert wird einerseits die an das BKDR angegliederte Beratungsstelle für Geflüchtete aus der Ukraine, andererseits die durch das Kriegsgeschehen hervorgerufenen Schwierigkeiten für die Arbeit des Kulturzentrums in den Herkunftsgebieten.

Wir danken dem BR für das Interesse am Thema. Den TV-Beitrag finden Sie in der BR Mediathek HIER!

Statistik des Monats

Im vergangenen Monat haben wir Ihnen die „Registrierungen von (Spät-)Aussiedlern in Deutschland seit 1950 nach Aussiedlungsgebieten“ sowie die „Registrierungen von (Spät-)Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland seit 1992 nach Aussiedlungsgebieten“ vorgestellt. Daraus wurde ersichtlich, dass die Zuwanderung von (Spät-)Aussiedlern in den vergangenen etwa 70 Jahren bezüglich der Herkunftsländer stark variierte. Gleichzeitig war die Zuwanderung aus etwaigen Regionen während bestimmter Phasen sehr hoch – so etwa die Zuwanderung aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion nach der deutschen Wiedervereinigung.

In der Statistik des Monats „Februar“ möchten wir Ihnen einen Auszug aus den soziodemographischen Merkmalen präsentieren. Dazu wurden auch Daten des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes herangezogen.

Einerseits geht es um die „Verteilung der Bevölkerung 2019 (nach Migrationshintergrund sowie Zuzugsjahr und Geburtsland)“ der Spätaussiedler und die „Geschlechterteilung der Bevölkerung 2019 (nach Migrationshintergrund)“, anderseits um die „Altersstruktur der Bevölkerung 2019 (nach Migrationshintergrund).

Verteilung der Bevölkerung 2019 nach Migrationshintergrund.
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Inter-Kultur-Büro der Stadt Nürnberg zu Gast beim BKDR

Heute war das Team des Inter-Kultur-Büros der Stadt Nürnberg beim Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) für ein Info- und Kennenlerntreffen zu Gast.

V. l. n. r.: Manfred Beck (Öffentlichkeitsarbeit und Projekte), Heidi Walter (Verwaltung und Zuschüsse), Stanimir Bugar (Eventmanagement/PR), Gülay Aybar-Emonds (Leitung Inter-Kultur-Büro) und Torsten Groß (Projekte und Veranstaltungen).

Neben der gegenseitigen Vorstellung beider Einrichtungen ging es primär darum, über vielfältige Perspektiven zu sprechen, die eine mögliche Zusammenarbeit und stetige Kommunikation zwischen dem Inter-Kultur-Büro bzw. dem Amt für Kultur und Freizeit der Stadt Nürnberg sowie dem BKDR fördern. Erörtert wurden ebenfalls Fragen der Intensivierung des gegenseitigen Informationsaustausches, die vor allem die Kulturarbeit mit russlanddeutschen Thematiken im Großraum Nürnberg betreffen und dem § 96 des Bundesvertriebenengesetzes untergeordnet sind.

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Dr. Jacek Kubiak (Posen/Poznań) zu Gast beim Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR)

Dr. Kubiak ist Journalist, Dokumentarfilmer und Kurator der Ausstellung „Vertriebene 1939 … Deportationen von polnischen Bürgern aus den ins Dritte Reich eingegliederten Gebieten“. Im Zuge dieses Projektes hat er als Teilbereich zahlreiche Interviews zum Thema der volksdeutschen Ansiedler im Warthegau angefertigt. Dadurch konnte er in diesem Zusammenhang ebenfalls dramatische und tragische Einblicke in die Schicksale von Deutschen aus Russland, die im Warthegau angesiedelt worden sind, erhalten.

Dr. Jacek Kubiak beim BKDR im Interview mit Dr. Viktor Krieger.
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Bayerischer Rundfunk (BR) zu Gast beim Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR)

Heute war der BR zu Gast beim BKDR, um Aufnahmen für einen TV-Beitrag anzufertigen. Im Mittelpunkt der Betrachtung stand die an das Kulturzentrum angegliederte Beratungsstelle für Geflüchtete aus der Ukraine. Darüber hinaus ging es um die derzeitigen Beeinträchtigungen in der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern in der Ukraine.

Geschäftsleiter Waldemar Eisenbraun im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.
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Deutsche Minderheitenliteratur auf der Anklagebank

Dokument des Monats

Die geistige und materielle Kultur der Deutschen in der UdSSR wurde nach 1941 fast komplett ausgelöscht. Lediglich Überreste dieses Kulturerbes weisen heute noch auf das einst vitale wirtschaftliche und kulturelle Leben dieser Minderheit in der Russischen Föderation und der Ukraine hin. Der fast ein Jahr lang andauernde Krieg in der Ukraine wird wohl unwiederbringlich die noch verbliebenen Spuren vernichten, weil die Frontlinie teilweise unmittelbar durch die einstigen Siedlungsgebiete der deutschen Minderheit verläuft.

David Schellenberg, Sowjetdeutscher Schriftsteller (1903-1954)

Allerdings begann die kulturelle Zerstörung wesentlich früher. So findet man heute Relikte des literarischen Erbes von ukrainisch-deutschen Literaten fast ausschließlich in den alten Strafakten. Bislang fehlen jegliche Hinweise auf die Existenz von Nachlässen auch nur eines einzigen sowjetdeutschen Literaten aus der Zwischenkriegszeit. In einer Reihe von politischen Strafprozessen der Jahre 1929–1936 wurden beinahe alle Schriftsteller, Zeitungs- und Zeitschriftenredakteure, Journalisten, Hochschullehrer, Übersetzer etc., d. h. die gesamte bis dahin kreativ wirkende „Intelligenz“ der deutschen Minderheit der Ukraine, verhaftet und abgeurteilt. Die wenigen übriggebliebenen auf Deutsch Schreibenden fielen dem großen Terror der Jahre 1937/38 zum Opfer.

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