Nutria als Pelz- und Fleischlieferant in der UdSSR

Ab den 1970er-Jahren verbreitete sich in der UdSSR die Tierhaltung von Nutrias bzw. Biberratten, begünstigt sowohl durch die relativ einfache Pflege als auch durch den allseits herrschenden Mangel an Konsumgütern und Lebensmitteln. Die Kleintierzucht war in der Sowjetunion eine der wenigen zugelassenen Möglichkeiten, sich neben der oft unzureichenden Entlohnung in den obligatorischen staatlichen oder genossenschaftlichen (Kolchose-)Beschäftigungen einen legalen Zuverdienst zu erarbeiten.

Besonders Hauseigentümer in den Städten konnten eine Anlage für die Kleintierzucht mit Kaninchen oder eben auch Biberratten unterhalten. Das Fell der Nutrias war nicht so edel wie das der Nerze, aber wesentlich wertvoller als das der Kaninchen. Besonders gefragt waren Wintermützen, aber auch Pelzmäntel wurden daraus genäht.

Zu dieser Zeit züchteten viele Privatpersonen – darunter, etwa in Kasachstan, überdurchschnittlich viele Deutsche – diese Tiere, gerbten die Felle, nähten Mützen und verkauften sie auf Märkten oder an Bekannte. Das Fleisch wurde in der eigenen Familie sowie im breiten Verwandtschafts- und Bekanntenkreis konsumiert und galt, ähnlich wie Kaninchenfleisch, als Diätkost.

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BKDR-Bildungsreihe „Deutsche Siedlungen im Porträt“ – Mariental (heute Sowetskoje): ab JETZT ebenfalls in englischer Sprache zugänglich

Die Siedlung, die auf eine bewegte Geschichte zurückblickt, befindet sich rund 60 Kilometer von Saratow (Russland) entfernt. Sie wurde 1766 von deutschen Kolonisten unter dem ursprünglichen Namen „Pfannenstiel“ am rechten Ufer des Großen Karaman gegründet. Wegen starker Überschwemmungen wurde sie jedoch bereits im darauffolgenden Jahr auf das gegenüberliegende Flussufer verlegt. Schon um 1876 verließen erste deutsche Siedler Mariental in Richtung Vereinigte Staaten. In den folgenden Jahrzehnten ging die Zahl der deutschen Bewohner stetig zurück – bedingt durch die Hungerjahre sowie die sogenannte „Deutsche Operation“ in den Jahren 1937–1938. Mit dem Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der ehemaligen Sowjetunion vom 28. August 1941 wurden die verbliebenen Deutschen schließlich deportiert. Heute engagiert sich eine Initiativgruppe für den Wiederaufbau der Kirche im Ort.

Zum Videobeitrag auf Englisch gelangen Sie unter dem nachfolgenden Link:

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BKDR-Orchester beim Sommerfest der Kindertafel Schweinfurt

Am 2. August 2025 um 14 Uhr auf dem Georg-Wichtermann-Platz wird das BKDR-Orchester unter der Leitung von Ewald Oster gemeinsam mit Erika Engelhardt das Sommerfest der Kindertafel Schweinfurt musikalisch umrahmen.

Wir laden Sie recht herzlich zu diesem festlichen Nachmittag mit Musik und Freude ein!

Vorzeige-Agrarbetrieb „Rodina“ – Sauers Oase

Eine Station der diesjährigen BKDR-Bildungsreise nach Kasachstan führte die Reisegruppe zur Agrarfirma „Rodina“, einem Vorzeigebetrieb für ganz Kasachstan. Über diesen Leitbetrieb, der die gesamte Region mit Nahrungsmitteln versorgt und Arbeitsplätze schafft, ist ein Kurzfilm in russischer Sprache entstanden:

Autorin/Regisseurin: Marina Angaldt
Sprecher: Maksim Filimonow

Musik: Tina Wedel

Wir bedanken uns herzlich bei Ivan Adamowitsch Sauer für den freundlichen Empfang und die bleibenden Eindrücke. Auch der Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) gilt unser Dank für die vielfältige Zusammenarbeit.

Historiker aus Kasachstan zu Besuch beim BKDR

Am 8. und 9. Juli besuchte Dr. Timur Apendiyev, Abteilungsleiter des Akademischen Instituts für Geschichte und Ethnologie in Almaty (Kasachstan), unser Kulturzentrum. Er machte sich mit den Aktivitäten des BKDR vertraut, um mögliche gemeinsame Schnittstellen bei der Forschung zur Geschichte und Kultur der Deutschen in Kasachstan auszuloten. Bei diesem Treffen wurden mehrere potenzielle Kooperationsvorhaben besprochen. Unter anderem ging es um die Auswertung der Ergebnisse der ersten Nachkriegsvolkszählung von 1959, die wichtigen Daten zur demografischen Entwicklung unter den Deutschen nach der Deportation in der Sowjetunion (1941) enthält. Bisher hat die historische und bevölkerungswissenschaftliche Forschung diese Quelle kaum berücksichtigt. Zudem wäre eine Zusammenarbeit mit dem Institut in Kasachstan im Themenbereich der Repressionen im Stalinismus sehr sinnvoll. Schließlich wurde auch ein drittes mögliches Kooperationsfeld angesprochen: einige Bildungsprojekte des BKDR, bei denen die kasachische Seite ihre Unterstützung und Zuarbeit zusicherte.

Dr. Timur Apendiyev (Mitte) bekam zwei Bücher aus dem BKDR Verlag überreicht (c) BKDR.

An den Gesprächen nahmen Waldemar Eisenbraun, Dr. Viktor Krieger und Dr. Olga Litzenberger teil. Der Gast aus Kasachstan überreichte den Kollegen Eisenbraun und Krieger eine Einladung seiner Institutsleitung anlässlich des 80-jährigen Jubiläums seiner Einrichtung. Die Feierlichkeiten sowie eine wissenschaftliche Konferenz zu diesem Anlass finden Ende September 2025 in Almaty statt.

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Statistik des Monats „Juli 2025“

Nachdem wir im vergangenen Monat auf das „Vertrauen in Parteien und die Politik 2020 (nach Migrationshintergrund)“ eingegangen sind, zeigen wir in diesem Monat die „Zufriedenheit mit den politischen Verhältnissen in Deutschland und im Herkunftsland 2018 (nach Migrationshintergrund)“.

Insgesamt ist in allen Untersuchungsgruppen eine Mehrheit mit den politischen Verhältnissen in Deutschland „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ (Abb. 8.3). Die Gruppe der (Spät-)Aussiedler unterscheidet sich dabei nicht wesentlich von Deutschen ohne Migrationshintergrund. Demgegenüber ist die Bevölkerung mit Migrationserfahrung wesentlich zufriedener als die beiden anderen Gruppen.

Spiegelbildlich dazu steht die Zufriedenheit mit den politischen Verhältnissen im Herkunftsland. (Spät-)Aussiedler insgesamt sind zu über einem Drittel mit diesen „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ und damit zufriedener als Befragte mit Migrationserfahrung mit einem Viertel. Diese höhere Zufriedenheit geht vor allem auf (Spät-)Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion zurück. Mit 44 Prozent sind annähernd doppelt so viele postsowjetische Zugewanderte mit (Spät-)Aussiedlerstatus mit den Verhältnissen in ihren Herkunftsländern zufrieden wie andere (Spät-)Aussiedler mit einem Viertel. Postsowjetische (Spät-)Aussiedler und insbesondere Russlandstämmige haben also (auch im Vergleich zu der Haltung von Personen aus anderen Herkunftsstaaten ihrem Herkunftsland gegenüber) zu einem nicht geringen Teil eine prorussische Haltung. Andererseits sind auch die postsowjetischen (Spät-)Aussiedler (als Gesamtgruppe) mehrheitlich mit den Verhältnissen in Deutschland zufrieden und mit denen im Herkunftsland mehrheitlich unzufrieden.

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BKDR-Bildungsreihe „Deutsche Siedlungen im Porträt“ – Schäfer (heute Lipowka)

Heute stellen wir Ihnen den nächsten Beitrag aus unserer BKDR-Bildungsreihe „Deutsche Siedlungen im Porträt“ aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage in englischer Sprache vor.

https://youtu.be/o2E5cT0iOLg

Das Videoporträt widmet sich der ehemaligen deutschen Siedlung „Schäfer“ (heute Lipowka) im Gebiet Saratow, Russland. Dieser historisch bedeutsame Ort beherbergt im örtlichen Gotteshaus die letzte noch erhaltene Originalglocke einer evangelischen Kirche im Wolgagebiet.

Foto: Anikin 2020.

Zudem erklärte Boris Jelzin, der erste Präsident der Russischen Föderation, nach dem Zerfall der Sowjetunion, im Jahr 1992 in einer nahegelegenen Sowchose (ein landwirtschaftlicher Großbetrieb der Sowjetzeit), dass die Autonome Republik der Wolgadeutschen nicht wiederhergestellt werde.

Viel Spaß beim Anschauen des Videobeitrags – über ein Abonnement auf YouTube freuen wir uns sehr!

Zur deutschsprachigen Version gelangen Sie hier:

https://youtu.be/Lf-3dyEQYzQ

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BKDR-Kalenderblatt des Monats „Juli 2025“

Heute möchten wir Ihnen das BKDR-Kalenderblatt des Monats „Juli 2025“ präsentieren.

Auch heuer hat das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) in Kooperation mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR e.V.) sowie dem Historischen Forschungsverein der Deutschen aus Osteuropa (HFDO) einen Jahreskalender mit russlanddeutschem Themenbezug unter dem Titel „Russlanddeutsche Künstlerinnen und Künstler“ herausgegeben.

In diesem Monat stellen wir Ihnen die Künstlerinnen Natalia Alf und Jana Rusch mit einem Auszug ihrer Werke sowie einigen persönlichen Informationen näher vor. Die gesamten Werke der etwaigen Künstlerinnen und Künstler finden Sie im Sammelband „Russlanddeutsche Malerinnen und Maler der Gegenwart“, erschienen im BKDR Verlag, auf dem der vorliegende Kalender 2025 basiert.

Bestellungen des Kalenders (und auch des umfangreichen Sammelbands) sind nach wie vor möglich per E-Mail an kontakt@bkdr.de oder telefonisch unter der 0911-89219599.

Schauen Sie sich gerne in unserem Bestellkatalog um:

https://bkdr.de/file/BKDR_Bestellkatalog.pdf

Viel Spaß beim Anschauen der Kalenderblätter!

Spurensuche in Familiengeschichten (3) – mit Alexander Makeev


„Grundlagen der Suche nach repressierten Russlanddeutschen. Archive und öffentlich zugängliche Quellen“

Nürnberg. Am 26. Juli 2025 (Samstag) veranstaltet das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland in Kooperation mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR, Ortsgruppe Nürnberg) sowie dem Historischen Forschungsverein der Deutschen aus Osteuropa (HFDO) im Haus der Heimat Nürnberg das dritte praktische Seminar der Reihe „Spurensuche in Familiengeschichten“ zum Thema „Grundlagen der Suche nach repressierten Russlanddeutschen. Archive und öffentlich zugängliche Quellen“ mit Alexander Makeew als Referenten. Moderation: Dorothea Walter.

Dauer: 10:00 – 13:00 Uhr
Ort: Haus der Heimat Nürnberg (Imbuschstraße 1, 90473 Nürnberg)Gerne können Sie dem Seminar auch per Zoom beitreten:

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Prof. Dr. René Krüger über die „Religiosität und Kirchen der Wolgadeutschen in Argentinien“

Heute möchten wir Ihnen die Akademische Viertelstunde mit Herrn Prof. Dr. René Krüger zum Thema „Religiosität und Kirchen der Wolgadeutschen in Argentinien“ präsentieren:

Prof. Dr. René Krüger lebt derzeit in Gualeguaychú, in der Provinz Entre Ríos, Argentinien. Er ist ordinierter Pfarrer im Ruhestand der Evangelischen Kirche am La Plata sowie promovierter Theologe und Historiker. Von 1985 bis 2015 war er Professor am Instituto Universitario ISEDET, dessen Rektorat er zwischen 1999 und 2007 innehatte.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Anschauen und freuen uns über ein Abonnement auf YouTube!