Statistik des Monats „November 2025“

Nachdem wir im vergangenen Monat auf die „Politische Selbstwirksamkeit 2018 (nach Migrationshintergrund)“ präsentiert haben, erörtern wir in diesem Monat die „Parteipräferenz 2018 (nach Migrationshintergrund)“.

Die Ergebnisse des SVR-Integrationsbarometers 2018 zur Parteipräferenz entsprechen in vielen Punkten den angeführten Forschungsresultaten (Abb. 8.7). Im Vergleich zur Bevölkerung mit Migrationserfahrung bzw. ohne Migrationshintergrund favorisieren (Spät-)Aussiedler eher die Parteien CDU/CSU, Die Linke sowie die AfD. Mit etwa 36 Prozent präferieren sie die Unionsparteien aber nur wenig mehr als andere Zuwanderinnen und Zuwanderer (34 %). Eventuell war für diese Präferenz auch die Flüchtlingspolitik von CDU/CSU und SPD förderlich (Jacobsen/Kroh 2021: 498). Die Neigung zur Linkspartei ist bei (Spät-)Aussiedlern mit etwa 12 Prozent gegenüber anderen Zugewanderten (5 %) und der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (7 %) deutlich stärker ausgeprägt. In Bezug auf die Neigung zur AfD setzen sie sich vor allem von der Bevölkerung mit sonstiger Migrationserfahrung ab, die diese Partei so gut wie gar nicht wählt; die Werte sind jedoch auch höher als diejenigen der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund.

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Herbord Steinwand: ein russlanddeutscher Akademiker im Internierungslager Hammelburg (1947)

(Dokument des Monats)

Der Name sowie die Verdienste des Bibliothekars und Archäologen Herbord (Herbert) Steinwand (1896‒1966) aus Odessa wurden von der ukrainischen Geschichtswissenschaft nach 1991 wieder ans Licht befördert. Vor allem ist dabei seine fundierte und bis heute hochgeschätzte Beschreibung aller periodischen Veröffentlichungen zu nennen, die in Odessa in den Jahren der russischen Revolution 1917 sowie des Bürgerkriegs (1917-1921) erschienen waren.

H. Steinwand als Student in Odessa.

Herbord Steinwand wurde in der Familie des einst hochangesehenen Pastors Daniel Steinwand (1857–1919) geboren, der aus der Kolonie Klöstitz in Bessarabien stammte. Vier Söhne des Pastors erlangten Hochschulabschlüsse, zwei Töchter von ihm heirateten ev.-luth. Pfarrer.

Herbord Steinwand studierte an der Universität und anschließend am Institut für Volksaufklärung in Odessa und schlug ferner eine akademische Laufbahn ein. Einige Jahre war er als Abteilungsleiter an der Universitätsbibliothek und später etliche Jahre als Leiter des Münzkabinetts am Archäologischen Museum Odessa tätig. Während der zunehmenden Verfolgung der deutschen Intellektuellen in der UdSSR wurde er am 28. Dezember 1933 von der GPU verhaftet und am 26. Februar 1934 aufgrund vermeintlicher konterrevolutionärer Tätigkeit zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Lager Uchto-Ischemski, Komi ASSR, wurde er 1938 erneut angeklagt, diesmal wegen konterrevolutionärer Propaganda unter Häftlingen. Im Rahmen der Untersuchungshaft erwiesen sich die Beschuldigungen als unbegründet, und Steinwand wurde schließlich wegen mangelnder Beweise am 31. Oktober 1939 aus der Lagerhaft entlassen.

Zurück in Odessa nahm er die Tätigkeit am archäologischen Museum wieder auf. Allerdings endete seine Spur mit dem Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges; weitere Lebens- und Berufsstationen von ihm blieben lange im Dunkeln. Gelegentlich haben einige Autoren vage darauf hingewiesen, dass Steinwand in der besetzten Stadt blieb – ohne nähere Angaben zu machen, womit er sich dort während der deutschen Besatzung beschäftigte – und 1944 als „Volksdeutscher“ aus Odessa fliehen musste (WIKI-Eintrag auf Ukrainisch).

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BKDR-Kalenderblatt des Monats „November 2025“

Heute möchten wir Ihnen das BKDR-Kalenderblatt des Monats „November 2025“ präsentieren.

Auch heuer hat das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) in Kooperation mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR e.V.) sowie dem Historischen Forschungsverein der Deutschen aus Osteuropa (HFDO) einen Jahreskalender mit russlanddeutschem Themenbezug unter dem Titel „Russlanddeutsche Künstlerinnen und Künstler“ herausgegeben.

In diesem Monat stellen wir Ihnen die Künstler Nikolaus Rode, Maria Weiss und Sofia Stroh mit einem Auszug ihrer Werke sowie einigen persönlichen Informationen näher vor. Die gesamten Werke der etwaigen Künstlerinnen und Künstler finden Sie im Sammelband „Russlanddeutsche Malerinnen und Maler der Gegenwart“, erschienen im BKDR Verlag, auf dem der vorliegende Kalender 2025 basiert.

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30 Jahre Projektleiter der Wanderausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart.“

Jakob Fischer zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten der russlanddeutschen Gemeinschaft in Deutschland. Für sein Engagement wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Geboren im Jahr 1955 in Tobolino, dem heutigen Kasachstan, absolvierte Fischer ein Studium der Geschichte und Pädagogik. Zwischen 1977 und 1982 war er als stellvertretender Schulleiter in Leninskoje – heute Aktjubinsk – tätig. Doch seine wahre Leidenschaft galt stets der Musik und der Bewahrung der russlanddeutschen Kultur und damit verbunden seinem vielseitigem ehrenamtlichen Engagement. Mit Unterstützung des Deutschen Theaters initiierte er 1988 in Almaty das erste Festival der deutschen Kultur.

Im Rahmen der BKDR-Bildungsreihe „Akademische Viertelstunde“ referiert Jakob Fischer zum Thema 30 Jahre Projektleiter der Wanderausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart.“ und gibt tiefe Einblicke in seine damalige kulturelle Arbeit und Wissensvermittlung.

Viel Spaß bei dem Video!

Bundesweiter Vorlesetag 2025 – „Vorlesen spricht Deine Sprache“

Nehmen Sie Platz, machen Sie es sich gemütlich und lehnen Sie sich einen Moment zurück. Wir lassen den berührenden Text „Das Haus für dich“ von Hugo Wormsbecher vorlesen – einem Autor, der die russlanddeutsche Literatur geprägt hat. Gelesen von Michael Helm.

Vorlesen verbindet – über Generationen, Sprache und Lebensgeschichten hinweg. Deshalb steht der Bundesweite Vorlesetag heuer unter dem Motto „Vorlesen spricht Deine Sprache“. Dabei spielt es keine Rolle, ob jung oder alt, ob großes Publikum oder in einer kleinen, gemütlichen Runde: Während einer vorgelesenen Geschichte jeglicher Art entsteht ein gemeinsamer Raum. Man schenkt sich Aufmerksamkeit und teilt besondere Momente miteinander. Ob heiter, bewegend oder spannend, ist für den Moment erst einmal zweitrangig.

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Das Schicksal eines wolgadeutschen Intellektuellen: Die letzten Lebensjahre von Peter Sinner

Bild 1: Nach der ersten Verhaftung, in Engels, 1930.

20. November 1938. Es ist nun amtlich: An diesem Tag wurde der feinfühlende Lyriker, scharfsinnige Publizist, begnadete Pädagoge und hochbegabte Heimat- und Volkskundler Peter Sinner (1879–1938) im NKWD-Gefängnis der Stadt Woronesch erschossen. Seine letzten Lebensjahre lagen bislang völlig im Dunkeln. Bekanntlich wurde Sinner im Zuge der Verfolgung der wolgadeutschen Intellektuellen am 14. August 1930 in Leningrad (seit 1991: St. Petersburg) verhaftet und nach Saratow überführt; in dieser Stadt hatte er bis 1927 als Schul- und Hochschullehrer gewirkt. Aufgrund vermeintlicher „antisowjetischer nationalistischer Tätigkeit“ beschloss das Sonderkollegium der OGPU am 1. Februar 1932, ihn für drei Jahre in ein Konzentrationslager einzusperren. Danach verlor sich seine Spur.

Man vermutete, dass Peter Sinner dem stalinistischen Terror der 1930er-Jahre zum Opfer gefallen war. Doch in keiner der zahlreichen bereits existierenden Opferlisten tauchte sein Name auf. Meine jahrelangen Bemühungen um die Aufklärung seines Schicksals und seiner letzten Lebensjahre blieben erfolglos. Erst ein Eintrag aus dem Jahr 1940 im Lebenslauf seines bereits verstorbenen Sohnes Erwin Sinner (1912–1987), eines bekannten Historikers aus Irkutsk, ließ die Hoffnung aufkeimen, dass die letzten Spuren von Peter Sinner doch noch auffindbar wären. Im Lebenslauf findet sich der Hinweis, dass P. Sinner 1938 zu 15 Jahren Lagerhaft verurteilt worden sei und seine Frau Kamilla Sinner, geb. Riedel, in Woronesch als Lektorin an der örtlichen Pädagogischen Hochschule arbeitete.

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Literatursalon im Haus der Heimat: mit Elli Unruh und Max Schatz

Ankündigung! Datum: 12. Dezember, 19. Uhr, im Haus der Heimat Nürnberg.

Das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) und das Haus der Heimat Nürnberg laden in Kooperation mit dem Literaturkreis der Deutschen aus Russland zu einem vorweihnachtlichen Literatursalon ein. Das neue Format „Literatursalon“ möchte vor allem jungen Autorinnen und Autoren die Möglichkeit bieten, ihre Neuerscheinungen aus der Sparte der sogenannten „russlanddeutschen“ Literatur vorzustellen und darüber mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen.  

Unter dem Begriff „Russlanddeutsche Literatur“ versteht man heutzutage für gewöhnlich die Literatur von deutschen Autorinnen und Autoren, die aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion stammen, entweder dort geboren oder aufgrund der eigenen Familiengeschichte (durch Eltern, Großeltern etc.) in ihrem Schaffen eine gewisse Vorliebe für Geschichte und Kultur der Deutschen aus ebendiesen Ländern hegen.    

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„Deutsche Akteure in der imperialen Durchdringung Zentralasiens 1867 – 1917“

Dr. Lilija Wedel, Osteuropahistorikerin an der Universität Bielefeld, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie, spricht im Rahmen der BKDR-Bildungsreihe „Akademische Viertelstunde“ in ihrem Vortrag über „Deutsche Akteure in der imperialen Durchdringung Zentralasiens 1867 – 1917“:

Dahingehend gibt sie einen tiefen Einblick in die Kultur und Geschichte der Deutschen im späten Zarenreich, was gleichermaßen einen ihrer Forschungsschwerpunkte darstellt.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Anschauen des Videobeitrags!

Dr. Aivar Jürgenson aus Estland zu Gast in Nürnberg

Am 13. November 2025 empfing das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) den estnischen Historiker und Ethnologen Dr. Aivar Jürgenson, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Estnischen Nationalmuseum. Bei einem Arbeitsgespräch mit Dr. Olga Litzenberger und Dr. Viktor Krieger wurden aktuelle Forschungsfragen erörtert.

Auf dem Foto sehen Sie v. l. n. r.: Aivar Jürgenson, Olga Litzenberger und Viktor Krieger.

Jürgenson hat Werke russlanddeutscher Schriftsteller ins Estnische übersetzt und damit deren Bekanntheit in Estland gestärkt. Das Estnische Nationalmuseum verfügt über umfangreiche Dokumente, Fotografien und Feldmaterialien zur Geschichte der Russlanddeutschen, die das BKDR regelmäßig nutzt. Im Gespräch wurden zudem Perspektiven für eine intensivere Zusammenarbeit im Quellen- und Materialaustausch sowie in der gemeinsamen wissenschaftlichen Nutzung dieser Bestände besprochen.

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Kalender 2026: Russlanddeutsche Autorinnen und Autoren

Wie jedes Jahr veröffentlicht das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) in Kooperation mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR e.V.) sowie dem Historischen Forschungsverein der Deutschen aus Osteuropa (HFDO) einen Jahreskalender. Für das kommende Jahr konnte darüber hinaus mit dem Literaturkreis der Deutschen aus Russland ein weiterer langjähriger und fachkundiger Kooperationspartner dazu gewonnen werden, zumal der Titel des kommenden Kalenders 2026 „Russlanddeutsche Autorinnen und Autoren“ lautet.

Russlanddeutsche Autorinnen und Autoren spielen eine zentrale Rolle bei der Vermittlung geschichtlicher und kultureller Aspekte der Deutschen aus dem postsowjetischen Raum. Durch ihre literarischen Werke, Essays oder auch autobiografischen Texte bewahren sie Erinnerungen an Vertreibung, Deportation, Zwangsarbeit und Migration, die sonst leicht in Vergessenheit geraten könnten oder in der Mehrheitsgesellschaft ohnehin noch nicht hinlänglich bekannt sind.

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