Personalkarte eines russlanddeutschen Zwangsarbeiters aus dem Jahr 1942
(Dokument des Monats)
Bekanntlich wurden während des Deutsch-Sowjetischen Krieges in der UdSSR etwa 350.000 Sowjetbürger deutscher Nationalität zur Zwangsarbeit herangezogen. Sie befanden sich daraufhin in Dutzenden Arbeitslagern oder in den eigens dafür geschaffenen „Zonen“, die gezielt einzelnen Industriebetrieben je nach Branche zugeordnet wurden. Alle Arbeitslager standen unter der Verwaltung des NKWD. Das größte Lager dieser Art war Tscheljabmetallurgstroi, das bis August 1942 die Bezeichnung „Bakallag-Bakalmetallurgstroi des NKWD“ trug. Ziel dieses großen Baubetriebs war die Errichtung eines neuen Hüttenkombinats in der Nähe der Uralstadt Tscheljabinsk (zur ausführlichen Geschichte dieses Arbeitslagers und seiner „Bewohner“ siehe den folgenden Aufsatz von Viktor Krieger).
Unter den 37.086 Zwangsarbeitern dieses Lagers, von denen 85 Prozent Deutsche und der Rest andere zwangsmobilisierte sowjetische Bürgerinnen und Bürger waren – darunter auch welche finnischer, rumänischer, bulgarischer oder ungarischer Herkunft – befand sich ein junger Lehrer namens Gerhard (Grigori) Wolter (1923–1998). Er stammte aus dem Gebiet Schytomyr in der Ukraine und wurde 1941, wie die meisten Sowjetdeutschen, in den Osten bzw. – in seinem Fall – nach Nordkasachstan deportiert. Vielen Landsleuten ist er als Arbeitslager-Chronist bekannt, als jemand, der sein publizistisches und schriftstellerisches Talent für eine gründliche Aufklärung der erbarmungslosen Ausbeutung der deutschen Zwangsarbeiter in den Jahren 1941–1946 einsetzte.
Weiterlesen