Zur Lage der Kirche in der UdSSR Ende 1932: ein zeitgenössisches Dokument

(Dokument des Monats)

Das Dokument des Monats Januar (2026) stammt aus dem Jahr 1932 und befasst sich mit der damaligen Lage der Kirche in der UdSSR – es ist an den Hauptverein der Gustav-Adolf-Stiftung in Deutschland adressiert. Der Verfasser Gustav Birth (1887–1937) zeichnete sich durch fundierte Kenntnisse der Kirchenpolitik des Sowjetstaates und ihrer Auswirkungen auf das Leben der Geistlichen sowie der einfachen Gläubigen aus.

 
Anfang des Berichts (ausführliches Dok. siehe unten) @ Evangelisches Zentralarchiv (EZA), Berlin.

In deutlichen Worten, ungeschminkt, berichtet er von der prekären Lage vor allem der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine, von gewaltsamen Schließungen der Gotteshäuser, vom Verbot jeglicher Kinder-, Frauen- und Jugendarbeit, von staatlichen Repressionen und Einschüchterungen, die dazu führten, dass die offiziell registrierten Gemeinden nur über wenige Dutzend Mitglieder verfügten. Aber auch die Russisch-Orthodoxe Kirche, schreibt der Verfasser weiter, befände sich in einem trostlosen Zustand. Er fragt sich ferner: „Ist die Gottlosigkeit die herrschende Geistigkeit im jetzigen Russland?“ Und beantwortet die Frage selbst wie folgt: „Sie ist es nicht, da das Ganze nur auf staatlichem Druck und Repression beruht. Das Volk ist durchaus religiös, und ein Mann markiert heute nur den Gottlosen, weil er muss.“ (siehe unten das gesamte Dokument als PDF). Sein Blick in die Zukunft ist pessimistisch; er fürchtet, dass „dem Kirchenwesen über kurz oder lang hier ein Ende bereitet“ werden könnte. Interessant sind auch seine Ansichten zur Spaltung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland in den 1920er-Jahren, die im Zusammenhang mit dem Namen des abtrünnigen Pastors Eduard Luft (1890–1938) in die Geschichte eingegangen ist. Neunzehn Gemeinden, vollständig oder nur zum Teil, leisteten ihm Gefolgschaft. Sowjetische Behörden unterstützten solche separatistischen Bewegungen eine Zeitlang, um die organisierte Ev.-Luth. Kirche in der UdSSR zu schwächen.

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Lehren aus dem 27. Januar 1945

Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. An diesem Tag wird an den Genozid an den europäischen Juden sowie an die Millionen verfolgter, entrechteter, verschleppter und ermordeter Menschen im Deutschen Reich selbst und in den von ihm okkupierten Ländern und Territorien gedacht.

Aufgrund ihrer Diktaturerfahrungen können Russlanddeutsche die Tragödie, den Schmerz und die Wut der Opfer und ihrer Nachkommen sehr gut nachempfinden. Sie zeigen sich solidarisch mit den Betroffenen und fordern unmissverständlich: „Nie wieder!“ Nie wieder sollten totalitäre Ideologien und Regime eine Chance bekommen.

Am 27. Januar 1945 nahmen sowjetische Soldaten den größten Konzentrations- und Vernichtungslagerkomplex Auschwitz-Birkenau ein und befreiten die dort noch am Leben befindlichen, unter unmenschlichen Bedingungen leidenden Häftlinge. Einige Monate später erlitt das nationalsozialistische Regime eine totale Niederlage, die Tötungen und Verwüstungen gingen zu Ende, und die NS-Ideologie landete auf der Müllhalde der Geschichte.

Man wünschte sich, dass ebenso der Archipel Gulag befreit worden wäre, mit ähnlichen Konsequenzen. Millionenfache Menschenopfer und enorme Zerstörungen wären uns in den folgenden Jahren bis heute somit ebenfalls erspart geblieben.

Dr. Viktor Krieger

„Wolgadeutsche Siedlungen in Argentinien“: Buchvorstellung mit Olga Litzenberger

Auf den Spuren der Wolgadeutschen in Argentinien: Vortrag und Lesung am 12.02.2026 in Schwabach.

Im Bürgerhaus (Königspl. 33a, 91126 Schwabach), Beginn 18:30 Uhr.

Das Bürgermeister- und Presseamt der Stadt Schwabach lädt am Donnerstag, den 12. Februar, gemeinsam mit dem Kulturzentrum BKDR zum Kulturabend ins Schwabacher Bürgerhaus ein. Interessierte Bürgerinnen und Bürger erhalten aus erster Hand spannende Einblicke in die aktuelle Forschungsarbeit von Prof. Dr. Olga Litzenberger und Dr. Sergey Terekhin. Ihr Buch mit dem Titel „Kultur und Identität: Wolgadeutsche Siedlungen in Argentinien“ ist im August 2025 im BKDR Verlag erschienen.  

Im BKDR Verlag erschienen.

Als Experten für die Geschichte und Kultur der Wolgadeutschen erfuhren die beiden Wissenschaftler, dass viele wolgadeutsche Familien im 19. Jahrhundert nach Argentinien ausgewandert sind. Um herauszufinden, wie deren Nachkommen heute leben, besuchten Litzenberger und Terekhin in den Jahren 2023 und 2025 Dörfer und Städte in den Provinzen Entre Ríos, Buenos Aires und La Pampa, darunter auch die drei wolgadeutschen Gemeinden der Schwabacher Partnerstadt Coronel Suárez. In ihrem Vortrag zeigt Olga Litzenberger auf, wie die Nachkommen der Wolgadeutschen bis heute diese Umgebung auf typisch deutsche Weise prägen: die Straßen, Schulen und Kirchen – alles Bauwerke, die in alter Tradition ihrer wolgadeutschen Vorfahren errichtet wurden. Sie bewahren und pflegen ihr kulturelles Erbe.

Umrahmt wird der Kulturabend mit bekannten Musikstücken wolgadeutscher Komponisten, die von der Schwabacher Adolph von Henselt-Musikschule und der städtischen Musikschule in Coronel Suárez aufgeführt werden. Die Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr (Einlass ab 18:00 Uhr).

Der Eintritt ist kostenlos.

Nähere Informationen zum Buch sowie eine Leseprobe erhalten Sie unter:

https://bkdr.de/wolgadeutsche-siedlungen-argentinien/

„In den Fängen der Zeit“ von Nelli Kossko neu aufgelegt!

Die „Odyssee“: Wege und Irrwege der Autorin in einer aus den Fugen geratenen Welt …

Der lange Weg der Protagonistin Emma Wagner beginnt 1944 in Marienheim in der Ukraine und verläuft weiter über Bessarabien, Rumänien, Ungarn, Polen bis nach Dresden, dann macht er einen Knick, schlängelt sich über Polen nach Russland zurück und zieht sich von Kostroma über den Ural, West- und Ostsibirien bis hin zum Ochotskischen Meer, strebt dann gen Norden über Magadan Richtung Kolyma. Erst 1956 kehrt etwas Ruhe ein, der Weg bringt die Protagonistin langsam und schrittweise zurück in den Westen – zunächst in den Ural, dann nach Moldawien, in die Nähe der ukrainischen Heimat ihrer Eltern, und schließlich nach Deutschland, den Endpunkt ihrer Irrungen. Hier hat sie Wurzeln geschlagen, und ihre Wege führen sie nur noch in die vielen Urlaubsländer, aus denen sie immer wieder gerne heimkehrt. Dieses Buch ist eine bearbeitete und verbesserte Ausgabe der Trilogie von „Die geraubte Kindheit“, „Am anderen Ende der Welt“ und „Wo ist das Land …“, die bereits 2018 im Ratio-books erschienen ist und schnell über die Grenzen hinaus bekannt und vergriffen wurde. Der BKDR Verlag nahm sich nun in Kooperation mit dem Literatutkreis der Deutschen aus Russland (LITO) der Neuauflage an, weil das Buch „In den Fängen der Zeit“ von Nelli Kossko eines der wichtigsten Werke darstellt, die nach 2000 über das Schicksal der Deutschen aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion in Deutschland erschienen sind. Die neue Ausgabe ist ab dem 23. Januar 2026 im deutschen Buchhandel verfügbar.

Die Autorin:

Nelli Kossko (c) Privatarchiv.

Nelli Kossko wurde 1937 in einer deutschen Siedlung in der Ukraine am Schwarzen Meer geboren. Ihr Vater, Oskar Maser, war Deutschlehrer. 1937 war er den stalinistischen Säuberungen zum Opfer gefallen. Nach Kriegsausbruch mit der Sowjetunion und dem Vormarsch der Wehrmacht wurde Nelli Kossko zusammen mit ihrer Mutter nach Deutschland ausgesiedelt, jedoch nach Kriegsende in die UdSSR zurück verschleppt. Die Sowjets verbannten die Familie in den Norden des europäischen Teils Russlands und anschließend auf die Kolyma im Fernen Osten. Erst nach Stalins Tod durfte Nelli Kossko 1956 den Verbannungsort an der Behring-Straße verlassen und ein Germanistik- und Anglistikstudium an der Pädagogischen Hochschule in Swerdlowsk/Ural aufnehmen. Nach Abschluss des Studiums unterrichtete sie Deutsch und deutsche Literatur an verschiedenen Pädagogischen Hochschulen der UdSSR. 1975 gelang es Nelli Kossko (nach mehreren abgelehnten Ausreiseanträgen) mit ihrer Familie, nach Deutschland auszuwandern.

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7 Jahre Kulturzentrum BKDR – ein Leuchtturm mit bundesweiter Strahlkraft und darüber hinaus

Am 18. Januar 2019 übergab der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder feierlich den Schlüssel an das neu gegründete Kulturzentrum BKDR. Sieben Jahre später hat sich die vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales geförderte Einrichtung als bundesweit nach wie vor einzigartige Institution dieser Art zukunftsfest etabliert und feierte heute ihr siebenjähriges Bestehen.

Der Festakt begann mit der Begrüßung durch Waldemar Eisenbraun, Leiter des BKDR. In seiner Ansprache würdigte er die erfolgreiche Vergangenheit und skizzierte zugleich die Perspektiven der kommenden Jahre. Im Mittelpunkt standen dabei unter anderem die kontinuierliche Weiterentwicklung der konzipierten Formate, die Stärkung von Bildungsangeboten, der Ausbau von Netzwerken sowie der Teilhabe und kulturellen Begegnung.

Im Anschluss sprachen geladene Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Ewald Oster, Vorsitzender des BKDR-Trägervereins, unterstrich, dass die erfolgreiche Arbeit des Kulturzentrums erst durch die verlässliche Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung möglich geworden sei. Für dieses Vertrauen und die nachhaltige Förderung sprach er seinen ausdrücklichen Dank und höchste Anerkennung aus.

Die Festansprache hielt Marcus König, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg. Er hob hervor, dass das BKDR längst eine fest etablierte Kultureinrichtung der Stadt sei: „Das BKDR ist ein Treffpunkt, um Geschichte zu erleben und zugleich ein Ort gelebter gesellschaftlicher Teilhabe. Rund acht Prozent der Nürnbergerinnen und Nürnberger haben einen direkten Bezug zu den Deutschen aus dem postsowjetischen Raum. Es ist ein Glücksfall für die Region, dass das BKDR hier in Nürnberg beheimatet ist. Vielen Dank für diese wertvolle Arbeit.“

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3. Nora-Pfeffer-Literaturpreis (2026)

Ausschreibung / Bereich Literatur und Publizistik

Das Kulturzentrum BKDR und der Literaturkreis der Deutschen aus Russland (LITO) schreiben zum dritten Mal einen Literaturwettbewerb für junge Autorinnen und Autoren aus.        

Einsendeschluss: 15.04.2026

Nora Pfeffer, „Neues Leben“, 80er-Jahre, Moskau.

Ein Literaturwettbewerb für junge Autorinnen und Autoren im Alter bis 40 J. (einschließlich Jahrgang 1986). Eine unabhängige Jury, bestehend aus etablierten Autorinnen und Autoren, wird sich der eingesandten Beiträge annehmen und je einen Preisträger in folgenden drei Kategorien bestimmen: Prosa, Lyrik und publizistische Beiträge/Essays aus dem Bereich Literatur (z. B. Rezensionen, Autorenporträts, Interviews etc.) Es können unveröffentlichte Kurzgeschichten, Lyrik (max. 10 Gedichte) oder Essay in deutscher Sprache eingereicht werden. Die Ausschreibung ist mit insgesamt 900 EUR dotiert, das Preisgeld wird wie folgt aufgeteilt:

  • Kategorie Kurzgeschichte: 300 EUR
  • Kategorie Lyrikbeitrag: 300 EUR
  • Kategorie Essay bzw. Literaturjournalismus: 300 EUR

Die Gewinnertexte sowie weitere sieben Beiträge werden in der nächsten Anthologie bzw. Almanach des BKDR Verlags und LITO veröffentlicht (voraussichtlich 2026) und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit auf medialen Kanälen des BKDR und seiner Projektpartner verwendet.

Nora Pfeffer als Autorin und das Thema der Ausschreibung

Nora Pfeffer gehörte mit ihrer schriftstellerischen Leistung zu den bedeutendsten russlanddeutschen Autorinnen der Nachkriegszeit. Jahrzehntelang hat sie die Entwicklung der deutschsprachigen Literatur in der ehemaligen Sowjetunion mitgeprägt – als Lyrikerin, Übersetzerin, Nachdichterin, Essayistin und Literatur-kritikerin. Pfeffers Werke sind in mehreren Einzelbänden erschienen, darunter mehrere Bücher für Kinder, Lyriksammlungen und Bücher mit Nachdichtungen. Förderung von jungen Autorinnen und Autoren war stets eines ihrer wichtigsten Anliegen. Um ihre Lebensleistung zu würdigen und die Erinnerung an sie wachzuhalten, wurde 2022 ein ihr gewidmeter Literaturwettbewerb ins Leben gerufen. Mehr über Nora Pfeffer erfahren Sie unter dem Link: https://nora-pfeffer.lmdr.de/

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„Listen der deutschen Auswanderer nach Russland im 18. Jahrhundert als Quelle für die Familienforschung“ mit Buchautor Andreas Idt

Mit zahlreichen aktiven Teilnehmern – sowohl in Präsenz als auch online – fand 10. Januar 2026 in Nürnberg ein genealogisches Seminar statt, das den Listen deutscher Auswanderer nach Russland im 18. Jahrhundert als einer der wichtigsten Quellen für die Familien- und Ahnenforschung gewidmet war. Veranstalter des Seminars war das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) mit Unterstützung der Ortsgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland Nürnberg (Rudi und Dorothea Walter) sowie des Historischen Forschungsvereins der Deutschen aus Osteuropa (Dr. Olga Litzenberger).

Als Referent trat der Historiker und Quellenforscher zur Geschichte der deutschen Kolonisation Russlands Andreas Idt auf. Er ist Autor und Mitautor zahlreicher grundlegender Publikationen, die auf archivalischen Auswandererlisten und Dokumenten des Kolonisationsprojekts Katharinas II. basieren. Diese Werke gelten seit Langem als unverzichtbare Arbeitsinstrumente für Historiker und Genealogen.

In seinem Vortrag berichtete Andreas Idt über die Auswanderung deutscher Kolonisten nach Russland im Jahr 1766, die Wanderungsrouten von St. Petersburg in das Wolgagebiet, die Rolle der sogenannten „Berufer“ als Anwerber und Organisatoren der Migration, die Etappen der Umsetzung des Kolonisationsprojekts Katharinas II. in den Jahren 1763–1775 sowie über die Kuhlberg-Listen und deren Bedeutung für die Rekonstruktion von Familiengeschichten.

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Kalender 2026: Russlanddeutsche Autorinnen und Autoren

Auch heuer Jahr hat das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) in Kooperation mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR e. V.) sowie dem Literaturkreis der Deutschen aus Russland (LITO) und dem Historischen Forschungsverein der Deutschen aus Osteuropa (HFDO) einen Jahreskalender mit dem Titel „Russlanddeutsche Autorinnen und Autoren“ herausgegeben.

Russlanddeutsche Autorinnen und Autoren spielen eine zentrale Rolle bei der Vermittlung geschichtlicher und kultureller Aspekte der Deutschen aus dem postsowjetischen Raum. Durch ihre literarischen Werke, Essays oder auch autobiografischen Texte bewahren sie Erinnerungen an Vertreibung, Deportation, Zwangsarbeit und Migration, die sonst leicht in Vergessenheit geraten könnten oder in der Mehrheitsgesellschaft ohnehin noch nicht hinlänglich bekannt sind. Gleichzeitig geben sie tiefe Einblicke in das Alltagsleben zwischen Kulturen, Sprachen und Identitäten. Ihre Perspektiven eröffnen einen authentischen Zugang zu Erfahrungen, die in offiziellen Geschichtsdarstellungen oft nur am Rande vorkommen oder gar fehlen und schaffen damit ein wichtiges Verständnis für ihr tragisches Schicksal sowie die komplexe Vergangenheit und Gegenwart der Russlanddeutschen.

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