Ein Gesetz, das vor 35 Jahren viele Hoffnungen weckte

(Dokument des Monats)

Vor 35 Jahren, am 26. April 1991, verabschiedete der Kongress der Volksdeputierten der damaligen Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) das Gesetz „Über die Rehabilitierung der repressierten Völker“. Dies geschah mitten in der leider nur kurz andauernden Phase des demokratischen Aufbruchs. Im Zuge der sogenannten Perestroika wurden ernsthafte Bemühungen unternommen, mit der stalinistischen Vergangenheit endgültig zu brechen und den unschuldigen Opfern staatlicher Willkür und Verfolgung Wiedergutmachung zu leisten.

Das Gesetz von 1991, ein Zeitungsausschnitt. Die vollständige Fassung und Übersetzung siehe unten.

Das Gesetz betraf mehrere ethnische Minderheiten, darunter Bürger deutscher, kalmückischer, balkarischer, tschetschenischer, inguschischer, karatschaischer, krimtatarischer, finnischer, koreanischer und türkisch-meschetischer Nationalität, die vornehmlich während des Zweiten Weltkriegs mehrheitlich oder vollständig aus ihren angestammten Siedlungsgebieten deportiert worden waren. Angehörige weiterer Völker erlebten eine partielle Verbannung, darunter Polen, Ukrainer, Esten, Letten, Litauer, Iraner, Griechen, Armenier, Bulgaren und Kurden.

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Ausschreibung im Bereich Literatur und Literaturgeschichte 2026

Der BKDR Verlag und der Literaturkreis der Deutschen aus Russland (LITO) sammeln Beiträge für den nächsten Literaturalmanach (Anthologie 2026-2027).

Einsendeschluss: 15.08.2026
   
Wir sammeln für den nächsten Literaturalmanach unveröffentlichte Beiträge aller Art: Kurzprosa, Lyrik, (literaturwissenschaftliche) Essays, Rezensionen, Interviews, Nachdichtungen, kultur- bzw. literaturhistorische Textbeiträge in deutscher Sprache sowie Bilder/Fotos.

(c) depositphotos

Thema: Die Beiträge sollten sich optimalerweise mit Themenschwerpunkten wie Spuren der deutschen Kultur in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, außergewöhnlichen Schicksalen von Deutschen aus und im postsowjetischen Raum, ihrem Ein- und Zusammenleben mit anderen Menschen in Deutschland sowie mit Erfahrungen bei der Suche nach einem Platz in der neuen (alten) Heimat befassen.

Zielgruppe und Teilnahmebedingungen: Alle künstlerisch talentierten Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstler unabhängig von Religion, Herkunft, Alter und Geschlecht sind herzlich eingeladen, ihre Beiträge für den Literaturalmanach einzureichen (sofern sie thematisch passen).

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Verfälschungen in den Rehabilitierungsverfahren der Chruschtschow-Ära

(Dokument des Monats)

Das Schicksal des letzten Pfarrers der St.-Paul-Kirche in Odessa, Karl Vogel (1896–1937), war typisch für die Zeit vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges: Nach dem Abschluss des evangelisch-lutherischen Predigerseminars in Leningrad (1932) diente er eine Zeitlang als Seelsorger in Hoffnungstal und ab 1933 in Odessa. Nach fadenscheinigen Vorwürfen, eine Spionageverbindung zu einem ausländischen Konsulat zu unterhalten und eine organisierte konterrevolutionäre, faschistische Propaganda unter seinen Gemeindemitgliedern zu betreiben, wurde Pastor Vogel am 4. Juli 1937 verhaftet und nur wenige Monate später, am 27. Oktober, erschossen.

Seine archivierte Untersuchungsakte enthält u. a. einige sehr aussagekräftige Dokumente, die anschaulich zeigen, wie das KGB – selbstverständlich mit Billigung der Partei- und Staatsführung – ab Mitte der 1950er-Jahre systematisch die Todesumstände der nach dem Krieg rehabilitierten Personen verfälscht hat. Um das Ausmaß des Terrors vor allem in den 1930er-Jahren zu verschleiern, verfügte eine streng geheime KGB-Direktive vom 24. August 1955 [auf Russisch], dass der Todestag eines zum Erschießen Verurteilten auf ein beliebiges Datum zwischen Beginn der Inhaftierung und den folgenden zehn Jahren festzulegen sei und eine erfundene Todesursache anzugeben sei. Diese falschen Informationen wurden dann weitergegeben, wenn Familienangehörige die Ausstellung einer Sterbeurkunde beantragten. Erst 1963 wurde diese Praxis beendet; die davor erteilten falsifizierten Auskünfte blieben davon unberührt [KGB-Instruktion vom 21. Februar 1963 auf Russisch].

Untenstehend finden Sie eine dokumentarische Zusammenstellung aus der Untersuchungsakte Karl Vogels (siehe das PDF unten nach diesem Beitrag).

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„Der fliegende Teppich“ von Elly Frey erschienen

Mit dem Märchen „Der fliegende Teppich“ wird die neue BKDR-Reihe „Märchen für Groß und Klein“ fortgesetzt. Diese Buchreihe zeigt, wie Märchen mit realen Ereignissen und außergewöhnlichen Menschen verbunden sind.

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Viele Märchen, die wir heute lesen, basieren auf wirklichen Begebenheiten, die über Jahrhunderte erzählt, mit neuen Bildern bereichert und von verschiedenen Erzählern lebendig gemacht wurden und so weiterleben. In unserer Kindheit wurden uns allen wunderbare Geschichten, Mythen und Legenden erzählt. Mythen sind von Geheimnissen umhüllt, Märchen voller Zauber, epische Geschichten bewahren die Heldentaten ganzer Völker und verweben sie mit den Ereignissen der Vergangenheit. Mit der Zeit können sich epische Geschichten zu magischen Märchen entwickeln. Solange Märchen von Generation zu Generation weitergegeben werden, leben sie in unserer Erinnerung und Fantasie weiter und damit auch im kollektiven Gedächtnis des Volkes. Mit einem wissenschaftlichen Kommentar von Dr. Olga Litzenberger. Zum Inhalt:

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BKDR und LITO stellen gemeinsam Bücher auf der Leipziger Buchmesse 2026 vor

Der BKDR Verlag und der Literaturkreis der Deutschen aus Russland (LITO) werden erneut auf der Leipziger Buchmesse (LBM) 2026 mit einem gemeinsamen Bücherstand vertreten sein. Die renommierte Buchmesse findet vom 19. bis zum 22. März statt. Am 21. sowie am 22. März werden wir außerdem unmittelbar auf dem Messegelände zwei Lesungen mit Büchern von Nelli Kossko und mit Elli Unruh und Max Schatz organisieren. Artur Rosenstern und Carola Jürchot werden die Lesungen moderieren.

(c) Fotos: Privatarchiv und BKDR.

Bei der ersten Lesung am Samstag, 21. März um 10:30 Uhr, werden Rosenstern und Jürchott das im BKDR Verlag neu aufgelegte Buch „In den Fängen der Zeit“ von Nelli Kossko vorstellen. Und zwar im Forum Globale Perspektiven (Halle 4, E303).

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Ein ungewöhnlicher Brief aus Bessarabien von 1848  

(Dokument des Monats)

Den uns vorliegenden Brief verfasste Johann Jakob Koch, ein verdienstvoller Schulmeister aus der deutsch-bessarabischen Siedlung Gnadental (bekannt auch als Gnadenthal), die 1830 von württembergischen Auswanderern gegründet worden war. Er ist der erste von insgesamt 17 Briefen, die Koch an seine einstige Ausbildungsstätte in Lichtenstern, Königreich Württemberg, zwischen 1848 und 1889 geschrieben hat. Das Briefkorpus bildet eine einzigartige Quelle zur Alltagsgeschichte der deutschen Ansiedler in Bessarabien und bezeugt eine jahrzehntelang bestehende Verbindung zwischen dem Ursprungsland Württemberg und den Emigranten in Russland. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die im Schwarzmeergebiet angesiedelten Kolonisten von jenen, die 40 bis 60 Jahre zuvor an die Wolga gekommen waren. Die Wolgadeutschen pflegten anfangs kaum Kontakte zu ihrer alten Heimat, was vor allem an unterschiedlichen Auswanderungs- und Ansiedlungsverläufen lag.

Briefausschnitt. Vollständiger Brief sowie Transkription s. unten.

Das Interessante an dem Brief vom 18. März 1848 ist die Erwähnung einer Geldsumme von 10 Silberrubeln, die die Gnadentaler Gemeinde an die Lichtensterner Anstalt angesichts der Hungersnot in Deutschland (1846/47) spendete. Bekannt ist ferner, dass für diese Bildungsanstalt in der gleichen Zeit eine „Liebesgabe von 317 Rubel“ aus der Kolonie Neuhoffnung eingegangen ist, die von württembergischen Chiliasten in der Nähe von Berdjansk im Jahre 1822 gegründet wurde. Dieser Sachverhalt ist bemerkenswert, weil man sonst üblicherweise, wenn von einer Hungersnot die Rede ist, zuerst an das Russische Reich sowie die Sowjetunion bzw. an die Hilfeleistungen aus Deutschland denkt – etwa für die Wolgadeutschen in den 1920- oder 1930er-Jahren. Dass es in der Vergangenheit auch anders war, ist bislang wenig bekannt.

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Buchvorstellung „Mer hän doch so glacht!..“ mit Prof. Dr. René Krüger – Online via ZOOM!

Am 12. März 2026, Donnerstag, 19 Uhr (MEZ), wird Prof. Dr. René Krüger das Buch mit wolgadeutschen Witzen in einer Online-Lesung via ZOOM vorstellen.

Weitere Details sowie den Zugangslink zur Lesung finden Sie weiter unten! Das Buch mit dem Titel „Mer hän doch so glacht! Wolgadaitsche Witze, in Argentinie verzählt“ von Zully Bauer und René Krüger ist erst im Februar 2026 im BKDR Verlag erschienen.

Prof. René Krüger zu Besuch beim BKDR (c) BKDR-Archiv.

Viele wolgadeutsche Siedlerinnen und Siedler wanderten im 19. Jahrhundert aus politischen sowie wirtschaftlichen Gründen aus Russland nach Südamerika bzw. nach Argentinien. Der Großteil ihres Kulturerbes wurde bisher jedoch vor allem mündlich überliefert: Lebensgeschichten, Erfahrungen, Berichte, Gedichte, Legenden, Sprichwörter, Kochrezepte, Volkslieder und religiöse Lieder; außerdem Witze, Anekdoten, Schwänke, Rätsel, Späße usw. Lediglich ein Teil dieser noch lebendigen wolgadeutschen Kultur in Argentinien wurde schriftlich festgehalten. Es gibt noch viele kulturelle Gattungen, die mündlich sowohl im wolgadeutschen Dialekt als auch auf Spanisch in gewissen Kreisen der wolgadeutschen Nachkommen gepflegt werden, vor allem von der älteren Generation. Die Autoren dieses Buches haben viele Jahre Witze, Anekdoten sowie lustige Geschichten dieser Bevölkerungsgruppe in Argentinien gesammelt und damit einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung eines Teils dieses Kulturerbes geleistet.

Der Autor:

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Wir trauern um unsere Autorin Nelli Kossko!

Mit tiefer Anteilnahme nehmen wir Abschied von der russlanddeutschen Autorin Nelli Kossko, die am 19. Februar nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Ihr Tod hinterlässt eine spürbare Lücke nicht nur in der sogenannten „russlanddeutschen Literatur“.

(c) Foto: BKDR-Archiv.

Nelli Kossko wurde 1937 in einer deutschen Siedlung in der Ukraine am Schwarzen Meer geboren. Ihr Vater Oskar Maser war Deutschlehrer. 1937 fiel er den stalinistischen Säuberungen zum Opfer. Nach Kriegsausbruch 1941, dem Vormarsch der Wehrmacht und dem Beginn der „administrativen Umsiedlung“, landete Kossko zusammen mit ihrer Mutter 1944 im polnischen Warthegau, damals Deutsches Reich, und wurde nach Kriegsende im Zuge der „Repatriierung“ in die UdSSR zurückverschleppt.

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DAZ veröffentlicht eine Rezension des Buches „In den Fängen der Zeit“ von Nelli Kossko

Das Onlineportal der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ) veröffentlichte am 15.02.2026 eine Rezension des vor Kurzem im BKDR Verlag neu aufgelegten Buches „In den Fängen der Zeit“ von Nelli Kossko:

Ich weiß, es ist grausam, ein kleines Mädchen wie dich in all diese schrecklichen Dinge einzuweisen, aber ich habe sonst niemanden, mit dem ich mein Leid teilen könnte. Vergib mir, mein Kind!‘ (…) Wir machten in dieser Nacht kein Auge zu, und als es dann zu dämmern begann, verließ Mama mit einem kleinen Bündel über der Schulter das Dorf. Ich hasste die NKWD-Leute, zu denen sie jetzt ging, den Kommandanten, den Krieg, die Russen und die Deutschen, ich hasste die ganze Welt und mich selbst am meisten, denn schließlich war ich an allem schuld … Aus: „In den Fängen der Zeit“

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„Mer hän doch so glacht!“ – wolgadeutsche Witze aus Argentinien …

Das Buch mit dem Titel „Mer hän doch so glacht! Wolgadaitsche Witze, in Argentinie verzählt“ von Zully Bauer und René Krüger ist am 16. Februar im BKDR Verlag erschienen!

Viele wolgadeutsche Siedlerinnen und Siedler wanderten im 19. Jahrhundert aus politischen sowie wirtschaftlichen Gründen aus Russland nach Südamerika bzw. nach Argentinien. Der Großteil ihres Kulturerbes wurde bisher jedoch vor allem mündlich überliefert: Lebensgeschichten, Erfahrungen, Berichte, Gedichte, Legenden, Sprichwörter, Kochrezepte, Volkslieder und religiöse Lieder; außerdem Witze, Anekdoten, Schwänke, Rätsel, Späße usw. Lediglich ein Teil dieser noch lebendigen wolgadeutschen Kultur in Argentinien wurde schriftlich festgehalten. Es gibt noch viele kulturelle Gattungen, die mündlich sowohl im wolgadeutschen Dialekt als auch auf Spanisch in gewissen Kreisen der wolgadeutschen Nachkommen gepflegt werden, vor allem von der älteren Generation. Die Autoren dieses Buches haben viele Jahre Witze, Anekdoten sowie lustige Geschichten dieser Bevölkerungsgruppe in Argentinien gesammelt und damit einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung eines Teils dieses Kulturerbes geleistet. Was sie dabei angetrieben hat, haben sie wie folgt zusammengefasst:

„Die geschichtliche und kulturelle Aufarbeitung ist eine Aufgabe, die niemals endet, weil die Vergangenheit ein unerschöpflicher Steinbruch ist, in dem unendlich viele Erfahrungen und Werte darauf warten, entdeckt, gerettet und den heutigen und künftigen Generationen zur Verfügung gestellt zu werden …“

Zully Bauer und René Krüger

Die Autoren

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