Begegnungen in Almaty / Kasachstan (Fortsetzung)
Gerne möchten wir weitere Ergebnisse der jüngsten Reise unseres wissenschaftlichen Mitarbeiters Dr. Viktor Krieger nach Kasachstan präsentieren.
Neben der Teilnahme an der Jubiläumskonferenz, veranstaltet vom Institut für Geschichte und Ethnologie der Republik Kasachstan, fanden zugleich anregende Gespräche mit der Institutsleitung (Prof. Dr. Ziyabek Kabuldinov) sowie einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (Dr. Timur Apendiev, Prof. Dr. Zhamilja Asylbekova u. a.) statt. Diskutiert wurde die künftige Zusammenarbeit zu verschiedenen Aspekten der Geschichte der deutschen Minderheit in Kasachstan – im Vergleich mit anderen ethnischen Gemeinschaften der Republik, sowohl während der Sowjetzeit als auch im souveränen Staat seit 1991.


Thematisiert wurden unter anderem Fragen der demografischen Entwicklung, der Repressionen sowie des Protest- und nonkonformen Verhaltens in der Nachkriegszeit.
Im Rahmen der Festveranstaltungen wurde Dr. Krieger mit der Tschokan-Walichanow-Ehrenmedaille ausgezeichnet. Das Institut für Geschichte und Ethnologie trägt den Namen dieses ersten kasachischen Intellektuellen und Wissenschaftlers. Ein wichtiger Partner auf diesem Weg ist das Zentrale Staatsarchiv der Republik Kasachstan, das eine Fülle von Dokumenten unterschiedlicher Gattungen zur Geschichte der deutschen Minderheit seit dem späten 19. Jahrhundert beherbergt. Das Treffen am 29. September d. J. mit dem Direktor des Archivs, Dr. Sabit Shildebay, machte das große Interesse an einer Zusammenarbeit mit deutschen Organisationen deutlich. Dabei wurde ein erstes gemeinsames Projekt besprochen: eine Ausstellung mit Dokumenten des Zentralen Staatsarchivs über 150 Jahre deutsche Präsenz auf dem Territorium des heutigen Kasachstans.
Die Eröffnung dieser Ausstellung, die im Demonstrationsraum des Archivgebäudes Anfang 2026 stattfinden soll, wird die erste ihrer Art sein, die vom BKDR mitkonzipiert und gefördert wird.

Ein interessantes Beispiel aus den Archivbeständen des Zentralarchivs
Drei Archivaufnahmen illustrieren das erste „deutsch-kasachische“ Gemeinschaftsunternehmen „Santonin“, das in den Jahren 1883–1885 in Tschimkent – damals im Generalgouvernement Turkestan, heute im Süden Kasachstans – errichtet wurde. Santonin wurde seinerzeit zur Behandlung von Darmparasiten wie Spulwürmern eingesetzt.
In Meyers Großem Konversations-Lexikon, Band 19, Leipzig 1909, heißt es unter dem Stichwort „Tschimkent“:
„In der Umgegend wächst die Artemisia-Art, deren Blütenköpfchen den Wurmsamen bilden und zum größten Teil an Ort und Stelle in Fabriken auf Santonin verarbeitet werden.“
Diese industrielle Großfabrik wurde gemeinsam mit russischen Inhabern in Orenburg und Tschimkent sowie mit deutschen Chemikern in Hamburg betrieben; die technische Ausrüstung lieferte die Maschinenfabrik der Gebrüder Burgdorf in Altona. Das Werk besteht in Tschimkent noch heute und zählt zu den führenden Arzneimittelproduzenten Kasachstans.
Nachstehend einige Impressionen der Konferenz, des Arbeitstreffens im Zentralarchiv sowie von Auszeichnungen und einigen Bildern aus den Beständen des Zentralarchivs zum Thema: „Santonin“ und die Rolle Deutschlands bei seiner Gewinnung.












