Nachtrag zu „Archivbesichtigung und Gespräche über zukünftige Projekte“

Dr. Viktor Krieger war erst Mitte Oktober auf Dienstreise in Stuttgart (hier können Sie den Bericht nachlesen). Dort hielt er am Abend im Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg einen Vortrag zum Thema: „Die kurzlebige Wolgadeutsche Republik: Warum sie gegründet, liquidiert und nicht wiederhergestellt wurde.“ 

Aufgrund des großen Interesses an dem o.g. Vortrag hat sich das BKDR dazu entschlossen, eben diesen als erweitertes Lesemanuskript mit eingeflochtenen Tabellen und Illustrationen der breiten Öffentlichkeit bereitzustellen:

Besuch aus Hessen

Das Bundesland Hessen ist Patenland der Wolgadeutschen und fördert seit vielen Jahren Aktivitäten im Bereich der Deutschen aus Russland.Seit 1999 beruft die Hessische Landesregierung einen Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, seit 2009 hat Margarete Ziegler-Raschdorf (MdL) dieses Amt inne.Vertreter der IDRH Hessen, Interessengemeinschaft der Deutschen aus Russland, waren heute zum Erfahrungsaustausch und zur Klärung von Kooperationsmöglichkeiten in Nürnberg. Nach einer Führung durch das Kulturzentrum und gegenseitigen Berichten über die zurückliegenden Maßnahmen, stellte IDRH eine größere Projektidee für das Jahr 2021 vor. Die Beteiligten waren sich darüber einig, dass eine engere Zusammenarbeit länderübergreifende Synergien erzeugen kann. Nun geht es darum, die besprochenen Vorhaben zu konkretisieren und die jeweiligen Möglichkeiten und Ressourcen zu prüfen.Waldemar Eisenbraun, BKDR-Geschäftsleiter, sicherte Unterstützung im Bereich der wissenschaftlichen Expertise zu. Albina Nazarenus-Vetter, Geschäftsführerin der IDRH Hessen, nannte das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland ein großes Vorbild für die Bestrebungen in Hessen.

28. August – Tag der Russlanddeutschen

Das BKDR und die LmDR (Ortsgruppe Nürnberg) legten vergangenen Freitag gemeinsam einen Kranz am zentralen Denkmal „Flucht und Vertreibung“ in Nürnberg nieder. Am 28. August 1941 veröffentlichte die Sowjetregierung den Erlass „Über die Übersiedlung der Deutschen, die in den Wolgarayons wohnen“, in dem die Deutschen der Sowjetunion pauschal beschuldigt worden waren, Feinde des Volkes und Spione zu sein. In den Wochen darauf folgten Verbannungen und Deportation von Hunderttausenden der UdSSR-Deutschen nach Sibirien und Kasachstan, wo sie Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen leisten sowie Kälte, Hunger und Tod erfahren mussten. Im Beisein von bekannten Gästen wie z. B. des 1. Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags Karl Freller, der CSU-Stadträtin Helmine Buchsbaum, die als Vertretung des Nürnberger Oberbürgermeisters Marcus König (Schirmherr der Veranstaltung) bewegende Worte an die Teilnehmer richtete, sowie einigen weiteren wichtigen Vertretern aus den Reihen der SPD und der Grünen, gedachte das Kulturzentrum und die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (Nürnberg) der Opfer der Deportationen in der Sowjetunion vor 79 Jahren.

(c) Bilder: BKDR / Tatyana Hof im Auftrag der Ortsgruppe Nürnberg.

Der Bayerische Rundfunk hat die gesamte Gedenkveranstaltung begleitet und einen Videobeitrag erstellt. Diesen finden Sie bis zum 04.09.2020 unter: https://www.br.de/mediathek/video/franken-kompakt-die-meldungen-vom-28-august-av:5f493bce5e382b0014a630f2?fbclid=IwAR0VfcSTb-WF21xgs4stcyT_vO04g6J8t-7xCkPNqZCizGOn_7ch5232fqs.

„Spaziergänge entlang des Wolgaufers“

1979 beendete Frau Cunnar die Realschule in Pegnitz. Nach einem Schüleraustauschprogramm in New York sowie einer zweijährigen Ausbildung an der Nürnberger Fremdsprachenschule ging ihre schulische Laufbahn weiter. Über den zweiten Bildungsweg erlangte sie die Hochschulberechtigung. An der University of Wyoming sollte sie danach erst den Bachelor of Arts im Studienfach der International Studies und später den Master of Arts in der Anthropologie/Archäologie absolvieren. Während ihres Studiums arbeitete sie unter anderem als Verwaltungsangestellte in der Fakultät für Geologie, war Lehr- und Forschungsassistentin an der Fakultät für Anthropologie und Feldarchäologin bei Ausgrabungsprojekten in den USA, China und Sibirien. Sie war erste Ansprechpartnerin für Bibliothekare, Dozenten und Studenten, Forschende in der Benutzung der ethnografischen eHRAF World Cultures und der eHRAF Archaeology Datenbank, verfasste Tutorien und Lehrmaterial, half beim Aufbau von Teaching eHRAF und repräsentierte den HRAF Verein bei anthropologischen, archäologischen und bibliothekarischen Tagungen und Konferenzen. Zudem baute sie sich, bevor sie Teil des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland wurde, sowohl mit der „Stone Boat Farm Bed and Breakfast“ als auch mit dem „East Rock Apartment Rental“ zwei Kleinunternehmen in Connecticut (U.S.A) auf. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland war sie sehr glücklich, dass sie beim BKDR Fuß fassen konnte.

(c) BKDR

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Arbeitstreffen im Regensburger Rathaus

Von Beginn an begleitete Dr. Astrid Freudenstein, ehemaliges Mitglied des Bundestages und aktuell Bürgermeisterin der Stadt Regensburg, mit großem Interesse die Entwicklungen des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland.

Beim heutigen Arbeitstreffen im Regensburger Rathaus berichtete BKDR-Leiter Hr. Eisenbraun über die aktuellen Schwerpunkte der Aktivitäten und überreichte hauseigene Publikationen an Dr. Freudenstein.

Ein besonderes Interesse weckte die beim BKDR in der Entstehung befindlichen Stadtführung mit dem Titel „Russlanddeutsche Spuren in Regensburg“. Diese soll ab Herbst 2020 angeboten werden.

„Ich sah mich in der Pflicht ihnen zu danken“

Eugen Esch bekleidet die Position des Regionalkoordinatoren beim Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland und gehört mittlerweile seit über einem Jahr zum Team. Jedoch war sein Weg nicht der einfachste. Als neunjähriger Junge einer russlanddeutschen Familie aus der Stadt Aktjubinsk (Kasachstan) kam er nach Deutschland. Anfängliche Anpassungsschwierigkeiten sollten ihn jedoch nicht von seinem angestrebten Werdegang abbringen:

Mit viel Fleiß hat er einen eindrucksvollen Weg zurückgelegt: Eugen Esch.

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Zum Kriegsende vor 75 Jahren

Heute am 8. Mai 2020 erinnern wir an das besonders schwere Schicksal der Russlanddeutschen. An der Etablierung des NS-Regimes völlig unbeteiligt, mussten sie dafür in der stalinistischen UdSSR schwer leiden: entrechtet, enteignet, nach Sibirien und Zentralasien deportiert, in Arbeitslagern eingesperrt. Zehntausende sind dabei elendig zugrunde gegangen. Als Zwangsarbeiter in der sowjetischen Kriegswirtschaft nahmen sie an der Bekämpfung der Hitlerdiktatur teil, wurden jedoch während des Krieges und danach verfolgt und unterdrückt. Die UdSSR-Deutschen durften nicht in ihre historischen Siedlungsgebiete zurückkehren und hatten kaum Möglichkeiten, die Muttersprache zu erhalten und ihre Kultur zu pflegen. Bis heute wirkt ihr tragisches Kriegsfolgenschicksal nach.

BKDR, Nürnberg

© Das Foto stammt aus dem Museum des Gymnasiums Nr. 96, Stadt Tscheljabinsk, zu den deutschen Zwangsarbeitern des Lagers Tscheljabmetallurgstroj (TschMS) des NKWD der UdSSR. Zu finden unter: http://bd-chelarhiv.eps74.ru/knpamstr/

„Davon war praktisch jede Familie betroffen“

Dr. Viktor Krieger ist seit mehr als einem Jahr beim BKDR. Grund genug, einen unserer wissenschaftlichen Mitarbeiter genauer vorzustellen: „Vorab eine kurze Erklärung: Ich persönlich bin dem Genossen Stalin irgendwie dankbar. Ohne seine Entscheidungen gäbe es mich bestimmt nicht! Unter „normalen Umständen“ hätte sich mein Vater – ein Wolgadeutscher – mit meiner Mutter aus dem Transkaukasus niemals getroffen! Dank „weiser“ Handlungen des Diktators kamen sie in der Verbannung, in der Siedlung Nowotroizkoje (Gebiet Dschambul/Südkasachstan), zusammen. Dort bin ich 1959 geboren.“, so Krieger mit reichlich Galgenhumor. Nach dem Wirtschaftsstudium in Nowosibirsk ging er einer Anstellung an der technischen Hochschule im heimischen Dschambul nach. Mit der Problematik der russland- bzw. sowjetdeutschen Geschichte begann er sich erst zu Beginn der 1980er intensiv zu beschäftigen.

Insbesondere sein Vater hinterließ einen prägenden Einfluss: „Er war mit dem Erreichten nie zufrieden.“, spricht er über seinen Vater, der zunächst Schullehrer und ab 1964 Hochschullehrer im Gebietszentrum Dschambul war. „Erst im Alter von 44 Jahren promovierte er 1974 zum Dr. rer. nat. und es war beileibe nicht einfach gewesen, sich aus einem bildungsfernen Umfeld als deportierter Deutscher in einer Nationalrepublik durchzusetzen.“, blickt er mit Stolz zurück und schätzt sich glücklich darüber, im Gegensatz zu der Großeltern- bzw. Elterngeneration, in „milderen Zeiten geboren und aufgewachsen“ zu sein.
Während der Perestroika-Zeit wurden zahlreiche Beiträge von Viktor Krieger zu historischen und politischen Themen in den Zeitungen Neues Leben, Freundschaft und Rote Fahne veröffentlicht. Gleichzeitig bereitete er eine Dissertation über Siedlungsgeographie und wirtschaftliche Entwicklung der deutschen Bauern auf dem Territorium Kasachstans im Zarenreich vor. Doch es lief nicht alles nach Plan: „Angesichts der verweigerten Wiedergutmachung und der kaum erfüllbaren Hoffnungen auf die Wiederherstellung der Wolgadeutschen Republik, entschloss sich unser Familienverband, d.h. Eltern, meine Schwester mit ihrem Mann und ich, zusammen mit der Ehefrau und zwei Kindern, 1991 nach Deutschland überzusiedeln.

Alles begann mit Sprachkursen in Stuttgart und Mannheim. Währenddessen ergab sich die Möglichkeit, sich im Badischen Landesarchiv in Karlsruhe mit dem deutschen Archivwesen vertraut zu machen. Ein zweijähriges Stipendium am Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart bot eine gute Gelegenheit, bislang kaum bekannte wissenschaftliche und publizistische Werke der in- und ausländischen Autoren über die deutsche Minderheit in Russland bzw. in der UdSSR kennenzulernen. Mitunter darauf basiert seine spätere Arbeitstätigkeit: „Moderne Forschungs- und Lehrmethoden habe ich mir hauptsächlich an der Universität Heidelberg angeeignet. Dort nahm ich im Rahmen des Seminars bzw. der Professur für Osteuropäische Geschichte von 1999 bis zum Wechsel zum BKDR an mehreren Projekten teil und bot den Studierenden eine Reihe von Lehrveranstaltungen an. Zuletzt sind ein Buch zum 100-jährigen Jubiläum der Wolgadeutschen Republik (2018) und eine Online-Dokumentation über den russlanddeutschen Samisdat (2019) erschienen.
Schwerpunkte seiner Tätigkeit bilden bspw. wissenschaftliche Themen wie etwa „Bildungstraditionen im bäuerlichen Milieu“ oder „Lebenserfahrungen der Deutschen in Zentralasien“. Zudem nimmt die Frage der Vermittlung historischer Erlebnisse einen übergeordneten Platz ein. Es handelt sich um Ausstellungen zu verschiedenen Themenbereichen und populär-wissenschaftlichen Darstellungen wie etwa die Erstellung eines Dokumentations- und Bildarchivs, Vortragsreihen und universitäre Lehrveranstaltungen.

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„Es ist ein Kunststück von der Kunst zu leben“

Anlässlich der Veröffentlichung des sogenannten „Dankessongs“ im Rahmen des Projekts „Quarantänekunst“ bat das BKDR die russlanddeutsche Kabarettistin und Sängerin Viktoria Lein zu einem Interview. Das Lied thematisiert die prekäre Situation von zahlreichen Helferinnen und Helfern bzw. Menschen in den systemrelevanten Berufen während der Corona-Pandemie und hat die Optimierung von Arbeitsbedingungen für diesen Personenkreis zum Ziel. 

Viktoria Lein in der Aufnahmekabine zum Song „Precious“ .

Viktoria, Sie sind bereits eine gefragte Künstlerin und touren mit Ihrem Programm durch ganz Deutschland. Wo kommen Sie ursprünglich her?

V.L.: Ursprünglich komme ich aus Kasachstan und bin 1994 nach Deutschland umgesiedelt. Meine Musik- und Schauspielausbildung habe ich in Aktobe und anschließend in Almaty gemacht und bereits mit 19 Jahren am Deutschen Schauspieltheater als Vocal-Repetitorin und Schauspielerin gearbeitet. Nach der Auswanderung bin ich zusammen mit meinem Ehemann Heinrich Lein zuerst im Bayerischen Wald gelandet und ein Jahr später nach München umgezogen. In der Großstadt haben wir uns nach und nach die musikalische Karriere aufgebaut, was sich als ziemlich schwer erwiesen hat und worauf ich nun sehr stolz bin. Wir mussten zuerst ganz normalen Tätigkeiten (Sägewerk, Lebensmittelgeschäfte, Baumarkt, Kosmetikvertrieb, Werbeagentur etc.) nachgehen, um uns ein stabiles Einkommen zu sichern und „werkelten“ parallel dazu in der freien Zeit an der künstlerischen Karriere. Wir hatten damals u.a. Glück, im Rahmen der Veranstaltungen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland auftreten zu dürfen und haben dadurch unser Netzwerk erweitert und viele tolle Menschen und Kollegen kennengelernt.  

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„ZwischenHeimaten“ – Russlanddeutsche AutorInnen stellten ihre Bücher in Würzburg vor

V. l. n. r.: Andreas Peters, Eleonora Hummel, Mara Michel, Gerd Michel und Artur Rosenstern im Kunsthaus Michel in Würzburg.

Würzburg. Am 28. Februar 2020 präsentierte die mit mehreren bedeutenden Preisen ausgezeichnete russlanddeutsche Autorin Eleonora Hummel aus Dresden im Kunsthaus Michel ihren neuen Roman „Die Wandelbaren“.  Andreas Peters stellte die vor kurzem erschienene Anthologie „ZwischenHeimaten“ vor, die 2019 vom BKDR und dem Literaturkreis der Deutschen aus Russland herausgegeben wurde. Artur Rosenstern moderierte die Lesung und las Gedichte.

Der Autor Andreas A. Peters, der erst 2019 mit dem bundesweit ausgeschriebenen katholischen SCIVIAS-Literaturpreis des Bistums Limburg ausgezeichnet wurde, trat als Erster auf und faszinierte geradezu die Zuhörer mit seinen ebenso tiefgründigen wie humorvollen Texten. Ihm gelang es, ernsthafte Themen wie    z. B. Trisomie auf eine zutiefst beeindruckende Art und Weise literarisch zu verarbeiten und vorzutragen. Er studierte u. a. Theologie und Philosophie, war in Russland als Kolchosen- und Metallarbeiter, später als Dozent und Pastor tätig, er lebt in Laufen (Bayern) und Salzburg und arbeitet zurzeit als Krankenpfleger am Uni-Klinikum Salzburg. Ein bewegtes Leben hat er hinter sich mit seinen 61 Jahren. Bislang erschienen von ihm mehrere Lyrik- und Prosabände, zuletzt das durchaus markante Büchlein „Orchester der Hoffnung unter der Leitung der Liebe“, welches Peters im Rahmen der Lesung ebenfalls vorstellte.

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