Interne Stellungnahme der DDR-Botschaft in Moskau zur Teilrehabilitierung der Sowejtdeutschen 1964

(Als Reaktion auf den Erlass vom 29. August 1964 über die Teilrehabilitierung der Sowjetdeutschen)

Dokument des Monats

In den Augen der sowjetischen Partei- und Staatsführung galt die Deutsche Demokratische Republik seit der Niederschlagung des Volksaufstands im Juni 1953 und dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 als der loyalste und ideologisch verlässlichste Teil des „sozialistischen Lagers“. Tatsächlich verlief die Entstalinisierung in der DDR weniger radikal und konsequent als in den meisten europäischen Verbündeten der UdSSR.

Die Lage der deutschen Minderheit in der Sowjetunion stieß bei den DDR-Genossen auf demonstratives Desinteresse; den „Großen Bruder“ behelligten sie in dieser Frage nie mit unangenehmen Fragen. Intern wurde die Entwicklung jedoch durchaus verfolgt, wie ein Dokument der DDR-Botschaft in Moskau vom 14. Januar 1965 belegt. – Vollständiges Dokument siehe folgenden Link zur Information zum Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets vom 29. August 1964.

(Auszug aus dem Dokument. Quelle: PAAA – Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Berlin.)

Das Dokument lässt ein gewisses Interesse an der Problematik erkennen – umso mehr, als darin auch der Staatsbesuch Walter Ulbrichts, des Ersten Sekretärs des ZK der SED und Vorsitzenden des Staatsrates, in der UdSSR im Juni 1964 erwähnt wird. Anschließend sollen zahlreiche Briefe von „Sowjetdeutschen“ bei der DDR-Botschaft eingegangen sein, in denen sie über die schwierigen Lebensumstände klagten.

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Theodor Hummel, der „Vater der Kaukasusdeutschen“

Theodor Hummel (c) Foto: Privatarchiv.

Theodor Hummel (1866–1944) ist beinahe jedem ehemaligen Kaukasusdeutschen sowie jedem Historiker, der zum Transkaukasus forscht, bekannt. Hummel wird nicht selten überspitzt als „Vater der Kaukasusdeutschen“ bezeichnet. Seine außerordentlichen Verdienste um die Interessenvertretung nicht nur seines Heimatdorfes Helenendorf, sondern sämtlicher kaukasusdeutscher Siedlungen sind unbestritten. Zur historischen Wahrheit gehört jedoch auch, dass er aufgrund seiner antikommunistischen Gesinnung das NS-Regime in Deutschland und dessen Ideologie weitgehend unkritisch betrachtete.

Pastor Johannes Schleuning (1879–1961) veröffentlichte im Heimatbuch der LmDR von 1956 eine Biografie dieser herausragenden Persönlichkeit und wies darin auf Hummels tragischen Tod hin: Während des schweren Bombardements der Stadt Darmstadt in der Nacht vom 11. auf den 12. September 1944 seien Hummel, seine Ehefrau Helene, geb. Kehrer (1871), sowie die beiden Töchter Lilly (geb. 1895) und Helene (geb. 1905) in den Trümmern ums Leben gekommen.[1]

Im Nachlass des Pastors Schleuning wurden nun zwei Briefe von Theodor Hummels Sohn aus den Jahren 1954 und 1955 gefunden. Darin berichtete der Sohn, der ebenfalls Theodor hieß (geb. 1902), über das Schicksal seiner Familie und übersandte dem Pastor zugleich den von seinem Vater selbstverfassten Lebenslauf. Das Dokument enthält darüber hinaus eine vollständige Publikationsliste von Th. Hummel senior. Auch wenn der Beitrag im Heimatbuch größtenteils auf diesen autobiografischen Aufzeichnungen beruht, erscheint es uns wichtig, die bislang unveröffentlichte Original(ab)schrift [2] der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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Die Siedlung Sarepta als Keimzelle des Fortschritts

(Dokument des Monats)

Die ehemalige Herrnhuter Siedlung Sarepta an der Wolga – heute ein Stadtteil von Wolgograd – entwickelte sich nach ihrer Gründung im Jahr 1765 nach und nach zu einer Keimzelle des Fortschritts in dieser ansonsten wenig entwickelten Gegend. Das bezog sich nicht nur auf die Wirtschaft beziehungsweise auf neue landwirtschaftliche und gewerbliche Zweige, etwa die Herstellung des Textilstoffs Sarpinka oder die ersten Senf- und Tabakfabriken in Russland. Auch im wissenschaftlichen Bereich brachte die Kolonie zahlreiche Natur- und Gelehrte hervor, darunter so herausragende Persönlichkeiten wie Joseph Christian Hamel (1788–1862), Mitglied der russ. Akademie der Wissenschaften, und den Entomologen Alexander Becker (1819–1901).

Die restaurierte ev.-luth. Kirche in Sarepta
© Wladimir Kakorin (2021).

Zu diesem Kreis zählte auch eine stattliche Anzahl interessierter Sammler, die viele der in dieser Gegend vorkommenden „Naturbesonderheiten“ entdeckten und später Museen sowie anderen wissenschaftlichen Einrichtungen zur Verfügung stellten. Einer von ihnen war Alexander Knobloch, über den uns leider nur sehr wenige Informationen zur Verfügung stehen. Er war Fabrikant und zugleich ein leidenschaftlicher Fossiliensammler.

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Bizarrer Beschluss über das Erlernen der deutschen Sprache in der wolgadeutschen Republik (1941)

(Dokument des Monats)

… Die Kaderabteilung ist verpflichtet, den Fortschritt des Deutschunterrichts für Parteimitglieder und sowjetische Funktionäre systematisch zu überwachen und künftig zu verhindern, dass der Unterricht ausfällt … [ein Auszug, den ausführlichen Text lese weiter unten]

Aus historischer Perspektive mutet der uns vorliegende Beschluss beinahe surreal an: Ein wolgadeutscher Parteifunktionär fordert im April 1941 Mitarbeiter des Partei- und Sowjetapparats mit Nachdruck auf, die deutsche Sprache zu erlernen. Andernfalls drohen den Verweigerern Abmahnungen und weitere Konsequenzen. Der Beschluss wurde nur wenige Monate vor dem Kriegsausbruch und dem daraus resultierenden berüchtigten Deportationserlass vom 28.08.1941 gefasst, der die gesamte sowjetdeutsche Bevölkerung pauschal zu Kriminellen und quasi zu Staatsfeinden erklärte, sie in der Folge ihrer Muttersprache beraubte sowie ihre Kultur absichtlich und systematisch zerstörte.

Doch in Friedenszeiten hatten die Wolgadeutschen noch zur „brüderlichen Familie der Sowjetvölker“ gehört, und somit bezog sich die vom ZK der WKP(Bolschewiki) am 6. September 1940 verabschiedete Verordnung „Über das Erlernen der Sprache der jeweiligen Unionsrepublik bzw. autonomen Republik durch die Partei- und Staatsbediensteten in den Unions- und autonomen Republiken“ auch auf ihr kleines Staatsgebilde. Diese Verordnung stellte eine von vielen ähnlichen Verfügungen der stalinistischen Führung dar, die letztlich nur den Eindruck erwecken sollte, sie würde die nationalen Interessen aller Völker der UdSSR berücksichtigen.

Diese These wird durch die Erörterungen dieser Angelegenheit in den Sitzungen des Gebietskomitees der WKP(B) in Engels am 13. September und 13. Dezember 1940 sowie am 24. März 1941 deutlich belegt: Wiederholt wurde in den Sitzungen festgestellt, dass die oben erwähnte ZK-Verordnung aus Moskau bisher „in völlig unbefriedigender Weise“ erfüllt worden sei.

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Ein Gesetz, das vor 35 Jahren viele Hoffnungen weckte

(Dokument des Monats)

Vor 35 Jahren, am 26. April 1991, verabschiedete der Kongress der Volksdeputierten der damaligen Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) das Gesetz „Über die Rehabilitierung der repressierten Völker“. Dies geschah mitten in der leider nur kurz andauernden Phase des demokratischen Aufbruchs. Im Zuge der sogenannten Perestroika wurden ernsthafte Bemühungen unternommen, mit der stalinistischen Vergangenheit endgültig zu brechen und den unschuldigen Opfern staatlicher Willkür und Verfolgung Wiedergutmachung zu leisten.

Das Gesetz von 1991, ein Zeitungsausschnitt. Die vollständige Fassung und Übersetzung siehe unten.

Das Gesetz betraf mehrere ethnische Minderheiten, darunter Bürger deutscher, kalmückischer, balkarischer, tschetschenischer, inguschischer, karatschaischer, krimtatarischer, finnischer, koreanischer und türkisch-meschetischer Nationalität, die vornehmlich während des Zweiten Weltkriegs mehrheitlich oder vollständig aus ihren angestammten Siedlungsgebieten deportiert worden waren. Angehörige weiterer Völker erlebten eine partielle Verbannung, darunter Polen, Ukrainer, Esten, Letten, Litauer, Iraner, Griechen, Armenier, Bulgaren und Kurden.

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Verfälschungen in den Rehabilitierungsverfahren der Chruschtschow-Ära

(Dokument des Monats)

Das Schicksal des letzten Pfarrers der St.-Paul-Kirche in Odessa, Karl Vogel (1896–1937), war typisch für die Zeit vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges: Nach dem Abschluss des evangelisch-lutherischen Predigerseminars in Leningrad (1932) diente er eine Zeitlang als Seelsorger in Hoffnungstal und ab 1933 in Odessa. Nach fadenscheinigen Vorwürfen, eine Spionageverbindung zu einem ausländischen Konsulat zu unterhalten und eine organisierte konterrevolutionäre, faschistische Propaganda unter seinen Gemeindemitgliedern zu betreiben, wurde Pastor Vogel am 4. Juli 1937 verhaftet und nur wenige Monate später, am 27. Oktober, erschossen.

Seine archivierte Untersuchungsakte enthält u. a. einige sehr aussagekräftige Dokumente, die anschaulich zeigen, wie das KGB – selbstverständlich mit Billigung der Partei- und Staatsführung – ab Mitte der 1950er-Jahre systematisch die Todesumstände der nach dem Krieg rehabilitierten Personen verfälscht hat. Um das Ausmaß des Terrors vor allem in den 1930er-Jahren zu verschleiern, verfügte eine streng geheime KGB-Direktive vom 24. August 1955 [auf Russisch], dass der Todestag eines zum Erschießen Verurteilten auf ein beliebiges Datum zwischen Beginn der Inhaftierung und den folgenden zehn Jahren festzulegen sei und eine erfundene Todesursache anzugeben sei. Diese falschen Informationen wurden dann weitergegeben, wenn Familienangehörige die Ausstellung einer Sterbeurkunde beantragten. Erst 1963 wurde diese Praxis beendet; die davor erteilten falsifizierten Auskünfte blieben davon unberührt [KGB-Instruktion vom 21. Februar 1963 auf Russisch].

Untenstehend finden Sie eine dokumentarische Zusammenstellung aus der Untersuchungsakte Karl Vogels (siehe das PDF unten nach diesem Beitrag).

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Ein ungewöhnlicher Brief aus Bessarabien von 1848  

(Dokument des Monats)

Den uns vorliegenden Brief verfasste Johann Jakob Koch, ein verdienstvoller Schulmeister aus der deutsch-bessarabischen Siedlung Gnadental (bekannt auch als Gnadenthal), die 1830 von württembergischen Auswanderern gegründet worden war. Er ist der erste von insgesamt 17 Briefen, die Koch an seine einstige Ausbildungsstätte in Lichtenstern, Königreich Württemberg, zwischen 1848 und 1889 geschrieben hat. Das Briefkorpus bildet eine einzigartige Quelle zur Alltagsgeschichte der deutschen Ansiedler in Bessarabien und bezeugt eine jahrzehntelang bestehende Verbindung zwischen dem Ursprungsland Württemberg und den Emigranten in Russland. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die im Schwarzmeergebiet angesiedelten Kolonisten von jenen, die 40 bis 60 Jahre zuvor an die Wolga gekommen waren. Die Wolgadeutschen pflegten anfangs kaum Kontakte zu ihrer alten Heimat, was vor allem an unterschiedlichen Auswanderungs- und Ansiedlungsverläufen lag.

Briefausschnitt. Vollständiger Brief sowie Transkription s. unten.

Das Interessante an dem Brief vom 18. März 1848 ist die Erwähnung einer Geldsumme von 10 Silberrubeln, die die Gnadentaler Gemeinde an die Lichtensterner Anstalt angesichts der Hungersnot in Deutschland (1846/47) spendete. Bekannt ist ferner, dass für diese Bildungsanstalt in der gleichen Zeit eine „Liebesgabe von 317 Rubel“ aus der Kolonie Neuhoffnung eingegangen ist, die von württembergischen Chiliasten in der Nähe von Berdjansk im Jahre 1822 gegründet wurde. Dieser Sachverhalt ist bemerkenswert, weil man sonst üblicherweise, wenn von einer Hungersnot die Rede ist, zuerst an das Russische Reich sowie die Sowjetunion bzw. an die Hilfeleistungen aus Deutschland denkt – etwa für die Wolgadeutschen in den 1920- oder 1930er-Jahren. Dass es in der Vergangenheit auch anders war, ist bislang wenig bekannt.

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Zur Lage der Kirche in der UdSSR Ende 1932: ein zeitgenössisches Dokument

(Dokument des Monats)

Das Dokument des Monats Januar (2026) stammt aus dem Jahr 1932 und befasst sich mit der damaligen Lage der Kirche in der UdSSR – es ist an den Hauptverein der Gustav-Adolf-Stiftung in Deutschland adressiert. Der Verfasser Gustav Birth (1887–1937) zeichnete sich durch fundierte Kenntnisse der Kirchenpolitik des Sowjetstaates und ihrer Auswirkungen auf das Leben der Geistlichen sowie der einfachen Gläubigen aus.

 
Anfang des Berichts (ausführliches Dok. siehe unten) @ Evangelisches Zentralarchiv (EZA), Berlin.

In deutlichen Worten, ungeschminkt, berichtet er von der prekären Lage vor allem der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine, von gewaltsamen Schließungen der Gotteshäuser, vom Verbot jeglicher Kinder-, Frauen- und Jugendarbeit, von staatlichen Repressionen und Einschüchterungen, die dazu führten, dass die offiziell registrierten Gemeinden nur über wenige Dutzend Mitglieder verfügten. Aber auch die Russisch-Orthodoxe Kirche, schreibt der Verfasser weiter, befände sich in einem trostlosen Zustand. Er fragt sich ferner: „Ist die Gottlosigkeit die herrschende Geistigkeit im jetzigen Russland?“ Und beantwortet die Frage selbst wie folgt: „Sie ist es nicht, da das Ganze nur auf staatlichem Druck und Repression beruht. Das Volk ist durchaus religiös, und ein Mann markiert heute nur den Gottlosen, weil er muss.“ (siehe unten das gesamte Dokument als PDF). Sein Blick in die Zukunft ist pessimistisch; er fürchtet, dass „dem Kirchenwesen über kurz oder lang hier ein Ende bereitet“ werden könnte. Interessant sind auch seine Ansichten zur Spaltung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland in den 1920er-Jahren, die im Zusammenhang mit dem Namen des abtrünnigen Pastors Eduard Luft (1890–1938) in die Geschichte eingegangen ist. Neunzehn Gemeinden, vollständig oder nur zum Teil, leisteten ihm Gefolgschaft. Sowjetische Behörden unterstützten solche separatistischen Bewegungen eine Zeitlang, um die organisierte Ev.-Luth. Kirche in der UdSSR zu schwächen.

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Personalkarte eines russlanddeutschen Zwangsarbeiters aus dem Jahr 1942

(Dokument des Monats)

Bekanntlich wurden während des Deutsch-Sowjetischen Krieges in der UdSSR etwa 350.000 Sowjetbürger deutscher Nationalität zur Zwangsarbeit herangezogen. Sie befanden sich daraufhin in Dutzenden Arbeitslagern oder in den eigens dafür geschaffenen „Zonen“, die gezielt einzelnen Industriebetrieben je nach Branche zugeordnet wurden. Alle Arbeitslager standen unter der Verwaltung des NKWD. Das größte Lager dieser Art war Tscheljabmetallurgstroi, das bis August 1942 die Bezeichnung „Bakallag-Bakalmetallurgstroi des NKWD“ trug. Ziel dieses großen Baubetriebs war die Errichtung eines neuen Hüttenkombinats in der Nähe der Uralstadt Tscheljabinsk (zur ausführlichen Geschichte dieses Arbeitslagers und seiner „Bewohner“ siehe den folgenden Aufsatz von Viktor Krieger).

Die Vorderseite der Personalkarte von Gerhard Wolter (c) Viktor Krieger, BKDR.

Unter den 37.086 Zwangsarbeitern dieses Lagers, von denen 85 Prozent Deutsche und der Rest andere zwangsmobilisierte sowjetische Bürgerinnen und Bürger waren – darunter auch welche finnischer, rumänischer, bulgarischer oder ungarischer Herkunft – befand sich ein junger Lehrer namens Gerhard (Grigori) Wolter (1923–1998). Er stammte aus dem Gebiet Schytomyr in der Ukraine und wurde 1941, wie die meisten Sowjetdeutschen, in den Osten bzw. – in seinem Fall – nach Nordkasachstan deportiert. Vielen Landsleuten ist er als Arbeitslager-Chronist bekannt, als jemand, der sein publizistisches und schriftstellerisches Talent für eine gründliche Aufklärung der erbarmungslosen Ausbeutung der deutschen Zwangsarbeiter in den Jahren 1941–1946 einsetzte.

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Herbord Steinwand: ein russlanddeutscher Akademiker im Internierungslager Hammelburg (1947)

(Dokument des Monats)

Der Name sowie die Verdienste des Bibliothekars und Archäologen Herbord (Herbert) Steinwand (1896‒1966) aus Odessa wurden von der ukrainischen Geschichtswissenschaft nach 1991 wieder ans Licht befördert. Vor allem ist dabei seine fundierte und bis heute hochgeschätzte Beschreibung aller periodischen Veröffentlichungen zu nennen, die in Odessa in den Jahren der russischen Revolution 1917 sowie des Bürgerkriegs (1917-1921) erschienen waren.

H. Steinwand als Student in Odessa.

Herbord Steinwand wurde in der Familie des einst hochangesehenen Pastors Daniel Steinwand (1857–1919) geboren, der aus der Kolonie Klöstitz in Bessarabien stammte. Vier Söhne des Pastors erlangten Hochschulabschlüsse, zwei Töchter von ihm heirateten ev.-luth. Pfarrer.

Herbord Steinwand studierte an der Universität und anschließend am Institut für Volksaufklärung in Odessa und schlug ferner eine akademische Laufbahn ein. Einige Jahre war er als Abteilungsleiter an der Universitätsbibliothek und später etliche Jahre als Leiter des Münzkabinetts am Archäologischen Museum Odessa tätig. Während der zunehmenden Verfolgung der deutschen Intellektuellen in der UdSSR wurde er am 28. Dezember 1933 von der GPU verhaftet und am 26. Februar 1934 aufgrund vermeintlicher konterrevolutionärer Tätigkeit zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Lager Uchto-Ischemski, Komi ASSR, wurde er 1938 erneut angeklagt, diesmal wegen konterrevolutionärer Propaganda unter Häftlingen. Im Rahmen der Untersuchungshaft erwiesen sich die Beschuldigungen als unbegründet, und Steinwand wurde schließlich wegen mangelnder Beweise am 31. Oktober 1939 aus der Lagerhaft entlassen.

Zurück in Odessa nahm er die Tätigkeit am archäologischen Museum wieder auf. Allerdings endete seine Spur mit dem Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges; weitere Lebens- und Berufsstationen von ihm blieben lange im Dunkeln. Gelegentlich haben einige Autoren vage darauf hingewiesen, dass Steinwand in der besetzten Stadt blieb – ohne nähere Angaben zu machen, womit er sich dort während der deutschen Besatzung beschäftigte – und 1944 als „Volksdeutscher“ aus Odessa fliehen musste (WIKI-Eintrag auf Ukrainisch).

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