Vortrag am Seminar des Goethe-Instituts
Das Goethe-Institut mit Sitz in München ist die bekannteste und angesehenste Institution für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur weltweit. Eine seiner vielen Aufgaben ist die Sprachunterstützung für die deutschen Minderheiten in den neuen Staaten, die nach dem Zerfall der einstigen UdSSR im Jahr 1991 entstanden sind. Im Rahmen eines Online-Einführungsseminars für Sprachassistenten zur Vorbereitung auf deren Einsatz in Russland, der Ukraine und in Zentralasien hielt unser wissenschaftlicher Mitarbeiter, Dr. Viktor Krieger, am 29. Januar 2026 einen breit angelegten Vortrag.
Dabei handelte es sich um historische und kulturelle Tendenzen unter den deutschen Ansiedlern und ihren Nachkommen seit der Einwanderung nach Russland Ende des 18. Jh. bis heute. Besonders ausführlich ging der Referent auf die soziokulturelle und sprachliche Entwicklung der nationalen Gruppe ab 1941 ein, nach der gewaltsamen Auflösung der traditionellen Siedlungsgebiete in der Ukraine, an der Wolga und anderswo im europäischen Teil der UdSSR. Die totale Deportation, Entrechtung und absichtliche Zerstreuung über Millionen Quadratkilometer in Sibirien, im Ural und in Kasachstan hatte die Liquidierung aller nationalen Kultureinrichtungen, die Vernichtung ihres kulturellen Erbes, eine intellektuelle Rückentwicklung sowie den Verlust der deutschen Muttersprache zur Folge. Aus einer Reihe von präsentierten Bildern und Tabellen haben wir eines dafür ausgewählt.

Angesichts des faktisch vollständigen Verlustes des Nationalidioms und einer umfassenden Akkulturation in die nach wie vor dominierende russische Kultur und Sprache stellt sich indes die Frage, ob die bisherigen Formen der Zusammenarbeit noch sinnvoll seien. Krieger plädierte in diesem Zusammenhang für den Aufbau von zwei- bzw. dreisprachigen Anfangs- und Mittelschulen mit deutscher, russischer und ggf. auch kasachischer/ukrainischer/kirgisischer etc. Unterrichtssprache sowie mit angeschlossenen Internaten und Kulturzentren. Positive Erfahrungen der deutschen Minderheiten mit solchen nationalen Bildungszentren in Ländern wie Ungarn, Rumänien oder Dänemark – obwohl sie dort zahlenmäßig wesentlich kleiner sind als in Russland oder Kasachstan – sprechen für sich.














