Altbewährter Bolschewik Karl Rekst

Dokument des Monats

Die missliche Lage, in der sich die Sowjetbürger deutscher Herkunft ab 1941 befanden, führte in den folgenden Jahren zu verschiedenen, manchmal fast tragikomischen Aktionen der Betroffenen, um sich von dem Makel eines Deutschen – d. h. einer Person mit stark beschnittenen Rechten – zu befreien. Ein Beispiel dafür ist der Fall von Wladimir Koslow, der aufgrund des deutsch klingenden Nachnamens seines lettischen Adoptivvaters, Karl Rekst, in ein Arbeitslager zwangsmobilisiert und nach dem Krieg als Sondersiedler mit all den damit verbundenen Konsequenzen erfasst wurde.

Ausschnitt aus dem Brief von Karl Rekst an Nikita Chruschtschow. Details siehe unten.

Die langjährigen Bemühungen seiner und seines Adoptivvaters um die Anerkennung der russischen Volkszugehörigkeit blieben erfolglos ‒ wer einmal in die Mühlen der stalinistischen NKWD-Behörden geraten war, konnte sich später kaum davon retten, egal wie absurd die Situation auch erscheinen mochte. Erst nach Stalins Tod kam Bewegung in die Sache: Am 8. Februar 1954 stellte ein Offizier des Innenministeriums fest: „Unter Berücksichtigung, dass die nationale Zugehörigkeit von REKST-KOSLOW die einzige Grundlage war, ihn in das Register der Sondersiedler aufzunehmen […], schlage ich vor: Den Sondersiedler Wladimir Aleksandrowitsch Koslow als Person russischer Nationalität aus dem Register für Sondersiedler abzumelden.“

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Statistik des Monats „März 2025“

Nachdem wir im vergangenen Monat das „Zugehörigkeitsgefühl zum Herkunftsland, zu Deutschland, zum eigenen Bundesland und zur eigenen Stadt 2020 (nach Migrationshintergrund)“ vorgestellt haben, möchten wir Ihnen in diesem Monat das „Vertrauen in deutsche Medien und in Medien des Herkunftslandes 2020 (nach Migrationshintergrund)“ näherbringen.

Wenn (postsowjetische) (Spät-)Aussiedler in den vergangenen Jahren Gegenstand öffentlicher Diskurse waren, so ging es häufig um ihren Medienkonsum sowie um die Frage, wie dieser sich auf ihr Verhältnis zu Deutschland auswirkt. Kritisch wird dabei vor allem der (ausschließliche) Konsum von Herkunftsmedien betrachtet. Da Medien neben der Informations­- auch eine identitätsstiftende Funktion haben, wird befürchtet, dass der (ausschließliche) Konsum von Herkunftsmedien die Entwicklung von Parallelgesellschaften befördert (Vogelsang 2018: 28; Suna 2019: 26).

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Spurensuche in Familiengeschichten: „Spezifika der Familienforschung am Beispiel der Kaukasusdeutschen“

Am 29. März 2025 (Samstag) veranstaltet das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) in Kooperation mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR, Ortsgruppe Nürnberg) sowie dem Historischen Forschungsverein der Deutschen aus Osteuropa (HFDO) im Haus der Heimat das zweite praktische Seminar der Reihe „Spurensuche in Familiengeschichten“ zum Thema „Spezifika der Familienforschung am Beispiel der Kaukasusdeutschen“ mit Dr. Ohngemach als Referenten.

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Ein „Dorfphilosoph“ aus Bessarabien

Dokument des Monats

Gottfried Höger
© Bessarabiendeutscher Verein.

Gottfried Höger (1832‒1902) aus Borodino war eine herausragende Persönlichkeit in seiner bessarabischen Heimat. Als Absolvent der renommierten Werner-Schule war er lange Zeit als Küster und Lehrer in Lustdorf und seit 1877 in Schabo (auch Chabag) tätig, einer schweizer-deutschen Siedlung, die etwa 50 km von Odessa entfernt an der Küste des Schwarzen Meeres lag. Dort hatte er mehrere öffentliche Ämter sowie Ehrenämter inne und befasste sich zudem mit dem Weinbau.

In seiner Freizeit betätigte sich Gottfried Höger unter anderem im geistig-kulturellen Bereich; er verfasste Beiträge für das Unterhaltungsblatt für deutsche Ansiedler im südlichen Russland sowie für die Odessaer Zeitung. Durch intensives Selbststudium eignete er sich ein immenses Wissensspektrum an. Es war damals nicht selbstverständlich, sich in der dörflichen Abgeschiedenheit, fern von jeglichen Bildungszentren und Großstädten, intellektuell zu betätigen.

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Akademische Viertelstunde mit Jakob Fischer: „Streiflichter aus der Geschichte des Deutschen Theaters Temirtau/Alma-Ata (Kasachstan)“

Jakob Fischer zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten der russlanddeutschen Gemeinschaft in Deutschland. Für sein Engagement wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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Teilnahme an Seminar in Bad Kissingen

Am Wochenende vom 14. bis zum 16. März 2025 findet im Der Heiligenhof – Alles Leben ist Begegnung in Bad Kissingen das Wochenendseminar zum Thema „Charkiw – Grenzstadt, Hauptstadt, Frontstadt“ statt.

Im Zuge dessen werden unsere beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter Prof. Dr. Olga Litzenberger sowie Dr. Viktor Krieger mit Fachvorträgen aktiv teilnehmen. Litzenberger wird dahingehend „Die Rolle der Religion für die Deutschen aus der Ukraine nach der Deportation (am Beispiel von Interviews mit den Deutschen aus Charkiw)“ erörtern, während Krieger über das Thema „Deutsche Spuren in Charkiw/Charkow in der Zwischenkriegszeit“ referieren wird.

Zum Anmeldeformular sowie den entsprechenden Seminarinformationen gelangen Sie auf der Homepage des Heiligenhofs.

Statistik des Monats „Februar 2025“

Nachdem wir im vergangenen Monat die „Diskriminierung aufgrund der Religion und der Herkunft 2020 (nach Migrationshintergrund)“ präsentiert haben, möchten wir Ihnen in diesem Monat das „Zugehörigkeitsgefühl zum Herkunftsland, zu Deutschland, zum eigenen Bundesland und zur eigenen Stadt 2020 (nach Migrationshintergrund)“ näherbringen.

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Neuer virtueller Rundgang: Jakob Riffel-Museum „Kulturerbe der Wolgadeutschen“ in Gualeguaychú (Argentinien)

Heute möchte das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) Ihnen den mittlerweile 25. virtuellen Rundgang (VR) präsentieren: Jakob Riffel-Museum „Kulturerbe der Wolgadeutschen“ in Gualeguaychú (Argentinien). Zum VR gelangen Sie unter dem nachfolgenden Link:

https://bkdr.de/VRundgang/ar_Gualeguaychu/

Museum, Archiv und Bibliothek befinden sich im nach Jakob Riffel (1893–1958) benannten Versammlungssaal der Vereinigung der Nachkommen der Wolgadeutschen. Der lutherische Pastor war derjenige, der als erster begann, die Geschichte und Ethnologie der Deutschen aus der Region zu dokumentieren. Die feierliche Eröffnung erfolgte am 10. November 2013. Im Jakob-Riffel-Saal gibt es eine beachtliche Anzahl alter Bücher, Zeitungen und anderweitigen Schriften, darunter auch Bibeln, Gesangbücher und Sammlungen von Predigten. Zentrale Bedeutung in der Sammlung haben persönliche Dokumente, Tagebücher, Briefe und Fotografien von Kolonisten. Alle Exponate, darunter auch aus Russland mitgebrachte, sind dem Museum der Nachkommen der Einwanderer überlassen worden.

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„100 Jahre seit der Ausrufung der Wolgadeutschen Sowjetrepublik“

Heute möchten wir Ihnen unseren Videobeitrag zur vergangenen Fachtagung „100 Jahre seit der Ausrufung der Wolgadeutschen Sowjetrepublik“ präsentieren:

Die Fachtagung wurde vom Heiligenhof veranstaltet in produktiver und ergebnisorientierter Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) und stand unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder.

Viel Spaß beim Anschauen!

„Deutsche in Zentralasien: Historischer Abriss und einige Aspekte der Familien- und Biographieforschung“

Unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Viktor Krieger hat heute Abend im Rahmen der Präsentation der LmDR-Wanderausstellung über die Geschichte, Kultur und Integration der Deutschen aus Russland einen Onlinevortrag zum Thema „Deutsche in Zentralasien: Historischer Abriss und einige Aspekte der Familien- und Biographieforschung“ gehalten.

Dabei ging Dr. Krieger im ersten Teil seiner Präsentation nicht nur auf die Geschichte und Kultur, sondern gleichzeitig die zahlreichen Herausforderungen der deutschen Siedler in den zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan sowie Usbekistan ein.

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