Archivbesichtigung und Gespräche über zukünftige Projekte

Am vergangenen Montag befand sich Dr. Viktor Krieger, wissenschaftlicher Mitarbeiter des BKDR, auf einer Dienstreise nach Stuttgart. Auf der Agenda stand zunächst ein Treffen im Haus der Bessarabiendeutschen mit Dr. Hartmut Knopp, Leiter der Historischen Kommission des Bessarabiendeutschen Vereins. Es wurden eingehend Perspektiven einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit besprochen, u.a. vergleichende Untersuchungen zur mittleren und höheren Ausbildung der Siedler-Kolonisten im Zarenreich sowie in der Zwischenkriegszeit. Auch Fragen bzgl. des Materialien- und Publikationsaustausches waren Bestandteil der Gespräche.

Das Archiv der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Stuttgart.

Am Mittag lud Rita Heidebrecht, Bundesgeschäftsführerin der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e. V., zu einem intensiven Gespräch ins Haus der Russlanddeutschen ein. Dabei ging es vorwiegend um eine umfassende Materialsichtung und Auswertung des bislang kaum erschlossenen Archivs der Landsmannschaft mit dem Ziel, gemeinsame Projekte zu entwickeln und durchzuführen. Der Besuch des Magazins war äußerst dienlich, um sich einen ersten Eindruck der aufbewahrten Materialien zu verschaffen und dahingehend Pläne für mögliche Vorhaben zu konzipieren.

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„Das Leben ist zu kurz für langweilige Projekte!“

Prof. Dr. Olga Litzenberger ist mittlerweile seit über drei Jahren in Deutschland. Sie hat einen beachtlichen Werdegang vorzuweisen und ist beim BKDR als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig und sehr glücklich darüber.

Prof. Dr. Olga Litzenberger stammt aus einer russlanddeutschen Familie und wurde in Saratow (Wolgagebiet) geboren. Erst seit September 2017 ist sie in Deutschland. Ihr Leben, ihr Beruf und ihre wissenschaftliche Arbeit waren schon immer sehr eng mit Deutschland und den Russlanddeutschen verbunden. In den 1990er Jahren, als die Deutschen aus Russland massenhaft Russland verließen, war es sowohl für ihre Eltern als auch für sie selbst bereits zum damaligen Zeitpunkt eine Zeit der Hoffnung: „Ich habe vor drei Jahren das Land verlassen, weil die Einschränkungen der Freiheit in den letzten Jahren ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit nicht nur in mir, sondern ebenfalls bei meiner Familie und vielen meiner Freunde ausgelöst haben. Ich möchte, dass meine Kinder in einem freien demokratischen Land leben.

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Internationale wissenschaftliche Konferenz in St. Petersburg

Am 16. und 17. September 2020 veranstaltete die Staatliche Leningrader-Universität in St. Petersburg an der Fakultät für Geschichte und Sozialwissenschaften gemeinsam mit dem Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) im Rahmen einer Kultur- und Bildungskooperation die internationale wissenschaftliche Online-Konferenz „Reformen im Alltag der russischen Bevölkerung: Geschichte und Moderne“. An der Konferenz nahmen Wissenschaftler aus Deutschland, Russland, Kasachstan, Belarus, Estland und der Ukraine teil.

BKDR-Geschäftsleiter Waldemar Eisenbraun sprach in seinem Grußwort unter anderem über die Teilnahme der deutschen Wissenschaftler sowie die gelegten Themenschwerpunkte: „Ich freue mich sehr darüber, dass an dieser Konferenz auch mehrere Wissenschaftler aus Nürnberg, Lüneburg und Berlin teilnehmen. Es ist positiv zu bewerten, dass der Themenkomplex der russlanddeutschen Geschichte einen bedeutenden Teil der inhaltlichen Gestaltung dieser Konferenz ausmacht.“

Nachdem das BKDR bereits Ende Oktober 2019 seine erste internationale wissenschaftliche Konferenz in Nürnberg durchgeführt hatte, war die Freude über die Mitwirkung bei der diesjährigen internationalen Konferenz in St. Petersburg groß. Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Dr. Olga Litzenberger vom BKDR zum Thema „Die Erforschung und Repräsentation der Alltagsgeschichte in Deutschland durch das BKDR am Beispiel der virtuellen Rundgänge.“

Jenseits des Horizonts – eine gelungene Premiere!

Am 29. September 2020 fand auf der Studiobühne der Theaterwissenschaft München die Uraufführung des Theaterstücks „Jenseits des Horizonts“ statt, das durch das BKDR gefördert wurde.

Erzählt wird die Geschichte zweier Brüder aus einer bereits im 18. Jahrhundert in die Ukraine ausgewanderten Familie deutscher Kolonisten. Ausgelöst vom 2. Weltkrieg und den Deportationen der Russlanddeutschen in der Sowjetunion, trennen sich die Wege der beiden Brüder. Bei Kriegsausbruch fordert die Mutter den Söhnen ein Versprechen ab: Egal, welches Glück oder Unglück ihnen im Leben zustoßen mag, sollen sie ihr Briefe schreiben: „Es gibt keine Briefe, die eine Mutter nicht erreichen…“

Wir haben uns sehr gefreut, den 1. Vizepräsidenten des Bayerischen Landtages, Herrn Karl Freller, als unseren Ehrengast begrüßen zu dürfen.

„Dieses Theaterstück verdichtet die ganze Tragik des letzten Jahrhunderts. Das Schicksal einer russlanddeutschen Mutter und ihrer beiden Söhne lässt verstehen, warum sie immer als „die Anderen“ angesehen wurden. Tief beeindruckend in der Darstellung und im Inhalt! Ein Ausrufezeichen gegen Krieg, Hass, Gewalt und Nationalismus in seiner schlimmsten Form.“, so Karl Freller.

Für das BKDR kamen der Vorsitzende Ewald Oster und der Geschäftsleiter Waldemar Eisenbraun nach München.

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Diplom von Konrad Kober

Die Dokumentensammlung des Kulturzentrums ist unlängst um ein aufschlussreiches Zeitdokument aus den 1930er Jahren reicher geworden. Es handelt sich um ein Zeugnis (Diplom) des Deutschen (Agro-)Pädagogischen Instituts (DPI), auch Deutsches Pädinstitut genannt, aus dem Jahr 1932, ausgestellt für Konrad Kober. Diese Hochschule war die erste akademische Bildungseinrichtung in der Autonomen Wolgadeutschen Republik und feierte 1932 ihre ersten Absolventen.

Umschlag des Diploms.
Zweisprachige Innenseite des Diploms.

Über den jungen Akademiker Konrad Kober ist bislang recht wenig bekannt. Er wurde 1908 im Dorf „Schäfer“, zu Sowjetzeiten Kanton Krasnojar, in der Familie des einstigen Dorfältesten Johannes Kober geboren. Nach der Absolvierung des DPI arbeitete er als Lehrer. Zusammen mit seinen vier Brüdern und Schwestern wurde Konrad mit seiner Frau und drei Kindern 1941 nach Sibirien deportiert. Er kam in einem Zwangsarbeitslager während eines Grubenunglücks um.

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Weltkindertag in der Villa Leon Nürnberg

Das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland lud am 20. September zum Weltkindertag in die Villa Leon Nürnberg ein.

Familien aus ganz Bayern besuchten die Veranstaltung des BKDR, um den Kindern zu Ehren einen wundervollen Tag mit der Familie in einem tollen Ambiente in Nürnberg zu verbringen. Auf die coronabedingten 50 TeilnehmerInnen wartete ein sehr umfangreiches Programm, bei dem vor allem die anwesenden Kinder im Mittelpunkt standen.

Jana Zimbelmann aus Erlangen entführte das Auditorium gleich zu Beginn der Veranstaltung in die klassische Welt des Klavierspiels. Jouri Kostew folgte mit seinem musikalischen Puppentheater „Peter und der Wolf“ und sorgte bei den Kindern für strahlende Gesichter. Auch Ewald Lange wusste mit seinen auf dem „Bajan“ gespielten Stücken zu begeistern. Es entwickelte sich eine großartige Stimmung unter den Gästen, darunter ebenfalls der Künstler Anatoli Kalteis aus Schweinfurt. Er fertigte kurzerhand während der Veranstaltung ein Kunstwerk für das BKDR an, um für die schönen Momente in der Villa Leon Nürnberg mithilfe künstlerischer Mittel eine bleibende und ausdrucksstarke Erinnerung zu erschaffen.

Nach der Pause sollten die aktiven Kinder und Jugendlichen das Zepter in die Hand nehmen und mit kulturellen Beiträgen verschiedenster Art ihre Altersgenossen nicht nur unterhalten, sondern teilweise auch zum Nachdenken anregen. Ein Trio aus Mittelfranken, bestehend aus der Weißenburgerin Lena Schreiber sowie dem Geschwisterpaar Urban, begeisterte das Publikum mit einer sportakrobatischen Einlage auf höchstem Niveau. Die drei jungen Damen zeigten eine atemberaubende Show und ernteten einen verdienten und lautstarken Applaus. Margarita Schäfer und Adele Ngweigwe aus Ansbach trugen zudem zwei echte Hits vor: Mit „99 Luftballons“ und „Mein Nachbar“ zogen die zwei jungen Gesangstalente aus russlanddeutschem Hause die Hörerschaft zügig auf ihre Seite. Außerdem begrüßte das BKDR nun schon zum zweiten Mal das Schweinfurter Duo „Regenbogen“. Mit sehr emotionalen expressionistischen Tänzen wurde unter anderem das Leid der russlanddeutschen Frauen zu Zeiten der Deportation zum Ausdruck gebracht und auf eine ganz besondere Art und Weise den Zuschauern übermittelt.

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BKDR-Orchester in Kaufbeuren

Vergangenen Sonntag war das BKDR-Orchester mit seinem Programm „Musik im Herzen…“ zu Gast im Stadtsaal Kaufbeuren.

Etwa 50 TeilnehmerInnen waren gekommen, um sich vom kreierten Klangbild des Orchesters in die Welt der klassischen Musik entführen zu lassen. Unter Beachtung der gebotenen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen wurden zahlreiche Stücke wie beispielsweise „Böhmischer Traum“ (Musik: N. Gälle, Arr.: S. Rundel), „Fuchsgraben-Polka“ (Musik: Karel Vacek, Arr.: G. Weinkopf), „Abschied der Slavin“ (Musik: W. Agapkin, Arr.: G. Baumann), „Wild Cat-Blues“ (Musik: Th. Waller/C. Williams, Arr.: V. Kabec) und „Wunderland bei Nacht“ (Musik: Klaus-Günter Neumann, Arr.: J. Treves) gespielt.

Unter den Gästen war ebenfalls der Oberbürgermeister Kaufbeurens, Stefan Bosse, der vom Konzert des BKDR-Orchesters sichtlich angetan war und den kulturellen Abend genießen konnte. Am Bayerischen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation, der seit 2014 jedes Jahr am zweiten Sonntag im September begangen wird, machte er auf die Thematik der Deutschen aus Russland aufmerksam und zeigte sich freudig, dass es mittlerweile ein entsprechendes Kulturzentrum gibt: „Das Schicksal der Deutschen aus Russland stand nie wirklich im Mittelpunkt […]. Ich freue mich sehr, dass es dieses Zentrum jetzt in Nürnberg gibt […]. Die Kultur verbindet uns über die Grenzen hinweg und ich komme sehr gerne zu den Veranstaltungen, die von den Russlanddeutschen vor Ort regelmäßig durchgeführt werden. Das […] bewegt mich immer sehr.“

Anbei einige Impressionen des Konzertes.

Deportationserlass vom 28. August 1941

Dr. Krieger während seines Vortrags im BKDR am 28. August 2020 anlässlich zum Tag der Russlanddeutschen.

Das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland sowie die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland legten am 28. August 2020 gemeinsam einen Kranz am zentralen Denkmal „Flucht und Vertreibung“ in Nürnberg nieder. Auf den Tag genau vor 79 Jahren veröffentlichte die Sowjetregierung den Erlass „Über die Übersiedlung der Deutschen, die in den Wolgarayons wohnen“, in dem die Deutschen der Sowjetunion pauschal beschuldigt worden waren, Feinde des Volkes und Spione zu sein. Es folgten Vertreibungen und Deportation.

Nach dem Gedenkakt am zentralen Denkmal „Flucht und Vertreibung“ in Nürnberg hielt Dr. Viktor Krieger einen Vortrag zum Thema „Deportationserlass vom 28. August 1941“ im BKDR ab. Diesen möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:

Fortbildung und Vernetzung

Die Mitarbeiter des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland waren heute auf Initiative der Geschäftsleitung, Waldemar Eisenbraun, im Rahmen einer Fortbildung im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen.

Wolfgang Freyberg, Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen, führte die Belegschaft des BKDR durch die Räumlichkeiten und brachte den wissbegierigen Zuhörern die Geschichte und Kultur der Ostpreußen näher. Darüber hinaus gab er einen tiefen Einblick in die Arbeitsweise des Kulturzentrums und stand stets für Fragen zur Verfügung. Für den konstruktiven und wissenswerten Tag sowie die Gastfreundlichkeit bedankt sich das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland bei Herrn Freyberg und seinen Mitarbeitern.

Erste Nachkriegszeitung für die Deutschen in der UdSSR

Eingang zur Redaktion der Zeitung „Arbeit“.
© Leo Malinowski

Das Jahr 1955 brachte für die deutsche Minderheit in der UdSSR nicht nur die Befreiung vom obsoleten und erniedrigenden Kommandanturregime, sondern ebenfalls die erste Zeitung in ihrer Muttersprache, die, wenn auch ideologisch verbrämt und lückenhaft, nichtsdestotrotz über ihr Leben berichtete und sogar einige ihrer Anliegen artikulierte. Die Rede ist von der „Arbeit“. Sie wurde im sibirischen Barnaul vom 10. Dezember 1955 bis zum 27. April 1957 herausgegeben.

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Erste Ergebnisse des Dorpat-Projekts liegen vor


Eines der vielen wissenschaftlichen Vorhaben, die unser Kulturzentrum in Angriff genommen hat, ist die Aufarbeitung der Problematik von Bildungstraditionen und der geistig-intellektuellen Entwicklungen der Russlanddeutschen als einer ursprünglich überwiegend bäuerlich und handwerklich geprägten Minderheit. Im Rahmen dieses langfristig angelegten Projektes werden zunächst Anfänge der akademischen Bildung der betroffenen Gruppe am Beispiel der Universität Dorpat (heute Tartu, Estland) bis 1918 untersucht. In Kooperation mit dem Estnischen Nationalarchiv ist es uns gelungen, eine Reihe einschlägiger Dokumente zu diesem Thema zu sichten und zu kopieren. Nun liegen die ersten Ergebnisse der Auswertung und der umfangreichen Recherchen vor. Siehe den Link:

Universität Dorpat und deutsche Siedler im Zarenreich, in: Volk auf dem Weg (Stuttgart) 07/2020, S. 22-24.

Zum ersten Mal wird in der populärwissenschaftlichen bzw. wissenschaftlichen Literatur anhand von relevanten Archivquellen die Geschichte der einzigen deutschen studentischen Verbindung im Russischen Reich rekonstruiert, deren Mitglieder aus den Reihen der „Siedler-Kolonisten“ stammten. Es handelt sich um die Korporation „Teutonia“, die an der Universität Dorpat in den Jahren 1908-1918 (mit Unterbrechung während des 1. Weltkrieges) bestand.

Zugleich wird das Verzeichnis der deutschen Siedler-Kolonisten, die an der Universität Dorpat 1802-1918 studiert haben, in der Zeitschrift „Volk auf dem Weg“ laufend ergänzt bzw. die Rubrik wird fortgesetzt. Siehe den Link:

Teutonia Dorpat, die einzige Korporation von Studenten kolonistischer Herkunft im Russischen Reich, in: VadW 8-9/2020, S. 47-49.

Im Oktober 2020 erschien in der Zeitschrift „Volk auf dem Weg“ die dritte Folge des Projektberichts über die ersten russlanddeutschen Akademiker im Zarenreich. Es handelt sich dabei einmal um einen zeitgenössischen Bericht aus dem Jahr 1913, in dem auf die Wichtigkeit des Erwerbs der höheren bzw. akademischen Bildung für die weitere Entwicklung der deutschen Siedlergemeinschaft hingewiesen wird, und darüber hinaus sind weitere acht Biographien der bislang kaum bekannten ehemaligen Studierenden der Universität Dorpat veröffentlicht. Details s. den Link:

Dr. Viktor Krieger, Die neue Kolonistenkorporation in Dorpat, in: VadW Nr. 10/2020, S. 39-41.

In der November-Ausgabe (2020) der Zeitschrift „Volk auf dem Weg“ erschien die vierte Folge des langfristig angelegten Forschungsprojekts zu den ersten russlanddeutschen Akademikern aus dem bäuerlichen Milieu. Neben der kurzen Darstellung von einzelnen Studierenden der Universität Dorpat ist auch ein Zeitdokument aus dem Jahr 1919 veröffentlicht – eine Selbstauskunft des angehenden Pastors Jakob Eichhorn, die seine Motivation und geistige Veranlagung für den eingeschlagenen akademischen Weg exemplarisch veranschaulicht. Wenn Sie Berichtigungsvorschläge oder zusätzliche Informationen zu den veröffentlichten Lebensläufen haben, dann bitten wir Sie, sich an unseren wiss. Mitarbeiter Dr. Viktor Krieger per Brief, E-Mail oder Telefon zu wenden: V.Krieger[at]bkdr.de (die Anschrift s. unter dem Punkt „Kontakt“). Details s. den Link:

Dr. Viktor Krieger, Bildungsweg des Pastors Jakob Eichhorn, in: VadW, Nr. 11/2020, S. 25-27.

In der Dezember-Ausgabe (2020) der Zeitschrift „Volk auf dem Weg“ erschien die „Folge 5“ des Dorpat-Projekts. Es handelt sich hierbei um bedeutende Persönlichkeiten aus den Reihen der Wolga- und Schwarzmeerdeutschen, die sichtbare „Spuren“ nicht ausschließlich in der Geschichte der deutschen Minderheit in Russland hinterlassen hatten, ihr Engagement war auch gesamtgesellschaftlich betrachtet von großer Bedeutung, wie z. B. das von Friedrich Falz-Fein, dem Begründer des weltberühmten Naturreservats „Askania Nova“ oder Jakob Flemmer, dem Privat-Dozenten an der Neurussischen Universität in Odessa. Darüber hinaus geht es in dem Bericht um solche Persönlichkeiten wie Dr.-Ing. Hugo Eugen Erdmann oder Pastor Johannes Erbes: sie beide hatten die Geschicke ihrer Landsleute in Bessarabien bzw. an der Wolga nachhaltig geprägt. S. den Link:

Dr. Viktor Krieger (Folge 5), Verzeichnis der deutschen Siedler-Kolonisten, die an der Universität Dorpat studiert haben, in: VadW, Nr. 12/2020, S. 41-42.

Alle weiteren Beiträge zu diesem Thema finden Sie in der Rubrik „Erste russlanddeutsche Akademiker“

„Friesennot“ und „Film der Wahrheit“

Die Bibliothek des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland beherbergt einen schmalen Band aus der Inselbücherei mit der Erzählung von Werner Kortwich: Friesennot, 1938,Taschenbuchformat, vergrößerte Schrift, 78 Seiten. Die erste Ausgabe erschien 1933 mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren. Es folgten weitere Ausgaben, sodass bis 1938 insgesamt mindestens 75.000 Einzelstücke gedruckt wurden.

Worum geht es in diesem Werk? Es geht um das im Dritten Reich geradezu obsessiv verfolgte Thema des „Auslandsdeutschtums“, genauer gesagt um das Schicksal der Deutschen in der bolschewistischen Sowjetunion. Es wird am Beispiel eines friesisch-mennonitischen Dorfes irgendwo „inmitten der dichtesten Wälder und Sümpfe westlich der Wolga“ (sic!) dargelegt.

Der Inhalt der Erzählung bildet eine krude Mischung aus erfundenen Lebensumständen und propagandistischen Klischees über die Leiden der „Friesen“ unter dem bolschewistischen Regime, die mit einigen überzeichneten, aber im Kern doch realen Gegebenheiten vermengt werden. Einen Eindruck der künstlerischen und historischen Qualität der Erzählung gewinnt man bereits anhand einer Leseprobe:

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Einladung und Programm der ersten Nachkriegskonferenz zu den Deutschen in der UdSSR, Juni 1989

Bis Mitte der 1980er Jahre gab es in der UdSSR kaum Publikationen, die sich mit der Geschichte und Kultur der „sowjetischen Bürger deutscher Nationalität“ befassten. Hierzu gab es weder Forschungsinstitute, Bibliotheken, Archive, Dokumentationsstätten und Museen noch historische Vereine jeglicher Art. Wer auch nur versuchte, auf diesen eklatanten Missstand zu verweisen und eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Problematik zu fordern, musste mit harten Konsequenzen bis hin zur strafrechtlichen Verfolgung rechnen. Stellvertretend dafür steht das Schicksal einer Gruppe von deutschen Intellektuellen aus Nowosibirsk, die 1982 in dieser Angelegenheit einen Appell an sowjetische Wissenschaftler richtete. Erst die begonnene Demokratisierung der sowjetischen Gesellschaft im Zuge von Glasnost und Perestroika hat auch in diesem Bereich ein Umdenken ausgelöst. Allerdings dauerte es noch einige Jahre, bis das Thema „Deutsche in Russland bzw. in der UdSSR“ ein gleichberechtigter Teil des öffentlichen Diskurses geworden war.

Beim BKDR werden interessante Zeugnisse zu den Anfängen der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der nationalen Geschichte aufbewahrt. Es handelt sich um das Programmheft und die Einladung zur ersten offiziell zugelassenen Konferenz zur innerdeutschen Thematik seit 1941. Die Tagung „Die Deutschen in der Bruderfamilie der Sowjetvölker“ fand nach dem beinahe 50-jährigen öffentlichen Schweigen vom 16.-17. Juni 1989 in Alma-Ata, der damaligen Hauptstadt der Republik Kasachstan, statt. Die Einladung sowie das Programm sind in drei Sprachen gedruckt: Kasachisch, Russisch und Deutsch.

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David Schmidt – seine wichtigsten Publikationen

Ein weiteres Anliegen des Kulturzentrums besteht darin, seine zahlreichen, bislang kaum bekannten Schriften, die verstreut in schwer auffindbaren Zeitschriften und Zeitungen der 1920er – Anfang der 1930er Jahre veröffentlicht wurden, einem möglichst breitem Publikum zugänglich zu machen. Nachfolgend eine Liste der bereits digitalisierten Publikationen; weitere Veröffentlichungen werden folgen.

Monographie:

  • Studien über die Geschichte der Wolgadeutschen. Erster Teil. Seit der Einwanderung bis zum imperialistischen Weltkriege. Pokrowsk, Moskau, Charkow 1930, 386 S., online unter:
    https://bibliothek.rusdeutsch.eu/catalog/167

Zeitschriftenbeiträge:

  • Die Wolgadeutschen im Zuge des historischen Fortschrittes, in: Das Neue Russland (Berlin), Nr. 7‒8/1924, с. 13‒14, online unter:
    https://www.arthistoricum.net/werkansicht/dlf/182055/15/0/
  • Unsere Studenten am deutschen Sektor der kommunistischen Universität der Westvölker zu Moskau, in: Unsere Wirtschaft (Pokrowsk), 4/1925, Nr. 14, с. 426‒427:
  • Aus der Geschichte der Wolgadeutschen, in: Das Neue Russland (Berlin), Sonderheft 1-2/1926, S. 3‒4, online unter:
    https://www.arthistoricum.net/werkansicht/dlf/182061/5/0/
  • Das Pressewesen der Wolgadeutschen, in: ebenda, S. 15-18, online unter:
    https://www.arthistoricum.net/werkansicht/dlf/182061/17/0/
  • Die Wolgadeutschen im Brasilianischen Staate Parana. Festschrift zum Fünfzig- Jahr-Jubiläum ihrer Einwanderung. Stuttgart 1927, in: Wolgadeutsches Schulblatt (Pokrowsk), 2 (1928), Nr. 1, S. 53‒58 [Eine Schilderung der Auswanderung der Wolgadeutschen nach Südamerika und die Rezension der oben genannten Festschrift]:
  • Das Grundbesitzrecht in den Wolgakolonien laut Erlass vom 19. März 1764 und seine weitere Entwicklung, in: Wolgadeutsches Schulblatt, 2 (1928), Nr. 7, S. 727‒734; Nr. 8, S. 823‒880:

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Der erste professionelle Historiker unter den Wolgadeutschen

Das BKDR besitzt ein aufschlussreiches Zeugnis über den ersten professionellen Historiker aus der Mitte der Wolgadeutschen, David Schmidt (1897–1938), dem Autor des fundamentalen Werkes „Studien über die Geschichte der Wolgadeutschen“.

Es handelt sich um Erinnerungen seiner Tochter, Swetlana Schmidt (1933 – 2019), die sie 2010 niedergeschrieben hat. Zum ersten Mal erfährt man Näheres über viele Stationen des Bildungs- und Berufslebens des Historikers und Journalisten, die bislang unbekannt waren. Des Weiteren sind mehrere zuvor unbekannte Fotos von David Schmidt zu sehen – bisher wusste man nicht einmal, wie er aussah.

Gleichzeitig liefern die Erinnerungen interessante Einblicke in den Lebensweg seiner Ehefrau Eugenia, geb. Albrandt (1899-1984), einer für die damalige Zeit fortschrittlichen und emanzipierten Frau, die ebenfalls aus dem traditionellen Siedlermilieu stammte, jedoch einen beeindruckenden Bildungsweg vorweist: sie absolvierte 1918 das 5. Saratower Mädchengymnasium und studierte bis 1924 an der Rechtsfakultät der Saratower Universität. Bis zur Deportation 1941 war sie als Juristin tätig.

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Reiseerlaubnis für eine/n Sondersiedler/in

(Dokument des Monats April)

Das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland bewahrt eine interessante Dokumentensammlung der Familie Lutz-Gerstenberger auf, die uns Arwed Lutz aus der Stadt Almaty in Kasachstan überreicht hat. Neben seltenen zeitgenössischen Fotos und Dokumenten, die demnächst im Dokumentationsarchiv des BKDR erfasst werden, befindet sich in der Sammlung ein Originalschein der Abteilung für Sondersiedlungen des Ministeriums für Innere Angelegenheiten MWD. Zehn Jahre nach dem Krieg lebten die Einwohner der Nachfolgestaaten des besiegten Dritten Reiches, der BRD und der DDR, längst in der bürgerlichen Normalität. Die DDR-Deutschen durften sogar zur Aufnahme eines Studiums und bereits zu Touristenzwecken in die UdSSR reisten. Dagegen befanden sich die unbeteiligten „Sowjetbürger deutscher Nationalität“ noch immer im Ausnahmezustand und standen als Personen minderen Rechts unter Kontrolle der Sonderkommandanturen des Innenministeriums. Ihnen wurde bis 1955 verboten, sich im eigenen Land zu bewegen. Sie waren an Orte der Pflichtansiedlung fest gebunden und durften diese nicht ohne behördliche Genehmigung verlassen (siehe unten die Originalgenehmigung auf Russisch und die deutsche Übersetzung).

(c) BKDR

Übersetzung (gelb markiert sind die handschriftlichen Eintragungen im Vordruck)

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Dokument des Monats März 2020

Am 26. Dezember 1980 eröffnete in der Stadt Temirtau, Gebiet Karaganda/Kasachstan, das einzige seit 1941 professionelle deutsche Theater in der UdSSR seine erste Spielzeit. Für die nach wie vor unter diversen Diskriminierungen leidende deutsche Bevölkerung, die damals mit zwei Millionen wesentlich mehr Menschen als einige europäische Staaten zählte, war dieses kulturelle Ereignis von größter Relevanz. In den darauffolgenden etwas mehr als zehn Jahren seines Bestehens hat das Nationaltheater mit seinem Schauspielensemble entscheidende Impulse für die politische Mobilisierung der Sowjetdeutschen und für die Wiederbelebung ihrer Sprache und Kultur gesetzt.

(c) BKDR

Dank der großzügigen Schenkung von Rose Steinmark, der einstigen Chefdramaturgin des Deutschen Theaters in Kasachstan, verfügt das Dokumentationsarchiv des BKDR über eine wahre Rarität: Es ist das einzigartige Werbeplakat zu ihrer Abschlussarbeit bzw. ihrem „Diplom-Schauspiel“, das die Studenten des deutschen Studios an der Schtschepkin-Theaterschule vor 40 Jahren, am 1. Juni 1980, auf der Bühne des Staatlichen Akademischen Maly Theater der UdSSR in Moskau vorgestellt hatten.

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BKDR beim „Forum Soziale Stadtentwicklung“ und Workshop „Geisteswissenschaft und Archive“

Dr. Viktor Krieger hat im vergangenen Monat in Bamberg am „Forum Soziale Stadtentwicklung“ des Verbandes bayerischer Wohnungsunternehmen e. V. (VdW Bayern) teilgenommen. Dabei hielt er im Rahmen der Veranstaltung einen Vortrag zum Thema: „Vom russischen Kolonisten zum Bundesbürger – Hauptstationen der russlanddeutschen Geschichte und ihre Auswirkungen auf das Selbstverständnis der Siedler und ihrer Nachkommen.“
In dem Vortrag wurde ersichtlich, welche Erfahrungen die deutsche Minderheit im Umgang mit staatlichen Institutionen und gleichzeitig verschieden Völkern seit der Auswanderung in das damalige Russische Reich gemacht hat. Genau diese historischen Erlebnisse und Kenntnisse wurden vor den Spiegel der heutigen Gesellschaft in Deutschland gehalten und es wurde veranschaulicht, inwiefern und auf welche Art und Weise das Leben der Deutschen aus Russland dadurch noch bis heute geprägt wird.

Bamberg. Dr. Krieger beim „Forum Soziale Stadtentwicklung“.
Foto: VdW Bayern / Klaus D. Wolf.

Darüber hinaus nahmen unsere wissenschaftlichen Mitarbeiter, Prof. Dr. Olga Litzenberger und Dr. Viktor Krieger, im Rahmen eines Weiterbildungsprogramms am Workshop „Geisteswissenschaft und Archive“ teil. Der Workshop wurde dabei vom Hessischen Landesarchiv organisiert und in den Räumlichkeiten des Staatsarchivs Darmstadt durchgeführt. An der Tagesordnung standen mehrere Vorträge von Wissenschaftlern, Bibliothekaren und Archivaren, die zum einen interessante Einblicke in die modernen Forschungsmethoden und Quellenarbeit boten und zum anderen die Potentiale von regionalen Archiven und ihren Digitalisierungsstrategien darlegten.

Treffen im BKDR mit Prof. Dr. Julia Obertreis aus Erlangen

V. l. n. r.: Julia Obertreis, Viktor Krieger und Olga Litzenberger.

Erst kürzlich fand in den Räumlichkeiten des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland ein Treffen mit Frau Prof. Dr. Julia Obertreis statt, die den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der Universität Erlangen-Nürnberg leitet. Am Gespräch nahmen Dr. Viktor Krieger und Prof. Dr. Olga Litzenberger, beide wissenschaftliche Mitarbeiter des Kulturzentrums, teil.

Im Laufe des zweistündigen Gedankenaustausches wurde ein grundsätzliches Interesse an der Zusammenarbeit beider Institutionen wie etwa bei studentischen Praktika oder an studiengangsunabhängigen Lehrveranstaltungen bekundet. Gleichzeitig kam die Idee eines gemeinsamen Zeitzeugenprojekts auf, das vom Alltagsleben der Deutschen in Zentralasien handelt.

„Motorrad mit kaputtem Auspuff“

Am 15. Februar 2020 waren der russlanddeutsche Komödiant Vladimir Andrienko und die Tanzgruppe „Surprise“ von der Tanzschule Franz Hof zu Gast beim BKDR in der Sandstraße 20A in Nürnberg.

Vladimir Andrienko, im Alter von 27 Jahren nach Deutschland gekommen und studierter Sozialarbeiter aus Düsseldorf, reiste mit seinem Programm „Motorrad mit kaputtem Auspuff“ zum Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland nach Nürnberg.
Der in Kasachstan geborene Komödiant brachte die Zuschauer gekonnt zum Lachen. Zurückgreifen konnte er dabei auf seine jahrelange Erfahrung aus der Zeit an der Universität Astana im berühmten studentischen KWN-Club (Klub der Lustigen und Schlagfertigen). Doch nicht nur das. Er regte die Leute mit den teils gesellschaftskritischen Witzen mitten aus dem Leben eines Deutschen aus Russland zum Nachdenken an. Er nahm Bezug zu denjenigen Leuten, auf die man im Laufe seines Lebens immer wieder aufs Neue trifft und einem vermitteln möchten, dass man „nicht das Richtige tue“ und „mit dieser Sache doch sowieso nichts erreichen werde.“ – alles auf lustige Art und Weise mit russlanddeutschen Bezügen verpackt.
Die Quintessenz bestand darin, dass man zu jedem Zeitpunkt genau das tun soll, was einem Spaß macht. Man darf sich nicht von seinem Weg abbringen lassen und dürfe nie den Glauben an sich selbst verlieren, denn mit „harter Arbeit und einem klaren Fokus sei viel möglich.“, so Andrienko.
Sowohl vor dem Auftritt als auch kurz nach der Zwischenpause heizte die Tanzgruppe „Surprise“ mit russlanddeutschen Tänzen in ansehnlichen Outfits ordentlich ein rundete einen gelungenen Abend vollends ab.

In unserer Galerie finden Sie einige Eindrücke der Veranstaltung.

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