Die Siedlung Sarepta als Keimzelle des Fortschritts

(Dokument des Monats)

Die ehemalige Herrnhuter Siedlung Sarepta an der Wolga – heute ein Stadtteil von Wolgograd – entwickelte sich nach ihrer Gründung im Jahr 1765 nach und nach zu einer Keimzelle des Fortschritts in dieser ansonsten wenig entwickelten Gegend. Das bezog sich nicht nur auf die Wirtschaft beziehungsweise auf neue landwirtschaftliche und gewerbliche Zweige, etwa die Herstellung des Textilstoffs Sarpinka oder die ersten Senf- und Tabakfabriken in Russland. Auch im wissenschaftlichen Bereich brachte die Kolonie zahlreiche Natur- und Gelehrte hervor, darunter so herausragende Persönlichkeiten wie Joseph Christian Hamel (1788–1862), Mitglied der russ. Akademie der Wissenschaften, und den Entomologen Alexander Becker (1819–1901).

Die restaurierte ev.-luth. Kirche in Sarepta
© Wladimir Kakorin (2021).

Zu diesem Kreis zählte auch eine stattliche Anzahl interessierter Sammler, die viele der in dieser Gegend vorkommenden „Naturbesonderheiten“ entdeckten und später Museen sowie anderen wissenschaftlichen Einrichtungen zur Verfügung stellten. Einer von ihnen war Alexander Knobloch, über den uns leider nur sehr wenige Informationen zur Verfügung stehen. Er war Fabrikant und zugleich ein leidenschaftlicher Fossiliensammler.

In der Nähe der Ortschaft Lutschka, etwa 15 Kilometer von Sarepta entfernt, wurde ein fossiler Schädel samt Unterkiefer eines riesigen Urzeitkamels gefunden. A. Knobloch erkannte den wissenschaftlichen Wert dieses Schädels, kaufte ihn und überließ schließlich das Fundstück im Jahr 1880 dem Zoologischen Museum der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. Ihm zu Ehren erhielt diese Kamelart den Namen Camelus knoblochi.

Nachfolgend finden Sie einen Auszug aus der ersten wissenschaftlichen Beschreibung dieser neuen Kamelart, die der damals bekannte Berliner Zoologe und Paläontologe Prof. Dr. Alfred Nehring (1845–1904) verfasst hat: