Dr. Aivar Jürgenson aus Estland zu Gast in Nürnberg

Am 13. November 2025 empfing das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) den estnischen Historiker und Ethnologen Dr. Aivar Jürgenson, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Estnischen Nationalmuseum. Bei einem Arbeitsgespräch mit Dr. Olga Litzenberger und Dr. Viktor Krieger wurden aktuelle Forschungsfragen erörtert.

Auf dem Foto sehen Sie v. l. n. r.: Aivar Jürgenson, Olga Litzenberger und Viktor Krieger.

Jürgenson hat Werke russlanddeutscher Schriftsteller ins Estnische übersetzt und damit deren Bekanntheit in Estland gestärkt. Das Estnische Nationalmuseum verfügt über umfangreiche Dokumente, Fotografien und Feldmaterialien zur Geschichte der Russlanddeutschen, die das BKDR regelmäßig nutzt. Im Gespräch wurden zudem Perspektiven für eine intensivere Zusammenarbeit im Quellen- und Materialaustausch sowie in der gemeinsamen wissenschaftlichen Nutzung dieser Bestände besprochen.

Ein zentrales Forschungsinteresse Jürgensons gilt den Beziehungen zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen, insbesondere zwischen Esten und Russlanddeutschen. Seine Dissertation behandelte die Esten in Sibirien, weitere Projekte die estnischen Siedlungen in Argentinien und Abchasien. Große Aufmerksamkeit fand auch das neue Buch von Olga Litzenberger über die Deutschen in Abchasien, das eng an Jürgensons Arbeiten anknüpft: Viele estnische Siedlungen im Kaukasus, in Sibirien und an der Wolga gehörten historisch zu denselben evangelischen Kirchspielen wie die russlanddeutschen Siedlungen. Diese konfessionellen und kulturellen Verbindungen bieten ein fruchtbares Feld für vergleichende Studien, weshalb dies ebenfalls thematisiert wurde.

Der Besuch unterstrich die Bedeutung des internationalen wissenschaftlichen Austauschs und diente zur Vertiefung der fachlichen Kontakte sowie zur Stärkung der internationalen Zusammenarbeit.