„Eine Zeitreise – auf den Spuren unserer Vorfahren im Südkaukasus“

mit Familienforscherin und Buchautorin Rita Laubhan

Am 18.04.2026 fand im Haus der Heimat Nürnberg das mittlerweile achte genealogische Seminar der Seminarreihe zur Genealogie der Russlanddeutschen statt.

Veranstalter des gut besuchten Seminars waren das Kulturzentrum BKDR, der Historische Forschungsverein der Deutschen aus Osteuropa (HFDO) mit Prof. Dr. Olga Litzenberger sowie die Ortsgruppe Nürnberg der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR) mit Kulturreferentin Dorothea Walter.

Als Referentin trat die Familienforscherin und Buchautorin Rita Laubhan (Ludwigsburg) auf. In ihrem Buch „Alexandersdorf – ein schwäbisches Dorf im Kaukasus“ (Cardamina Verlag, ersch. 2017, 358 Seiten, 2. überarb. Auflage 2020, 358 Seiten, ISBN 978-3-86424-512-1) hat sie das nicht mehr existierende Dorf rekonstruiert, wo vier Generationen ihrer Vorfahren väterlicherseits geboren sind. Außerdem hat sie Familienchroniken für 45 Familien in den ersten 100 Jahren ab 1817 sowie einen Dorfplan erstellt.

Auch in ihren weiteren Publikationen beschäftigt sich Laubhan mit verschiedenen Aspekten der Geschichte der Kaukasusdeutschen.

Dazu gehören unter anderem folgende Veröffentlichungen:

• „Übersicht der deutschen Siedlungen (Kolonien) im Südkaukasus (Transkaukasien) 1817–1941“ (Heimatbuch 2017, LmDR);
• „Deutsche im Südkaukasus. Chronologie der Auswanderung aus Württemberg vor 200 Jahren, die Entstehung der Kolonien im Südkaukasus und das Leben der deutschen Kolonisten anhand von Dokumenten, Literaturquellen und Fotografien“ (Heimatbuch 2021, LmDR);
• „Vereint im Geist der Brüderlichkeit – wie fromme Pietisten aus Württemberg eine Heimat im Südkaukasus fanden“ (Heimatbuch 2025, LmDR).

Ehrenamtlich hat sie bei Ausstellungen und Veranstaltungen in Deutschland und Georgien mitgewirkt.

Und so hat die passionierte Familienforscherin nicht nur die knapp 30 aktiven Teilnehmer direkt vor Ort, sondern auch etwa 30 Interessierte, die sich online eingeschaltet hatten (sogar aus Georgien und England), auf eine virtuelle Zeitreise in die Vergangenheit mitgenommen.

Anhand einer aufschlussreichen Präsentation mit zahlreichen historischen Bildern und einer spannenden Erzählung zeigte sie verschiedene Pfade auf der Suche nach den Vorfahren auf. Auf dieser Reise wurde immer wieder ein Zwischenstopp gemacht, um zu verdeutlichen, wo man Quellen finden kann, um die eigenen Stammbäume zu vervollständigen. Stets im Blick waren die jeweiligen geschichtlichen Entwicklungen und die eigenen Erfahrungen aus mehr als zwei Jahrzehnten.

Die Zeitreise begann 1817 mit der Auswanderung aus Württemberg und dem Leben im Südkaukasus, wurde mit der Deportation nach Kasachstan 1941 und der Zwangsarbeit in der sogenannten „Trudarmee“ fortgesetzt. Mit der Rückwanderung nach Deutschland, der Integration vieler, gerade in Württemberg, und der Suche in den hiesigen Archiven schloss sich der Kreis.

Die genealogische Forschung brauche viel Leidenschaft, Zeit und Geduld, um an das Ziel zu kommen, aber der Weg lohne sich, betonte die Referentin aus eigener Erfahrung.

Als Ziele des Seminars legte Laubhan folgende Schritte und Abschnitte, die letztendlich zur Rekonstruktion des eigenen Stammbaums führen sollten, fest:

• Einordnung einer Quelle in den historischen Kontext
• Eigene Familiengeschichte rekonstruieren
• Ahnentafel (Vorfahren) und Stammbaum (Nachkommen)
• Altdeutsche Sprache verstehen
• Übersicht der deutschen Siedlungen im Südkaukasus
• Wieso einige Herkunftsorte bei Karl Stumpp nicht richtig angegeben sind und was das bedeutet
• Wie die genealogische Darstellungsform im Buch „Alexandersdorf“ ist
• Quellen richtig interpretieren / woher Fehlinterpretationen kommen

Der Vortrag beinhaltete folgende Schwerpunkte:

  1. Auswanderung aus Württemberg (1816–1817): Ulm – Ismail – Odessa – Tiflis;
  2. Zwangsumsiedlung / Deportation (1941): Baku – Kasachstan – Trudarmee;
  3. Rückwanderung nach Deutschland: Sowjetunion/Kasachstan – Deutschland;
  4. Familiengeschichte rekonstruieren: Fotos, Urkunden, Überlieferungen;
  5. Quellen: Archive, Online-Datenbanken, Bücher/Publikationen;
  6. Alexandersdorf: Vergangenheit entdecken und dokumentieren;
  7. Beispiele: Interpretationen / Fehlinterpretationen.

Anhand einer aufschlussreichen PowerPoint mit kommentierendem Begleittext konnte die Referentin jeden themenbezogenen Abschnitt eindrucksvoll und zugänglich darlegen und die Teilnehmer für die Inhalte, die reichlich mit Bildern belegt waren, begeistern.

Besonderen Wert legte Laubhan auf folgende Aspekte und inhaltliche Schwerpunkte:

• Zur besseren Orientierung bei der Suche nach eigenen Vorfahren wurden die Quellen im historischen Kontext anschaulich mit Bildern und Fotos präsentiert.
• Mit Quellen aus Primärliteratur und Kirchenchroniken wurden die detaillierte Organisation und der Verlauf der letzten organisierten Massenauswanderung der Deutschen nach Russland, und zwar 1817 aus Württemberg in den Kaukasus, aufgezeigt.
• Es wurden unterschiedliche Register aus Tiflis gezeigt: Register, die schwäbische Kolonisten auflisteten, und Register, in denen Deutsche eingetragen waren, die auf andere Weise nach Tiflis kamen (z. B. zum Arbeiten).
• Die mehrfache Umbenennung der Kolonien im Südkaukasus (im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen im Russischen Zarenreich und in der Sowjetunion) wurde anhand von Dokumenten und Zeitungsberichten im historischen Kontext erklärt.
• Bei der Übersicht von Archiven und Datenbanken wurde anschaulich verdeutlicht, was und wo man in jedem Archiv, jeder Datenbank und allgemein im Internet finden kann.
• Insbesondere wurde die Bedeutung der Familienregister in den jeweiligen Kirchenarchiven betont, wo man auf einen Schlag Informationen über einige Generationen finden kann: Damit hat man den Schlüssel für „die Tür in die Vergangenheit“.
• An konkreten Beispielen wurden Fehlinterpretationen erklärt, die letztendlich zur Verschiebung der Akzente und zur Verfälschung der Geschichte führen können.

Zum Schluss fasste Laubhan nochmals alle Quellen (Württemberg, Georgien, Deutschland), die für Familienforscher relevant sein könnten, zusammen:

Archive in Württemberg, Georgien und Aserbaidschan; Auswanderungslisten; Akten über die Auswanderung der Württemberger nach Russland; Einträge in der Familienbibel; Urkunden wie Taufschein, Konfirmationsschein, Sterbeurkunde, Rehabilitationsurkunde und Schulzeugnisse; Familienregister, Taufregister, Eheregister, Sterberegister; Zeitungen – Artikel/Werbung/Nachrufe/Heiratsgebote; Mikrofilme der Mormonen; Bücher/Publikationen; Monatsschrift „VadW“ (Glückwünsche zum Jubiläum/Nachruf). Auch vielfältige Online-Möglichkeiten blieben nicht unerwähnt.

Insgesamt ist Rita Laubhan eine bereichernde Präsentation mit zahlreichen praktischen Tipps, die motivieren, gelungen. Davon zeugen auch zahlreiche positive Rückmeldungen nach dem Seminar.

Abschließend zur Person:
Rita Laubhan wurde in Kasachstan geboren. Beruflich ist sie als Fachärztin für Laboratoriumsmedizin in Ludwigsburg tätig. Die letzten 20 Jahre beschäftigte sie sich in ihrer Freizeit mit Familienforschung und der Geschichte der Kaukasusdeutschen, besonders intensiv mit der Auswanderung aus Württemberg in den Kaukasus.

Text: BKDR und LmDR.