Gedenkakt zum Tag der Russlanddeutschen im Kulturzentrum BKDR

+++ Erinnerung an Deportation und Verfolgung – Fachvortrag sowie Gedenkschrift und studentisches Fotoprojekt vorgestellt. +++

Nürnberg, 28. August 2026. Anlässlich des Tages der Russlanddeutschen veranstaltete das Kulturzentrum BKDR am 28. August 2026 einen Gedenkakt. Die Veranstaltung erinnerte an das Schicksal der Deutschen in der Sowjetunion und setzte zugleich ein Zeichen für eine lebendige und generationenübergreifende Erinnerungskultur.

Der 28. August besitzt für die Russlanddeutschen eine besondere historische Bedeutung. Am 28. August 1941 wurde der Erlass über die Zwangsumsiedlung der Deutschen aus der Wolgaregion veröffentlicht. Er leitete die Deportation hunderttausender Sowjetdeutscher ein und steht bis heute symbolisch für Entrechtung, Zwangsumsiedlung, Verfolgung und jahrzehntelange Diskriminierung.

Der Gedenkakt begann mit einer musikalischen Eröffnung. Stanimir Bugar (Eventmanagement Kulturzentrums BKDR) begrüßte die anwesenden Gäste und führte in die Veranstaltung ein.

Rudi Walter (stellv. Vorsitzender des BKDR-Trägervereins) hob in seinem Grußwort hervor, dass vor genau 85 Jahren für hunderttausende Deutsche in der Sowjetunion ein Leidensweg begann, der als sogenanntes „Kriegsfolgenschicksal“ bis heute in vielen Familien nachhallt. Deshalb sei das Gedenken an die Deportation der Russlanddeutschen nicht nur Erinnerung, sondern zugleich auch Mahnung.

Karl Freller (ehemaliger Vizepräsident des Bayerischen Landtages) unterstrich die Bedeutung solcher Gedenkveranstaltungen und machte deutlich, dass die Fortführung der Erinnerungsarbeit sowie weitere Bildungsangebote in diesem Themenfeld unabdingbar seien. Ein geeigneter Ort dafür werde auch der geplante Neubau des Kulturzentrums sein, für den die Bayerische Staatsregierung weiterhin ihre volle Unterstützung leiste.

Dr. Petra Loibl (Mitglied des Bayerischen Landtages und Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene) ließ in ihrem Grußwort verlesen, dass die Russlanddeutschen Deportation, Entrechtung und jahrzehntelange Diskriminierung erlitten hätten, ihr Schicksal in Deutschland jedoch lange weitgehend unbeachtet geblieben sei. Deshalb müsse ihre Geschichte heute umso stärker vermittelt und im öffentlichen Bewusstsein verankert werden.

Verena Osgyan (Mitglied des Bayerischen Landtages und stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen) betonte, dass sich die Russlanddeutschen für Freiheit und Demokratie entschieden hätten. Minderheitenschutz bedeute zugleich immer auch Schutz der Demokratie und eine klare Haltung gegenüber totalitären Systemen.

Manuel Depperschmidt (Mitglied des Bundesvorstandes der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, LmDR) unterstrich ebenfalls die Bedeutung des Erinnerns. Gerade für die zweite und die nachfolgenden Generationen in Deutschland sei es wichtig, die Geschichte der eigenen Familien zu kennen und weiterzugeben. Zugleich verwies er auf die Möglichkeiten, die den Russlanddeutschen in Deutschland eröffnet wurden, und brachte dafür seine Dankbarkeit zum Ausdruck.

Im Mittelpunkt des inhaltlichen Programms stand ein Fachvortrag von Dr. Viktor Krieger, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kulturzentrums BKDR. Darüber hinaus wurde die Gedenkschrift „Entwurzelt – Entrechtet – Enteignet“ präsentiert, die in Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR) entstanden ist und sich mit dem historischen Schicksal der Russlanddeutschen und den Folgen staatlicher Repression auseinandersetzt.

Einen besonderen Akzent setzte zudem die Präsentation des studentischen Fotoprojekts „Stille“ durch Zlata Wittmann. Das Projekt näherte sich dem Thema Erinnerung aus einer künstlerischen und generationenübergreifenden Perspektive und machte die Nachwirkungen von Verfolgung, Verlust und erzwungenem Schweigen sichtbar.

Die Anwesenden konnten die Arbeiten im Anschluss vor Ort im Kulturzentrum BKDR besichtigen.

Musikalisch begleitet wurde der Gedenkakt von Viktor Schmidt. Im Anschluss an das offizielle Programm kamen die Gäste bei einem Stehempfang mit Imbiss miteinander ins Gespräch und nutzten die Gelegenheit zum weiteren Austausch.