„Im Zeichen einer neuen Ordnung“ von Victor Dönningshaus erschienen

Der Kommunistische Jugendverband (Komsomol) und die Russlanddeutschen (1918-1930)

1918 gründete die Kommunistische Partei Russlands (RKP(b)) einen Kommunistischen Jugendverband, auch Komsomol genannt. Die Bolschewiki verfolgten dabei zwei Ziele: Sie wollten den politischen Klassenkampf auch in den jungen Generationen festigen und die Jugend für ihre Zwecke gewinnen.

Diese Monografie untersucht die Tätigkeit des Kommunistischen Jugendverbands (Komsomol) unter deutschen Jugendlichen in der Sowjetunion. Im Mittelpunkt steht die Frage, in welchem Maße sich russlanddeutsche Jugendliche politisieren und durch den Komsomol ideologisch beeinflussen ließen. Analysiert werden zudem die Formen der Leitung und Kontrolle nichtrussischer kommunistischer Jugendorganisationen durch Moskau sowie die Mechanismen, mit denen eine politisch gewollte Abgrenzung der Jugendlichen nach Merkmalen des Klassenkampfes in die Praxis umgesetzt wurde. Der kommunistische Jugendverband trug entscheidend zur Zerstörung der traditionellen patriarchalischen Ordnung in den nationalen Dörfern bei und beteiligte sich an der antireligiösen und internationalistischen Propaganda und Agitation. Aus genau diesem Milieu der jugendlichen Kommunisten kamen später die Führungskader aller Ebenen für die Arbeit in den Partei- und Sowjetorganen. Eine der zentralen Fragen der Studie lautet, welche anderen Mittel außer Disziplinierung und Unterdrückung den Bolschewiki zur Verfügung standen, um ihren „neuen Menschen“ zu erziehen und die junge Generation in „sozialistische“ Arbeits- und Lebensformen einzubinden.

Der Autor: Geboren 1964. Promotion 1993 an der Staatlichen Universität Dnepropetrowsk (Ukraine) mit einer Arbeit zur Nationalitätenpolitik auf der Krim (1921–1925); Habilitation 2006 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg über die stalinis­tische Nationalitätenpolitik und die Diaspora-Minderheiten (1917–1938). Seit 2006 Privatdozent, seit 2009 außerplanmäßiger Professor für Osteuropäische Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Wissenschaftliche Tätigkeiten u. a. am Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, an den Universitäten Konstanz und Freiburg sowie beim Staatsminister Gernot Erler, MdB. 2009/10 kommissarischer Direktor, anschließend bis 2013 stellver­tretender Direktor des Deutschen Historischen Instituts Moskau. Seit 2013 wis­senschaftlicher Mitarbeiter am Nordost-Institut (IKGN e. V.), von 2014 bis 2026 stellvertretender Direktor. Forschungsschwerpunkte: Russische und sowjetische Geschichte (19.–20. Jh.), Nationalitätenpolitik, Minderheiten- und Konfliktgeschichte, Biografiefor­schung (u. a. Leonid Breschnew), Deutsche in Russland und der Sowjetunion. Publikationen (Auswahl): Unter dem wachsamen Auge des Staates: Religiöser Dis­sens der Russlanddeutschen in der Breschnew-Ära, Wiesbaden 2019 (mit Andrej Savin); Minderheiten in Bedrängnis: Die sowjetische Politik gegenüber Deutschen, Polen und anderen Diaspora-Nationalitäten 1917–1938, München 2009; Revolu­tion, Reform und Krieg: Die Deutschen an der Wolga im ausgehenden Zarenreich, Essen 2002; Die Deutschen in der Moskauer Gesellschaft: Symbiose und Konflikte (1494–1941), München 2002.

Victor Dönninghaus, „Im Zeichen einer neuen Ordnung“, ISBN ‎978-3-948589-707, Fester Einband, 248 S. Preis: 22,- Euro, Art.-Nr. 9707. Bestellungen via eMail: kontakt@bkdr.de oder telefonisch unter: 0911.89219599.