Literatursalon im HDO München: Elli Unruh und Max Schatz im Gespräch über Erinnerung, Herkunft und Gegenwart

München. Beim Literatursalon im Haus des Deutschen Ostens (HDO) in München lasen gestern, Dienstag, 7. Juli 2026, die Autorin Elli Unruh und der Autor Max Schatz aus ihren aktuellen Büchern. Moderiert wurde der Abend von Artur Rosenstern und Patricia Erkenberg. Die Veranstaltung war als Forum für neuere russlanddeutsche Literatur angekündigt und stellte zwei 2025 erschienene Bücher in den Mittelpunkt: Unruhs viel beachteten Roman „Fische im Trüben“, der im März 2026 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde, sowie Schatz’ Erzählband „Sonnen und Kometen“.

Lesung mit Max Schatz und Elli Unruh (c) HDO.

Das Format „Literatursalon“, welches vom Kulturzentrum BKDR in Nürnberg und dem Literaturkreis der Deutschen aus Russland (LITO) initiiert wurde, will insbesondere jüngeren Autorinnen und Autoren die Möglichkeit geben, ihre Neuerscheinungen vorzustellen und mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Austragungsort war das Haus des Deutschen Ostens am Lilienberg in München, eine Einrichtung des Freistaats Bayern mit einem Schwerpunkt auf Geschichte und Kultur der Deutschen in und aus Ostmittel- und Südosteuropa.

Elli Unruh las aus ihrem Debütroman „Fische im Trüben“, der 2025 im Transit Verlag erschien. Der Roman erzählt von einer deutsch-mennonitischen Familie in der Sowjetunion beziehungsweise im südlichen Kasachstan bis in die späten 1980er-Jahre. Die bisher erschienenen Rezensionen betonen die atmosphärische Dichte des Buches, die Darstellung des Alltags in der ländlichen Gegend in Kasachstan sowie die sprachliche Eigenart hervor, in der auch Elemente des Plautdietsch eine wichtige Rolle spielen. Unruh wurde 1987 in Kasachstan geboren, wuchs in Deutschland auf und lebt heute in Stuttgart. Max Schatz stellte seinen Erzählband „Sonnen und Kometen“ vor, der ebenfalls 2025 erschien. Der Band versammelt Geschichten über Menschen mit russlanddeutschem Hintergrund und greift Fragen von Zugehörigkeit, Erinnerung und den Nachwirkungen historischer Umbrüche auf. Schatz veröffentlichte zuvor unter anderem den deutschsprachigen Lyrikband „Nihilschwimmer“ sowie weitere Arbeiten in deutscher und russischer Sprache.

Inhaltlich verband der Abend damit zwei unterschiedliche, sich jedoch ergänzende literarische Zugänge: Während Elli Unruh historische Erfahrung, Familiengeschichte und Landschaft in ruhiger, verdichteter Prosa entfaltet, richtet Max Schatz den Blick in kürzeren erzählerischen Formen auf biografische Brüche und Identitätsfragen der russlanddeutschen Gegenwart.  


Mit der Lesung setzte das HDO gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern Kulturzentrum BKDR und LITO ein Zeichen für die Sichtbarkeit junger russlanddeutscher  Autorinnen und Autoren in Deutschland. Das anschließende Podiumsgespräch zeigte, wie wichtig es ist, gerade in der heutigen Krisenzeit, die neuen Stimmen dieser Literatur zu unterstützen, damit sie weiterhin zwischen Geschichte, Migrationserfahrung und Gegenwart vermitteln und dabei ein breiteres Publikum ansprechen können.

Wir danken dem Haus des Deutschen Ostens für die gelungene Kooperation und die Einladung unserer Autorinnen und Autoren nach München!