Symposium in Nürnberg erinnert an die Deportation der Deutschen nach Kasachstan vor 85 Jahren

Nürnberg, 21. Juli 2026 – Anlässlich des 85. Jahrestages der Deportation veranstaltete das Kulturzentrum BKDR gemeinsam mit der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ) in Nürnberg das Symposium „Kasachstan im Schicksal der Deutschen: Zwangsumsiedlung und Alltag“.

Die Veranstaltung widmete sich den historischen Hintergründen der Deportation, den Lebensbedingungen in den Sondersiedlungen sowie den langfristigen Folgen für die deutsche Bevölkerung Kasachstans.

Nach den Grußworten von Waldemar Eisenbraun, Geschäftsleiter des Kulturzentrums BKDR, und Robert Gerlitz, Direktor der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ) in Almaty, eröffnete Olesja Klimenko, Chefredakteurin der DAZ, die Reihe der Fachvorträge. Direkt per Zoom aus Kasachstan zugeschaltet, beleuchtete sie in ihrem Beitrag „Die Deportation der Deutschen in Kasachstan im Spiegel der Deutschen Allgemeinen Zeitung: Erinnerung, Forschung und Medienarbeit“ die Bedeutung der Zeitung für die Bewahrung und Vermittlung historischer Erinnerungen. Dabei wurde deutlich, welchen bedeutsamen Beitrag auch hiesige Medien zur Dokumentation persönlicher Schicksale und zur öffentlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte leisten können.

Prof. Dr. Olga Litzenberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin des BKDR, widmete sich dem Thema „Schule und Kindheit der deutschen Sondersiedler in Kasachstan (1940er–1960er Jahre): Dokumente der Staatsarchive und Oral History“. Auf Grundlage von Archivdokumenten und mündlich überlieferten Erinnerungen zeichnete sie ein eindrückliches Bild vom Alltag der Kinder und Jugendlichen in den Sondersiedlungen. Es wurde ersichtlich, wie stark staatliche Einschränkungen, schwierige Lebensbedingungen und der Verlust vertrauter Strukturen das Heranwachsen einer ganzen Generation prägten.

Dr. Julia Podoprigora, Doktorandin vom Institut für Geschichte, Archäologie und Ethnologie der Akademie der Wissenschaften der Republik Kasachstan in Astana, hielt einen fundierten Vortrag über „Das Regime der Sondersiedlungen als Faktor ethnodemografischer und ethnokultureller Transformationen der deutschen Bevölkerung Kasachstans“. Sie zeigte auf, wie Zwangsumsiedlung, staatliche Kontrolle und räumliche Isolation nicht nur die Bevölkerungsstruktur, sondern auch Sprache, Kultur und gesellschaftliche Identität der Deutschen in Kasachstan veränderten.

Im Anschluss sprach Dr. Viktor Krieger, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kulturzentrums BKDR, über „Die Deportation der Deutschen nach und in Kasachstan: Ursachen, Verlauf und Folgen“. Sein Beitrag ordnete die Deportation in die politischen und historischen Zusammenhänge der sowjetischen Nationalitäten- und Repressionspolitik ein. Zugleich machte er deutlich, dass die Folgen der Zwangsumsiedlung weit über die unmittelbare Nachkriegszeit hinausreichten und bis heute im kollektiven Gedächtnis zahlreicher Familien nachwirken.

Prof. Dr. Arailym S. Musagalijewa und Prof. Dr. Rosa M. Musabekowa von der L.-N.-Gumiljow-Eurasischen Nationaluniversität in Astana referierten gemeinsam über „Die Deutschen Nordkasachstans im Spiegel von Archivquellen: Alltag und Überlebensstrategien unter den Bedingungen der Sondersiedlungen“. Anhand historischer Quellen veranschaulichten sie, mit welchen Strategien die Betroffenen den schwierigen Alltag bewältigten und trotz staatlicher Repression Möglichkeiten des Überlebens und der Selbstbehauptung fanden.

Über die „Zwangsarbeit deportierter Deutscher beim Kanalbau in Sowjetkasachstan (1940er–1950er Jahre)“ referierte Ramazan Abildos, stellvertretender Leiter des Zentrums für Zukunftsstudien des Zentralen Staatsarchivs der Republik Kasachstan (ZGA RK) und Doktorand am Lehrstuhl für Geschichte Kasachstans der Al-Farabi-Kasachischen Nationaluniversität in Almaty. Sein Vortrag rückte ein bislang wenig bekanntes Kapitel der Zwangsarbeit in den Mittelpunkt und zeigte, unter welchen entbehrungsreichen und zum Teil lebensgefährlichen Bedingungen die deportierten Deutschen beim Aufbau sowjetischer Infrastruktur eingesetzt wurden.

Im Anschluss an die Vorträge folgten eine lebhafte Diskussion und ein moderiertes Podium. Die unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven, Archivquellen und persönlichen Überlieferungen ermöglichten eine vielschichtige Betrachtung der Deportation und ihrer Folgen. Zudem bot das Symposium Raum für Fragen, neue Forschungsansätze und den grenzüberschreitenden Austausch zwischen Fachleuten aus Deutschland und Kasachstan.

Mit der Veranstaltung leisteten das BKDR und die DAZ einen wichtigen Beitrag zur historischen Aufarbeitung sowie Bewahrung der Erinnerung an die Schicksale der deportierten Deutschen. Die gemeinsame wissenschaftliche Auseinandersetzung für das Verständnis der Vergangenheit und für die Weitergabe dieses Wissens an kommende Generationen ist unerlässlich.

Nachstehend einige weitere Eindrücke des gelungenen Symposiums.