Gedenkakt anlässlich 80 Jahre Deportation der Russlanddeutschen in der Sowjetunion

Im Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) fand heute (coronabedingt mit behördlich begrenzter Teilnehmerzahl) ein Gedenkakt zu Ehren der unzähligen russlanddeutschen Opfer von Deportation und Zwangsarbeit statt.

V. l. n. r.: Hörst Göbbel, Viktor Krieger, Ewald Oster, Sabrina Frank, Natalie Keller, Michael Frieser, Werner Henning, Rudi Walter.

Unter den hochkarätigen Gästen fanden sich neben Ewald Oster (Vorstandsvorsitzender des BKDR und der LmDR Bayern) sowie Rudi Walter (stellv. Vorstandsvorsitzender des BKDR und stellv. Landesvorsitzender der LmDR) unter anderem Michael Frieser (Mitglied des Deutschen Bundestages, CSU), Natalie Keller (Mitglied der Stadtratsfraktion Nürnberg, Bündnis 90/Die Grünen), Werner Henning (Mitglied der Stadtratsfraktion Nürnberg, CSU), Horst Göbbel (Vorsitzender des HdH) sowie Nina Paulsen (Journalistin und Redakteurin, „Volk auf dem Weg“) wieder.

Dr. Krieger, wissenschaftlicher Mitarbeiter des BKDR, hielt einen Fachvortrag über den Erlass des Obersten Sowjets vom 28. August 1941. Dieser Erlass – auf den Tag genau vor 80 Jahren – sollte den Auftakt zu einer umfassenden Repressionswelle darstellen. Was folgte, war unermessliches Leid. Das Kriegsfolgenschicksal hat noch heute gravierende Auswirkungen auf die Deutschen aus Russland.

Für die musikalische Begleitung am E-Piano sorgte Veronika Wittmer.

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BKDR beim „Tag der Heimat“ des Bundes der Vertriebenen in Berlin

Am 28. August 2021 fand im Humboldt-Saal der Urania Berlin die Auftaktveranstaltung zum diesjährigen „Tag der Heimat“ des Bundes der Vertriebenen statt. Das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) nahm aktiv daran teil und war mit einem eigenen Info- und Bücherstand in der Berliner Urania vertreten.

Die Veranstaltung stand unter dem Leitwort: „Vertreibungen und Deportation ächten – Völkerverständigung fördern“. Sie wurde durch BdV-Präsidenten Dr. Bernd Fabritius (MdB) mit einer Ansprache eröffnet. Darauf folgte die Festrede des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder sowie eine Gedenkrede des Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge.

Nach der Veranstaltung fand die traditionelle Kranzniederlegung am zentralen Mahnmal der deutschen Heimatvertriebenen, der Ewigen Flamme auf dem Theodor-Heuss-Platz in Berlin, statt. Anbei einige Impressionen. Auf dem YouTube-Kanal des BdV können Sie sich die Veranstaltung gerne nochmals ansehen unter:

BdV – Tag der Heimat 2021
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Rauminstallation „Im Fluss der Zeit“

„Was ist meine Heimat?“ – Diese Frage scheint durch das Gewebe der russlanddeutschen Geschichte, mit ihren vielen Schicksalen und Biografien. Der Heimatbegriff war, ist und bleibt weiterhin aktuell, weil wir darüber diskutieren, nachdenken und danach suchen. So bleibt „Heimat“ unser ständiger Begleiter im Fluss der Zeit.

Teil der Modellansicht der BKDR-Rauminstallation.

„Im Fluss der Zeit“ ist eine Rauminstallation, die als begehbares interaktives Kunstobjekt konzipiert ist und neue Perspektiven auf die Kultur und Geschichte der Deutschen aus Russland öffnet. Sie bietet dem Betrachter die Möglichkeit, in die Geschichte dieser Schicksalsgemeinschaft einzutauchen, zu fühlen und sich in das historische Geschehen hineinzuversetzen. Dieses besondere Erlebnis wird durch gestalterische Akzente und multimediale Komponenten unterstützt.

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Michael Frieser (MdB) beim BKDR

Michael Frieser, Mitglied des Deutschen Bundestages, besuchte am vergangenen Freitag das BKDR und informierte sich aus erster Hand über die vielfältige Arbeit des Kulturzentrums. Er betonte den Leuchtturm-Charakter unserer Einrichtung, die bundesweit einmalig ist. Frieser bestätigte auch die zunehmende Sichtbarkeit der Deutschen aus Russland in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Eine positive Entwicklung, die ihn persönlich sehr freue.

Michael Frieser (links), Mitglied des Deutschen Bundestages, mit dem Kulturzentrumsleiter Waldemar Eisenbraun.

Prof. Dr. Bernd Fabritius beim BKDR

Heute war Prof. Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, beim Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) zu Gast.

Neben der Aufzeichnung eines Vortrages im Rahmen des BKDR-Medienprojektes „Akademische Viertelstunde“ stand ein Gespräch bzgl. der Digitalisierungsmöglichkeiten sowie des erleichterten Zugangs zu Archiven in Russland und anderen Nachfolgestaaten der UdSSR an der Tagesordnung, um umfassende Recherchen zu Persönlichkeiten und Ereignissen der russlanddeutschen Geschichte zu ermöglichen.

Prof. Dr. Bernd Fabritius (Mitte), Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, beim Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR).

Stadtführung des BKDR in Nürnberg

Die Coronazahlen sind bundesweit rückläufig, wodurch die Hoffnung auf Präsenzveranstaltungen kultureller Art immer größer wird. Aus genau diesem Grund möchten wir auf die vom BKDR konzipierte Stadtführung „Russlanddeutsche Spuren in Nürnberg“ aufmerksam machen. Unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin, Prof. Dr. Olga Litzenberger, hat unter anderem aufgrund monatelanger Archivarbeit Zusammenhänge erschlossen, welche die russlanddeutsche Geschichte in Nürnberg spürbar werden lassen.

Welche Spuren haben die Russlanddeutschen in der Geschichte Nürnbergs hinterlassen und wann sind die ersten Deutschen aus Nürnberg nach Russland gegangen? Wie bedeutend war Nürnberg für die Auswanderung der deutschen Kolonisten und welche Rolle spielten der religiöse Glaube sowie die Kirchen für die Deutschen aus Russland hierbei?

Unter Vorbehalt, sofern die geltenden Corona-Verordnungen eine Durchführung dieser Exkursion erlauben, möchten wir Ihnen drei voraussichtliche Termine (Änderungen vorbehalten) anbieten:

Freitag, 30. Juli 2021 um 17 Uhr
Freitag, 27. August 2021 um 17 Uhr
Freitag, 24. September 2021 um 17 Uhr

Darüber hinaus können für Gruppenanfragen individuelle Termine vereinbart werden!

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Gespräche mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland

Am 15.12.2020 fand über die Grenzen hinweg eine ausführliche Videokonferenz zwischen dem Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland (ELKR) statt.

BKDR-Leiter Waldemar Eisenbraun sowie die wissenschaftliche Mitarbeiterin Prof. Dr. Olga Litzenberger führten fruchtbare Gespräche mit Dietrich Brauer (Erzbischof der ELKR), Andrei Dzhamgarov (Propst des Wolgagebietes in Saratow) und Viktor Weber (Pastor der evang.-luth. Kathedrale St. Peter und Paul in Moskau) über eine weitere Zusammenarbeit und Perspektiven für gemeinsame Aktivitäten.

Der erste professionelle Historiker unter den Wolgadeutschen

Das BKDR besitzt ein aufschlussreiches Zeugnis über den ersten professionellen Historiker aus der Mitte der Wolgadeutschen, David Schmidt (1897–1938), dem Autor des fundamentalen Werkes „Studien über die Geschichte der Wolgadeutschen“.

Es handelt sich um Erinnerungen seiner Tochter, Swetlana Schmidt (1933 – 2019), die sie 2010 niedergeschrieben hat. Zum ersten Mal erfährt man Näheres über viele Stationen des Bildungs- und Berufslebens des Historikers und Journalisten, die bislang unbekannt waren. Des Weiteren sind mehrere zuvor unbekannte Fotos von David Schmidt zu sehen – bisher wusste man nicht einmal, wie er aussah.

Gleichzeitig liefern die Erinnerungen interessante Einblicke in den Lebensweg seiner Ehefrau Eugenia, geb. Albrandt (1899-1984), einer für die damalige Zeit fortschrittlichen und emanzipierten Frau, die ebenfalls aus dem traditionellen Siedlermilieu stammte, jedoch einen beeindruckenden Bildungsweg vorweist: sie absolvierte 1918 das 5. Saratower Mädchengymnasium und studierte bis 1924 an der Rechtsfakultät der Saratower Universität. Bis zur Deportation 1941 war sie als Juristin tätig.

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„Es passiert mir immer wieder und das seit etwa 13 Jahren“

Vladimir Andrienko ist ein russlanddeutscher Komödiant und sprach im Interview mit dem BKDR über die Wahrnehmung seiner Person in der Gesellschaft und die Sozialisierung in Deutschland.

Vladimir Andrienko ist am 23.12.1979 im Dorf Izobilny in der Region Zelinograd – im Norden Kasachstans – geboren. In Astana hat er an der dortigen Hochschule Geschichte studiert. Nach seiner Ankunft in Deutschland absolvierte er an der Hochschule Düsseldorf das Studium der Sozialen Arbeit bzw. Sozialpädagogik. Genau in diesem Bereich ist der Komödiant auch heute noch hauptberuflich tätig. Im Alter von 22 Jahren ist er als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen und entstammt sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits einer russlanddeutschen Familie.
Mit Comedy begann er bereits im Schulalter in Form von Nachstellungen kleinerer Sketche aus dem TV. Auf jahrelange Erfahrung aus der Zeit an der Universität Astana im berühmten studentischen KWN-Club (Klub der Lustigen und Schlagfertigen) kann er ebenfalls zurückgreifen. Später legte er den Fokus ausschließlich auf Duo-Comedy – bis hierhin alles nur auf Russisch. Ende 2014 hat er dann mit Stand-up-Comedy auf Deutsch angefangen. Seit nun schon fast 17 Jahren lebt er in Deutschland.

S.B.: Werden Sie häufig für einen Russen gehalten? Wie reagieren Sie dann und nehmen Sie es den Leuten übel?

V.A.: Ja, ich werde fast immer für einen Russen gehalten und als eben dieser benannt. Das liegt an meinem Akzent. Für andere Personen wird direkt ersichtlich, dass ich nicht in Deutschland geboren bin. Das ist auch nicht weiter schlimm – es ist ein Fakt. In Deutschland wird das Leben von Kategorisierungen in allen Bereichen geprägt. Alle versuchen so schnell wie nur möglich etwas Neues immer irgendwo einzuordnen. Damit wird vieles auf persönlicher Ebene erleichtert. So erkläre ich mir das. Es passiert mir immer wieder und das seit etwa 13 Jahren. Anfangs habe ich etwas genervt darauf reagiert, aber mittlerweile stört es mich überhaupt nicht mehr und ich nehme es mit Humor. 

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Treffen im BKDR mit Prof. Dr. Julia Obertreis aus Erlangen

V. l. n. r.: Julia Obertreis, Viktor Krieger und Olga Litzenberger.

Erst kürzlich fand in den Räumlichkeiten des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland ein Treffen mit Frau Prof. Dr. Julia Obertreis statt, die den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der Universität Erlangen-Nürnberg leitet. Am Gespräch nahmen Dr. Viktor Krieger und Prof. Dr. Olga Litzenberger, beide wissenschaftliche Mitarbeiter des Kulturzentrums, teil.

Im Laufe des zweistündigen Gedankenaustausches wurde ein grundsätzliches Interesse an der Zusammenarbeit beider Institutionen wie etwa bei studentischen Praktika oder an studiengangsunabhängigen Lehrveranstaltungen bekundet. Gleichzeitig kam die Idee eines gemeinsamen Zeitzeugenprojekts auf, das vom Alltagsleben der Deutschen in Zentralasien handelt.