Kalenderblatt des Monats „Mai 2026“ mit Nora Pfeffer

Heute möchten wir Ihnen das BKDR-Kalenderblatt des Monats „Mai 2026“ präsentieren. Konkret geht es hierbei um Nora Pfeffer.

Ab 1936 studierte Nora Pfeffer Anglistik und Germanistik in Tbilissi, wurde jedoch 1937 wegen ihres Vaters zwangsexmatrikuliert (er war 1935 wegen „systemfeindlicher Aktivitäten“ verurteilt worden). Später studierte sie im Fernstudium an der 1. Moskauer Staatlichen Pädagogischen Hochschule für Fremdsprachen und arbeitete bis 1943 als Dozentin für Deutsch in Tbilissi. Sie heiratete 1940, doch nach dem Ausbruch des Krieges 1941 wurde ihr Mann eingezogen.

1943 wurde Nora Pfeffer aus politischen Gründen zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt und von ihrem einzigen Kind, dem zweijährigen Sohn Reso, getrennt. Von 1956 bis 1981 arbeitete Pfeffer als Dozentin an der Universität in Alma-Ata und später als Moderatorin der deutschen Redaktion bei Radio Kasachstan. In den 1970er-Jahren gelang ihr der Durchbruch als Kinderbuchautorin. 1974 wurde sie Mitglied des Schriftstellerverbands der UdSSR, der sie 1981 mit dem Verbandsliteraturpreis auszeichnete. 1990 erhielt sie den begehrten Dulatow-Preis.

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Herold Belger. Buchpräsentation und Verleihung des 2. Nora-Pfeffer-Literaturpreises

Buchpräsentation und Preisverleihung an die Gewinnerinnen des 2. Nora-Pfeffer-Literaturwettbewerbs

Am 6. Dezember in Nürnberg, BKDR, Sandstr. 20. A, Beginn: 18.00 Uhr     

Im Dezember erscheint im BKDR Verlag das Buch „Herold Belger. Drei Saiten meiner Seele, drei Kreise meines Lebens“ von Nina Paulsen anlässlich des (gedachten) 90. Geburtstags des bekannten deutsch-kasachischen Schriftstellers. Wir laden Sie herzlich zu einem stimmungsvollen Literaturabend ein: mit Texten von Herold Belger sowie den Gewinnerinnen des 2. Nora-Pfeffer-Literaturwettbewerbs (2024). Im Anschluss an den Vortrag von Nina Paulsen über das Leben und Werk von Herold Belger erfolgt die Preisverleihung an Julia Alina Kessel (Gewinnerin in der Kategorie Prosa), Regina Sidonie Schill (Kategorie Essay/Publizistik) und Lorena Pircher (Kategorie Lyrik). Alle drei Autorinnen erhalten jeweils 300,- EUR Preisgeld für ihre Wettbewerbsbeiträge.

Als einer der bekanntesten Schriftsteller Kasachstans hat Herold Belger (1934–2015) tiefe und bleibende Spuren in der Literaturgeschichte seines Landes hinterlassen. Er selbst bezeichnete sich als „Zögling dreier Staaten – Russlands, Kasachstans und Deutschlands“. Alle drei Sprachen und Kulturen prägten Belgers Lebens- und Schaffensweg maßgeblich. Neben seiner literarischen Tätigkeit spielte Herold Belger eine bedeutende Rolle im öffentlichen und politischen Leben Kasachstans. In seinem Heimatland galt der gebürtige Wolgadeutsche als unbestrittene moralische Autorität.

Die vorliegende Publikation, die das Leben und Wirken von Herold Belger zusammenfasst, möchte den Menschen und Literaten Belger auch den deutschen Leserinnen und Lesern näherbringen. Am 28. Oktober 2024 wäre Belger 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass entstand die Idee zu dieser Publikation.

Es bietet sich in diesem Jahr geradezu an, die Preisverleihung an die Gewinnerinnen des 2. Nora-Pfeffer-Literaturwettbewerbs im Rahmen des Belger-Abends durchzuführen.

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Das BKDR gibt in Kooperation mit dem Literaturkreis den Jubiläumsalmanach heraus

Im Oktober 2020 feierte der Literaturkreis der Deutschen aus Russland ein markantes Jubiläum – sein 25-jähriges Bestehen, und präsentierte aus diesem Anlass die Jubiläumsausgabe des Jahrbuchs. Dieser Band ist der russlanddeutschen Autorin und Dichterin Nora Pfeffer gewidmet, die im Dezember 2019 ein hundert Jahre alt geworden wäre. Die Grande Dame der russlanddeutschen Lyrik hat sich von Beginn an im Literaturkreis der Deutschen aus Russland engagiert und hat maßgeblich, auch redaktionell, bei der Entstehung der ersten Literaturblätter vor 25 Jahren mitgewirkt.

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Nora Pfeffer – eine Würdigung zum 100. Geburtstag

Zum 100. Geburtstag von Nora Pfeffer gaben das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (Nürnberg) und der Literaturkreis der Deutschen aus Russland e.V. eine Festschrift heraus.

Die Dichterin Nora Pfeffer gehört mit ihrer poetischen und schriftstellerischen Leistung zu den wichtigsten russlanddeutschen Autoren der Nachkriegszeit. Jahrzehntelang hat sie die Entwicklung der deutschen Literatur in der ehemaligen Sowjetunion mitgeprägt – als Lyrikerin, Übersetzerin, Nachdichterin, Essayistin und Literaturkritikerin. Pfeffers Werke sind in ca. 15 Einzelbänden erschienen, darunter mehrere Versbücher für Kinder, Lyriksammlungen und Bücher mit Nachdichtungen. Sie wurde am 31. Dezember 1919 in Tbilissi/Georgien in einer Lehrerfamilie geboren. Noras Kindheit endete 1935 abrupt mit der Verhaftung ihrer Eltern. Fünf Kinder, eine taubstumme Tante und die Großeltern blieben vorerst allein, ein Jahr später wurde die Mutter aus dem Gefängnis entlassen. Der Vater, ohne Gerichtsverfahren konterrevolutionärer Tätigkeit bezichtigt, wurde erst nach elf Jahren entlassen und 1956 rehabilitiert.

Nach Abschluss der deutschen Schule und des Musiktechnikums am Konservatorium Tbilissi begann Nora Pfeffer ein Studium der Germanistik und Anglistik, das sie extern am I. Moskauer Staatlichen Pädagogischen Fremdspracheninstitut fortsetzte. Gleichzeitig unterrichtete sie die deutsche Sprache am Medizinischen Institut Tbilissi. Weil sie sich weigerte, von ihrem Vater loszusagen, wurde sie exmatrikuliert und auch aus der Musikfachschule ausgeschlossen. 1940 verlobte sie sich mit Juri Karalaschwili, dem Enkel des georgischen Katholikos. Im August 1941 wurde ihr Sohn Rewas geboren (Er verstarb 1989 mit nur 48 Jahren).

Als am 19. Oktober 1941 die georgischen Deutschen deportiert wurden, durfte Nora als Ehefrau eines Georgiers in Tbilissi bleiben. Ihre Mutter und Geschwister verschlug es nach Kasachstan. Auch Noras Mann lag inzwischen verwundet in einem Lazarett im sibirischen Barnaul.

Im November 1943 wurde auch Nora Pfeffer verhaftet (zusammen mit noch einigen georgischen Intellektuellen) und von ihrem kleinen Sohn getrennt. „Ich kam in ein Untersuchungsgefängnis. Ein schmutziger schwarzer Tisch in einer Einzelzelle. Ein Tonkrug darauf. Ein Becher. Ein Stuhl. Auf dem schmutzigen Fußboden ein Kübel und ein Besen. Man darf weder lesen noch schreiben. Ich wollte nicht durchdrehen, wollte meinen Sohn und Mann wieder in Freiheit umarmen können. Ich brauchte eine Beschäftigung. Sie brach eine Rute vom Besen ab, setzte sich an den Tisch und begann, die dicke Lehmschicht Millimeter um Millimeter abzutragen. Tag für Tag, Woche für Woche. Es stellte sich heraus, dass der Tisch leuchtend gelb war…“, erzählte sie in einem Interview mit Agnes Gossen.

Es folgen viele Jahre Straflager in Dudinka (NorilLag). „Tagelanges Reisen in Stolypin-Waggons, mit salzigen Heringen als einziges Nahrungsmittel, Wasser zum Trinken wurde nicht verabreicht. Ich kam nach Dudinka in ein Lager, wo man bei 50 Grad minus in gewöhnlichen Zelten untergebracht wurde. Chronischer Skorbut mit blutendem Zahnfleisch. Holzfällen im Wald, wo man immer wieder auf Leichen von Häftlingen stieß, die auf der Flucht erschossen wurden oder völlig erschöpft zusammengebrochen waren“, ist im Interview nachzulesen. Nach zehn Jahren Straflager kam sie in die Verbannung nach Nordkasachstan.

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