Verein für Heimat- und Familienforschung „Taurien“ zu Gast im BKDR

Der gemeinnützige Verein „Taurien“ wurde 2014 gegründet, um gemeinsam Ahnenforschung und historische Heimatkunde, vornehmlich zu den Deutschen aus dem Schwarzmeergebiet, zu betreiben. Die Aktivitäten des Vereins können sich sehen lassen, u. a. durch die Publikation überarbeiteter Kirchenbuchduplikate, von Erinnerungen oder Biographien.

Seit einiger Zeit hat sich eine Zusammenarbeit des Vereins mit unserem Kulturzentrum angebahnt. So fanden am 2. Mai 2026 die diesjährige Mitgliederversammlung sowie die Vorstellung aktueller Projekte des Vereins in den Räumlichkeiten des BKDR statt.

Hier möchten wir auf einige Vorhaben kurz eingehen. In ihrem Vortrag präsentierte die Vorsitzende des Vereins, Elena Logvenov, Ergebnisse einer detaillierten Analyse bislang unbekannter Archivdokumente über den Verlauf der zweiten Ansiedlungswelle an die Molotschna (1808–1810). Bislang wurde in der Literatur meistens nur die erste, zahlenmäßig größere Einwanderung der Jahre 1803–1805 näher untersucht.

Natalja Freudenberg unternahm einen vielversprechenden Versuch, eine Art Konkordanz-Datenbank zu erstellen, die die unterschiedlichen Benennungen deutscher Ortschaften aus beliebigen Zeitperioden miteinander verbinden würde. Bekanntlich erlebten solche Siedlungen seit ihrer Gründung bis zu mehrere Dutzend Umbenennungen, beginnend mit dem Ersten Weltkrieg und Russlands Kampf gegen den „inneren Deutschen“, ganz zu schweigen von Sowjetismen und der Ausradierung alles Deutschen während und nach dem Zweiten Weltkrieg.

In seinem Vortrag „Einwandererzentralstelle (EWZ)“ stellte Eugen Frescher die Tätigkeit dieser Behörde des NS-Staates dar, die im Schicksal von Hunderttausenden Deutschen aus dem Schwarzmeergebiet und anderen Siedlungsgebieten eine bedeutende Rolle spielte. Besonders anschaulich wurden mobile Züge der Behörde demonstriert, in denen sich 1944 das gesamte Einbürgerungsprozedere abspielte.

Von Seiten des Gastgebers trat Dr. Viktor Krieger mit dem Vortrag „Deutschsprachige Periodika als Quelle für historische Familienforschung“ hervor. Oft möchte man nicht nur die generationenspezifische Abfolge der Vorfahren rekonstruieren – anhand von Familienüberlieferungen, Standesamtsakten oder Kirchenbüchern beziehungsweise Geburts-, Tauf-, Heirats- und Sterberegistern. Vielmehr strebt man danach, auch Näheres über das Leben und Wirken der Ahnen zu erfahren und Kenntnisse über das politische, wirtschaftliche, kulturelle oder soziale Umfeld zu gewinnen, in dem sich ihre Groß- oder Urgroßeltern bewegten. Dies illustrierte der Referent anhand einiger digitalisierter Zeitungen und Zeitschriften aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Abschließend sei die ausgezeichnete technische Begleitung erwähnt, für die Waldemar Michel zuständig war. Nicht zu vergessen ist auch der Einsatz von Christiane Cunnar (BKDR), die für einen reibungslosen Verlauf des Treffens sorgte. Alle Teilnehmer sprachen von einer gelungenen Veranstaltung und äußerten den Wunsch nach einer Vertiefung der Kooperation im Bereich der Heimat- und Familiengeschichte.

Fotos: Waldemar Michel