Webinar zu genealogischen Forschungen in Zentralasien

Am 3. Dezember 2025 hat unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Viktor Krieger im Rahmen eines von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR) organisierten Webinars, moderiert von Eugen Eichelberg, einen Vortrag über die Deutschen aus Zentralasien (ZA) gehalten. Ziel war es, neue Zugänge zur Familien- und Biographieforschung zu präsentieren. Dies ist umso aktueller, weil durch den russisch-ukrainischen Krieg die wichtigsten Archiv- und anderen Quellen in diesen beiden Staaten zu den Schwarzmeer-, Wolga-, Wolhynien- und weiteren Gruppen der Deutschen kaum noch zugänglich sind.

Daher ist die Bedeutung der übrigen, sozusagen peripheren Quellen umso größer geworden. Dr. Krieger sprach über die Bedeutung von Sondersiedlerakten und archivierten Untersuchungsakten, über Deportationslisten und Verzeichnisse der zur Zwangsarbeit Mobilisierten (sog. „Trudarmisten“) speziell in Kasachstan. Trotz aller vorhandenen Unzulänglichkeiten und Einschränkungen ist die Situation in dieser Republik in dieser Hinsicht dennoch wesentlich günstiger als in den anderen ZA-Staaten Usbekistan, Kirgisien, Tadschikistan oder Turkmenistan.

An drei Beispielen wurden neue Recherchemöglichkeiten zur Familiengeschichte der Deutschen in Zentralasien vorgestellt:

Zum einen handelt es sich um die Datenbank „Listen der Deutschen, die in die Kasachische SSR zwangsdeportiert wurden“. Es sind zwar noch keine vollständigen Verzeichnisse vorhanden und die Eingabe der Nachnamen sowie die dazugehörigen Informationen sind momentan nur auf Russisch verfügbar, aber der Anfang ist vielversprechend: HIER zu finden!

Zum anderen ging es um die Sammlung der Ausreiseunterlagen der Abteilung für Visa und Ausländerregistrierung (russisch: OWIR) des Innenministeriums der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik, die sich im Nationalarchiv befindet. Hier sind die Namen von Tausenden deutschen Antragstellern verzeichnet, die seit Ende der 1960er Jahre vor allem aus Kirgisien, Süd- und Zentralkasachstan oder Tadschikistan nach Estland zogen, weil dort am schnellsten die Erlaubnis zur Übersiedlung nach Westdeutschland erlangt werden konnte. Estnisches Nationalarchiv, Seite auf Englisch: HIER zu finden! Suche in den Beständen, u. a. nach Vor- und Nachnamen: HIER zu finden!

Und zum dritten handelt es sich um die Akten der Einwandererzentralstelle (EWZ) und der Lastenausgleichsbehörden, die im Bundesarchiv an den Standorten Berlin-Lichterfelde und Bayreuth aufbewahrt werden. Darin befinden sich Unterlagen zahlreicher „Sowjetdeutscher“, die das Schicksal – vor allem nach 1941 und später – in die betrachtete Großregion verschlagen hat: HIER zu finden!

(Zunächst auf den Button „Suche ohne Anmeldung“ klicken, dann auf „Suche“ und anschließend auf „Namenssuche“.)

Die an den Vortrag anschließende Diskussion verdeutlichte noch einmal das wachsende Interesse an familienbiographischen Fragen. Die Veranstaltung wurde gut besucht und die Organisatoren haben versprochen, im selben Format auch im nächsten Jahr einige thematische Veranstaltungen auszurichten.