Zeitzeugeninterview mit sowjetischem Dissidenten Viktor Axt
Unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Viktor Krieger hat am 31. März ein mehrstündiges Interview mit dem bekannten sowjetischen Dissidenten Viktor Axt geführt. Das Gespräch stellt eine wertvolle Ergänzung zur Aufarbeitung der Geschichte deutscher Minderheiten in der Sowjetunion dar.


Viktor Axt gehörte in den späten 1970er Jahren zu einem Kreis deutscher Intellektueller im Akademgorodok, einem Wissenschaftszentrum der sibirischen Metropole Nowosibirsk. Dort, im Umfeld der Sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, engagierten sich diese Gruppen mit verschiedenen Aktionen für die Gleichberechtigung der Deutschen in der Sowjetunion.
Über Viktor Axt und seine Mitstreiter berichtete das Kulturzentrum BKDR bereits im „Dokument des Monats 9/2025“ unter dem Titel „Anklageschrift gegen deutsche Dissidenten in Nowosibirsk (1982)“:
Besonders bemerkenswert ist Axts Lebensgeschichte: Er wurde in Moskau geboren, wo sein wolgadeutscher Vater seit Anfang der 1930er Jahre als Hausmeister in der britischen Botschaft tätig war. Da die Familie auf exterritorialem Gelände lebte, blieb sie zunächst von der Deportation der Deutschen aus Moskau im Jahr 1941 verschont. Erst Ende 1943 gab die britische Botschaft dem Druck der sowjetischen Behörden nach, sodass die Familie nach Nord-Sibirien deportiert wurde.
Im Interview berichtete Viktor Axt ausführlich über diese Erfahrungen sowie über die Verfolgung seiner Familie. Sein Vater wurde 1944 zu 15 Jahren Straflager verurteilt und starb im Karlag in Kasachstan. Darüber hinaus schilderte Axt seine eigenen bürgerrechtlichen Aktivitäten sowie die Repressionen gegen deutsche Dissidenten in der Sowjetunion.
Neben den persönlichen Erinnerungen übergab Viktor Axt dem BKDR auch weiterführende Dokumente für das Archiv, die künftig für Forschung und Bildungsarbeit zur Geschichte der Russlanddeutschen von großer Bedeutung sein werden.