„Eine Zeitreise: Auf den Spuren unserer Vorfahren im Südkaukasus“

Am 18. April 2026 wird Familienforscherin und Buchautorin Rita Laubhan von 10:00 bis 13:00 Uhr im Haus der Heimat Nürnberg zum Thema „Eine Zeitreise: Auf den Spuren unserer Vorfahren im Südkaukasus“ referieren und tiefe Einblicke in die Ahnenforschung geben.

Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Olga Litzenberger und Dorothea Walter.

Zur Teilnahme ist eine verbindliche Anmeldung per E-Mail an walter.dorothea51@gmail.com oder telefonisch unter der 01705771326 notwendig. Darüber hinaus können Sie gerne per Zoom am Ahnenforschungsseminar teilnehmen:

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Zeitzeugeninterview mit sowjetischem Dissidenten Viktor Axt

Unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Viktor Krieger hat am 31. März ein mehrstündiges Interview mit dem bekannten sowjetischen Dissidenten Viktor Axt geführt. Das Gespräch stellt eine wertvolle Ergänzung zur Aufarbeitung der Geschichte deutscher Minderheiten in der Sowjetunion dar.

Viktor Axt gehörte in den späten 1970er Jahren zu einem Kreis deutscher Intellektueller im Akademgorodok, einem Wissenschaftszentrum der sibirischen Metropole Nowosibirsk. Dort, im Umfeld der Sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, engagierten sich diese Gruppen mit verschiedenen Aktionen für die Gleichberechtigung der Deutschen in der Sowjetunion.

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Verfälschungen in den Rehabilitierungsverfahren der Chruschtschow-Ära

(Dokument des Monats)

Das Schicksal des letzten Pfarrers der St.-Paul-Kirche in Odessa, Karl Vogel (1896–1937), war typisch für die Zeit vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges: Nach dem Abschluss des evangelisch-lutherischen Predigerseminars in Leningrad (1932) diente er eine Zeitlang als Seelsorger in Hoffnungstal und ab 1933 in Odessa. Nach fadenscheinigen Vorwürfen, eine Spionageverbindung zu einem ausländischen Konsulat zu unterhalten und eine organisierte konterrevolutionäre, faschistische Propaganda unter seinen Gemeindemitgliedern zu betreiben, wurde Pastor Vogel am 4. Juli 1937 verhaftet und nur wenige Monate später, am 27. Oktober, erschossen.

Seine archivierte Untersuchungsakte enthält u. a. einige sehr aussagekräftige Dokumente, die anschaulich zeigen, wie das KGB – selbstverständlich mit Billigung der Partei- und Staatsführung – ab Mitte der 1950er-Jahre systematisch die Todesumstände der nach dem Krieg rehabilitierten Personen verfälscht hat. Um das Ausmaß des Terrors vor allem in den 1930er-Jahren zu verschleiern, verfügte eine streng geheime KGB-Direktive vom 24. August 1955 [auf Russisch], dass der Todestag eines zum Erschießen Verurteilten auf ein beliebiges Datum zwischen Beginn der Inhaftierung und den folgenden zehn Jahren festzulegen sei und eine erfundene Todesursache anzugeben sei. Diese falschen Informationen wurden dann weitergegeben, wenn Familienangehörige die Ausstellung einer Sterbeurkunde beantragten. Erst 1963 wurde diese Praxis beendet; die davor erteilten falsifizierten Auskünfte blieben davon unberührt [KGB-Instruktion vom 21. Februar 1963 auf Russisch].

Untenstehend finden Sie eine dokumentarische Zusammenstellung aus der Untersuchungsakte Karl Vogels (siehe das PDF unten nach diesem Beitrag).

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„Ahnenforschung der Russlanddeutschen in der Praxis – was uns Archivakten über unsere Vorfahren erzählen“

Am 21. März 2026 (Samstag) wird Dr. Tatjana Schell von 10:00 – 13:00 Uhr im Haus der Heimat Nürnberg zum Thema „Ahnenforschung der Russlanddeutschen in der Praxis – was uns Archivakten über unsere Vorfahren erzählen“ referieren.

Moderation: Dr. Olga Litzenberger und Dorothea Walter.

Zur Teilnahme ist eine verbindliche Anmeldung per E-Mail an walter.dorothea51@gmail.com oder telefonisch unter der 01705771326 notwendig. Darüber hinaus können Sie gerne per Zoom am Ahnenforschungsseminar teilnehmen:

Meeting-ID: 658 649 8026
Kenncode: BKDR2026

Alle weiteren Informationen finden Sie auf dem nachstehenden Flyer.

Wir freuen uns sehr auf Ihre Teilnahme – leiten Sie den Flyer gerne an mögliche Interessenten weiter!

Nachstehend für Sie der Flyer mit der Möglichkeit des Downloads:

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Ein ungewöhnlicher Brief aus Bessarabien von 1848  

(Dokument des Monats)

Den uns vorliegenden Brief verfasste Johann Jakob Koch, ein verdienstvoller Schulmeister aus der deutsch-bessarabischen Siedlung Gnadental (bekannt auch als Gnadenthal), die 1830 von württembergischen Auswanderern gegründet worden war. Er ist der erste von insgesamt 17 Briefen, die Koch an seine einstige Ausbildungsstätte in Lichtenstern, Königreich Württemberg, zwischen 1848 und 1889 geschrieben hat. Das Briefkorpus bildet eine einzigartige Quelle zur Alltagsgeschichte der deutschen Ansiedler in Bessarabien und bezeugt eine jahrzehntelang bestehende Verbindung zwischen dem Ursprungsland Württemberg und den Emigranten in Russland. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die im Schwarzmeergebiet angesiedelten Kolonisten von jenen, die 40 bis 60 Jahre zuvor an die Wolga gekommen waren. Die Wolgadeutschen pflegten anfangs kaum Kontakte zu ihrer alten Heimat, was vor allem an unterschiedlichen Auswanderungs- und Ansiedlungsverläufen lag.

Briefausschnitt. Vollständiger Brief sowie Transkription s. unten.

Das Interessante an dem Brief vom 18. März 1848 ist die Erwähnung einer Geldsumme von 10 Silberrubeln, die die Gnadentaler Gemeinde an die Lichtensterner Anstalt angesichts der Hungersnot in Deutschland (1846/47) spendete. Bekannt ist ferner, dass für diese Bildungsanstalt in der gleichen Zeit eine „Liebesgabe von 317 Rubel“ aus der Kolonie Neuhoffnung eingegangen ist, die von württembergischen Chiliasten in der Nähe von Berdjansk im Jahre 1822 gegründet wurde. Dieser Sachverhalt ist bemerkenswert, weil man sonst üblicherweise, wenn von einer Hungersnot die Rede ist, zuerst an das Russische Reich sowie die Sowjetunion bzw. an die Hilfeleistungen aus Deutschland denkt – etwa für die Wolgadeutschen in den 1920- oder 1930er-Jahren. Dass es in der Vergangenheit auch anders war, ist bislang wenig bekannt.

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Terminankündigung: „Die Kaukasiendeutschen. Kultur, Geschichte und Gegenwart“

Vom 24. bis 26. Juli 2026 wird in der Bildungsstätte im Heiligenhof die BKDR-Fachtagung „Die Kaukasiendeutschen. Kultur, Geschichte und Gegenwart“ stattfinden.

Merken Sie sich gerne schon einmal den Termin vor. Einige Zusatzinformationen finden Sie auf dem Flyer. Alle weiteren Infos zum Programm, den Konditionen sowie Anmeldedaten werden frühzeitig bekanntgegeben.

Zur Lage der Kirche in der UdSSR Ende 1932: ein zeitgenössisches Dokument

(Dokument des Monats)

Das Dokument des Monats Januar (2026) stammt aus dem Jahr 1932 und befasst sich mit der damaligen Lage der Kirche in der UdSSR – es ist an den Hauptverein der Gustav-Adolf-Stiftung in Deutschland adressiert. Der Verfasser Gustav Birth (1887–1937) zeichnete sich durch fundierte Kenntnisse der Kirchenpolitik des Sowjetstaates und ihrer Auswirkungen auf das Leben der Geistlichen sowie der einfachen Gläubigen aus.

 
Anfang des Berichts (ausführliches Dok. siehe unten) @ Evangelisches Zentralarchiv (EZA), Berlin.

In deutlichen Worten, ungeschminkt, berichtet er von der prekären Lage vor allem der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine, von gewaltsamen Schließungen der Gotteshäuser, vom Verbot jeglicher Kinder-, Frauen- und Jugendarbeit, von staatlichen Repressionen und Einschüchterungen, die dazu führten, dass die offiziell registrierten Gemeinden nur über wenige Dutzend Mitglieder verfügten. Aber auch die Russisch-Orthodoxe Kirche, schreibt der Verfasser weiter, befände sich in einem trostlosen Zustand. Er fragt sich ferner: „Ist die Gottlosigkeit die herrschende Geistigkeit im jetzigen Russland?“ Und beantwortet die Frage selbst wie folgt: „Sie ist es nicht, da das Ganze nur auf staatlichem Druck und Repression beruht. Das Volk ist durchaus religiös, und ein Mann markiert heute nur den Gottlosen, weil er muss.“ (siehe unten das gesamte Dokument als PDF). Sein Blick in die Zukunft ist pessimistisch; er fürchtet, dass „dem Kirchenwesen über kurz oder lang hier ein Ende bereitet“ werden könnte. Interessant sind auch seine Ansichten zur Spaltung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland in den 1920er-Jahren, die im Zusammenhang mit dem Namen des abtrünnigen Pastors Eduard Luft (1890–1938) in die Geschichte eingegangen ist. Neunzehn Gemeinden, vollständig oder nur zum Teil, leisteten ihm Gefolgschaft. Sowjetische Behörden unterstützten solche separatistischen Bewegungen eine Zeitlang, um die organisierte Ev.-Luth. Kirche in der UdSSR zu schwächen.

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„Wolgadeutsche Siedlungen in Argentinien“: Buchvorstellung mit Olga Litzenberger

Auf den Spuren der Wolgadeutschen in Argentinien: Vortrag und Lesung am 12.02.2026 in Schwabach.

Im Bürgerhaus (Königspl. 33a, 91126 Schwabach), Beginn 18:30 Uhr.

Das Bürgermeister- und Presseamt der Stadt Schwabach lädt am Donnerstag, den 12. Februar, gemeinsam mit dem Kulturzentrum BKDR zum Kulturabend ins Schwabacher Bürgerhaus ein. Interessierte Bürgerinnen und Bürger erhalten aus erster Hand spannende Einblicke in die aktuelle Forschungsarbeit von Prof. Dr. Olga Litzenberger und Dr. Sergey Terekhin. Ihr Buch mit dem Titel „Kultur und Identität: Wolgadeutsche Siedlungen in Argentinien“ ist im August 2025 im BKDR Verlag erschienen.  

Im BKDR Verlag erschienen.

Als Experten für die Geschichte und Kultur der Wolgadeutschen erfuhren die beiden Wissenschaftler, dass viele wolgadeutsche Familien im 19. Jahrhundert nach Argentinien ausgewandert sind. Um herauszufinden, wie deren Nachkommen heute leben, besuchten Litzenberger und Terekhin in den Jahren 2023 und 2025 Dörfer und Städte in den Provinzen Entre Ríos, Buenos Aires und La Pampa, darunter auch die drei wolgadeutschen Gemeinden der Schwabacher Partnerstadt Coronel Suárez. In ihrem Vortrag zeigt Olga Litzenberger auf, wie die Nachkommen der Wolgadeutschen bis heute diese Umgebung auf typisch deutsche Weise prägen: die Straßen, Schulen und Kirchen – alles Bauwerke, die in alter Tradition ihrer wolgadeutschen Vorfahren errichtet wurden. Sie bewahren und pflegen ihr kulturelles Erbe.

Umrahmt wird der Kulturabend mit bekannten Musikstücken wolgadeutscher Komponisten, die von der Schwabacher Adolph von Henselt-Musikschule und der städtischen Musikschule in Coronel Suárez aufgeführt werden. Die Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr (Einlass ab 18:00 Uhr).

Der Eintritt ist kostenlos.

Nähere Informationen zum Buch sowie eine Leseprobe erhalten Sie unter:

https://bkdr.de/wolgadeutsche-siedlungen-argentinien/

„In den Fängen der Zeit“ von Nelli Kossko neu aufgelegt!

Die „Odyssee“: Wege und Irrwege der Autorin in einer aus den Fugen geratenen Welt …

Der lange Weg der Protagonistin Emma Wagner beginnt 1944 in Marienheim in der Ukraine und verläuft weiter über Bessarabien, Rumänien, Ungarn, Polen bis nach Dresden, dann macht er einen Knick, schlängelt sich über Polen nach Russland zurück und zieht sich von Kostroma über den Ural, West- und Ostsibirien bis hin zum Ochotskischen Meer, strebt dann gen Norden über Magadan Richtung Kolyma. Erst 1956 kehrt etwas Ruhe ein, der Weg bringt die Protagonistin langsam und schrittweise zurück in den Westen – zunächst in den Ural, dann nach Moldawien, in die Nähe der ukrainischen Heimat ihrer Eltern, und schließlich nach Deutschland, den Endpunkt ihrer Irrungen. Hier hat sie Wurzeln geschlagen, und ihre Wege führen sie nur noch in die vielen Urlaubsländer, aus denen sie immer wieder gerne heimkehrt. Dieses Buch ist eine bearbeitete und verbesserte Ausgabe der Trilogie von „Die geraubte Kindheit“, „Am anderen Ende der Welt“ und „Wo ist das Land …“, die bereits 2018 im Ratio-books erschienen ist und schnell über die Grenzen hinaus bekannt und vergriffen wurde.

Der BKDR Verlag nahm sich nun in Kooperation mit dem Literatutkreis der Deutschen aus Russland (LITO) der Neuauflage an, weil das Buch „In den Fängen der Zeit“ von Nelli Kossko eines der wichtigsten Werke darstellt, die nach 2000 über das Schicksal der Deutschen aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion in Deutschland erschienen sind. Die neue Ausgabe ist ab dem 23. Januar 2026 im deutschen Buchhandel verfügbar.

Die Autorin:

Nelli Kossko (c) Privatarchiv.

Nelli Kossko wurde 1937 in einer deutschen Siedlung in der Ukraine am Schwarzen Meer geboren. Ihr Vater, Oskar Maser, war Deutschlehrer. 1937 war er den stalinistischen Säuberungen zum Opfer gefallen. Nach Kriegsausbruch mit der Sowjetunion und dem Vormarsch der Wehrmacht wurde Nelli Kossko zusammen mit ihrer Mutter nach Deutschland ausgesiedelt, jedoch nach Kriegsende in die UdSSR zurück verschleppt. Die Sowjets verbannten die Familie in den Norden des europäischen Teils Russlands und anschließend auf die Kolyma im Fernen Osten. Erst nach Stalins Tod durfte Nelli Kossko 1956 den Verbannungsort an der Behring-Straße verlassen und ein Germanistik- und Anglistikstudium an der Pädagogischen Hochschule in Swerdlowsk/Ural aufnehmen. Nach Abschluss des Studiums unterrichtete sie Deutsch und deutsche Literatur an verschiedenen Pädagogischen Hochschulen der UdSSR. 1975 gelang es Nelli Kossko (nach mehreren abgelehnten Ausreiseanträgen) mit ihrer Familie, nach Deutschland auszuwandern.

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